Der Einheitswert steht im Kaufvertrag, im Grundsteuerbescheid und im Schenkungsvertrag, und regelmäßig hält ihn jemand für den Wert des Hauses. Das ist die teuerste Verwechslung, die man mit einem Bescheid machen kann: Erben rechnen zu niedrig, Käufer halten einen Kaufpreis für überzogen, Verkäufer fragen sich, ob der Makler übertreibt. Dieser Beitrag erklärt, wie die Steuerwerte in Österreich, Deutschland und der Schweiz entstehen, warum sie vom Marktwert abweichen müssen und was Sie tun können, wenn der Bescheid falsch ist. Wie der Marktwert selbst aus Kaufpreisen hergeleitet wird, zeigt der Leitfaden Was ist mein Haus wert. Die folgenden Abschnitte handeln von den Zahlen, mit denen er verwechselt wird.
Steuerwert, Bankwert, Marktwert: welche Zahl wofür gemacht ist
| Wert | Wer ihn festlegt | Wozu | Verhältnis zum Marktwert |
|---|---|---|---|
| Einheitswert (AT) | Finanzamt, Einheitswertbescheid | Besteuerungsgrundlage der Grundsteuer2 | Preisniveau 1973 plus 35 Prozent1; im Beispiel unten knapp acht Prozent des Marktwerts |
| Grundstückswert (AT) | Berechnung nach Pauschalwertmodell oder Preisspiegel, ersatzweise Gutachten | Nur Grunderwerbsteuer bei unentgeltlichen Erwerben6 | 71,25 Prozent der Statistik-Austria-Durchschnittspreise oder pauschalierte Boden- und Gebäudewerte6 |
| Grundsteuerwert (DE) | Finanzamt, Hauptfeststellung 1. Januar 2022 | Grundsteuer seit 20254 | Typisierter Ertragswert aus Tabellenmieten und Bodenrichtwert4; kann nach oben und unten abweichen |
| Steuerwert (CH) | Kantonale Steuerverwaltung, periodische Schätzung | Vermögenssteuer, bisher auch Eigenmietwert57 | Je Kanton Verkehrswert, Ertragswert oder Mischwert5 |
| Beleihungs- oder Bankwert | Bank für die Kreditentscheidung | Sicherheit für den Kredit | Vorsichtig, unter dem Marktwert |
| Verkehrswert / Marktwert | Sachverständiger; Vergleichskäufe; Wertspanne mit Quellen | Kauf, Verkauf, Erbteilung, Scheidung | Der Maßstab |
Die Tabelle zeigt das Grundmuster: Jeder Steuerwert ist für eine Steuer gebaut und für nichts anderes. Wer ihn für Kauf, Verkauf oder Erbteilung verwendet, misst mit einem Instrument, das dafür nie geeicht wurde.
Der Einheitswert in Österreich: Preisniveau 1973, Steuermessbetrag, Hebesatz der Gemeinde
Das Bewertungsgesetz 1955 sieht vor, dass die Einheitswerte des Grundvermögens allgemein festgestellt werden, und zwar in Zeitabständen von je neun Jahren nach den Verhältnissen zu Beginn des Kalenderjahres1. Für Häuser und Wohnungen gelten die Bewertungsregeln des § 53 BewG in der Fassung von 1972 mit Bezugszeitraum ab 1. Jänner 1973, und die so ermittelten Einheitswerte des Grundvermögens waren ab 1. Jänner 1983 um 35 vH zu erhöhen1. Neue Häuser werden bei der Nachfeststellung auf dieses Preisniveau zurückgerechnet: Ein Neubau aus 2024 erhält also einen Einheitswert, als stünde er 1973. Der Bescheid des Finanzamts nennt den Wert, den Steuermessbetrag und die Art des Grundstücks (Einfamilienhaus, Mietwohngrundstück, gemischt genutzt); im Grundbuch steht er nicht.
Die Grundsteuer selbst rechnet in drei Schritten. Besteuerungsgrundlage ist der Einheitswert2. Auf ihn wendet das Finanzamt die Steuermesszahl an, im Regelfall 2 Promille; Einfamilienhäuser zahlen für die ersten 3.650 Euro nur 0,5 Promille und für die folgenden 7.300 Euro 1 Promille, Mietwohngrundstücke für die ersten 3.650 Euro 1 Promille und für weitere 3.650 Euro 1,5 Promille; das Ergebnis, auf volle Cent gerundet, ist der Steuermessbetrag2. Den Jahresbetrag ermittelt die Gemeinde, indem sie den Messbetrag mit ihrem Hebesatz multipliziert, den sie nach dem Finanzausgleichsgesetz festsetzt2; das FAG 2024 ermächtigt die Gemeinden zu Hebesätzen bis zum Ausmaß von 500 Prozent, änderbar nur einmal jährlich bis 30. Juni mit Rückwirkung auf den Jahresbeginn3. Der Bescheid der Gemeinde gilt bis zur nächsten Haupt- oder Neuveranlagung auch für die Folgejahre2.
Der Grundstückswert ist eine andere Zahl. Er gilt nur für die Grunderwerbsteuer bei unentgeltlichen Erwerben, also bei Schenkung und Erbschaft, und wird entweder pauschal aus Bodenwert plus Gebäudewert mit Abschlägen für Alter und Gebäudeart berechnet oder als 71,25 Prozent des Betrags aus den Immobilien-Durchschnittspreisen der Statistik Austria; der Einheitswert dient dort nur noch für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke6. Wer ein Haus erbt, hat es also mit zwei Steuerwerten zu tun, die um ein Vielfaches auseinanderliegen; welcher wann zählt, behandelt der Beitrag zur Bewertung einer geerbten Immobilie.
Der Grundsteuerwert in Deutschland seit 2025: Bundesmodell und fünf Ländermodelle
Deutschland hat den Einheitswert abgeschafft, aus demselben Grund, aus dem er in Österreich so niedrig ist: Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2018 die Bewertung von Grundstücken mit veralteten Einheitswerten für verfassungswidrig, und der Gesetzgeber schuf 2019 mit dem Grundsteuer-Reformgesetz die Neuregelung samt Öffnungsklausel für die Länder8. Die erste Hauptfeststellung der Grundsteuerwerte erfolgte auf den 1. Januar 2022 für die Hauptveranlagung auf den 1. Januar 20254; alle sieben Jahre folgt eine neue4.
Im Bundesmodell rechnet das Finanzamt Wohngrundstücke im Ertragswertverfahren: Der Grundsteuerwert ist die Summe aus dem kapitalisierten Reinertrag und dem abgezinsten Bodenwert4. Der Rohertrag kommt nicht aus dem Mietvertrag, sondern aus der Anlage 39 des Gesetzes, die monatliche Nettokaltmieten je Quadratmeter nach Land, Gebäudeart, Wohnfläche und Baujahr vorgibt, korrigiert um Zu- und Abschläge je Mietniveaustufe der Gemeinde4; der Bodenwert stammt aus dem Bodenrichtwert der Gutachterausschüsse, der bei unbebauten Grundstücken direkt mit der Fläche multipliziert wird4. Die Steuermesszahl beträgt für Ein- und Zweifamilienhäuser, Mietwohngrundstücke und Wohnungseigentum 0,31 Promille des Grundsteuerwerts; unbebaute Grundstücke und die übrigen bebauten Grundstücke tragen 0,34 Promille, geförderter Wohnraum erhält einen Abschlag von einem Viertel, Baudenkmäler einen von einem Zehntel9. Die Gemeinde bestimmt den Hebesatz, den sie bis zum 30. Juni mit Wirkung vom Jahresbeginn beschließen muss, und kann für baureife unbebaute Grundstücke aus städtebaulichen Gründen einen gesonderten, höheren Hebesatz festsetzen10.
Fünf Länder rechnen anders. Baden-Württemberg wendet ein modifiziertes Bodenwertmodell an, bei dem Grundstücksfläche und Bodenrichtwert multipliziert werden und das Gebäude keine Rolle spielt; Bayern ein wertunabhängiges Flächenmodell, in dem Grundstücks- und Wohnfläche mit Äquivalenzzahlen multipliziert werden; Hamburg ein Wohnlagemodell, Hessen ein Flächen-Faktor-Verfahren, Niedersachsen ein Flächen-Lage-Modell; Berlin, Bremen, das Saarland und Sachsen bleiben beim Bundesmodell mit abweichender Steuermesszahl8. Für Eigentümer heißt das: Ob der Wert im Bescheid mit dem Marktwert überhaupt etwas zu tun hat, hängt vom Bundesland ab. In Bayern ist er eine Flächenzahl, in Baden-Württemberg ein reiner Bodenwert, im Bundesmodell ein typisierter Ertragswert.
Der Steuerwert in der Schweiz: Vermögenssteuer nach Kanton, Eigenmietwert bis zum Systemwechsel
Die Schweiz kennt keine bundesweite Grundsteuer; Liegenschaften werden in der kantonalen Vermögenssteuer erfasst. Das Steuerharmonisierungsgesetz verlangt, Aktiven grundsätzlich zum Verkehrswert zu bewerten, und die Kantone bewerten nicht landwirtschaftliche Liegenschaften mehrheitlich zum Verkehrswert, zum Ertragswert oder zum Verkehrswert unter Berücksichtigung des Ertragswerts: reiner Verkehrswert etwa in Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Aargau und Thurgau, Verkehrswert unter Berücksichtigung des Ertragswerts in Schwyz, Solothurn, Schaffhausen, Wallis und Jura, das Mittel aus beiden in der Waadt5. Der Steuerwert wird nicht jährlich, aber periodisch neu festgelegt, und Begriffe wie „Katasterwert“ oder „amtliche Schatzung“ bedeuten je Kanton etwas anderes5. Zwischen zwei Schätzungen bleibt der Steuerwert stehen, während der Markt weiterläuft5.
Der zweite Schweizer Steuerwert ist der Eigenmietwert, den Selbstnutzer bisher als Einkommen versteuern. Am 28. September 2025 hat das Stimmvolk den Bundesbeschluss über die kantonalen Liegenschaftssteuern auf Zweitliegenschaften mit 57,7 Prozent Ja angenommen, 14 Stände und 5 Halbkantone stimmten dafür; weil das Gesetz über den Systemwechsel damit verknüpft ist, ist die Abschaffung des Eigenmietwerts zustande gekommen, das Inkrafttreten bestimmt der Bundesrat, und bei einem Hypothekarzinsniveau von rund 1,5 Prozent rechnet der Bund mit Mindereinnahmen von rund 1,8 Milliarden Franken7. Für die Bewertungsfrage ändert das wenig: Die Vermögenssteuer und ihr Steuerwert bleiben.
Warum ein niedriger Steuerwert kein Schnäppchen anzeigt
Die Abweichung ist kein Fehler, sie ist eingebaut. Ein Steuerwert muss für Millionen Objekte gleichzeitig, ohne Besichtigung und mit vertretbarem Verwaltungsaufwand festgestellt werden. Das geht nur mit Typisierung: Tabellenmieten statt Mietvertrag, Bodenrichtwertzonen statt Grundstück, Bauperioden statt Zustand, in Österreich zusätzlich ein Preisniveau, das seit 1973 eingefroren ist1. Der Markt dagegen bewertet jedes Haus einzeln, heute, mit Blick auf Straße, Zustand, Energieausweis und den Käufer, der gerade sucht.
Daraus folgen drei Regeln für das Lesen eines Bescheids. Erstens: Der Abstand zwischen Steuerwert und Marktwert ist in Österreich riesig und für alle ähnlich, also ohne Informationswert über das einzelne Haus. Zweitens: Im deutschen Bundesmodell ist der Abstand klein genug, dass er in beide Richtungen ausschlagen kann; ein Grundsteuerwert über dem Marktwert ist ein Fall für den Einspruch, einer darunter kein Schnäppchen, sondern eine niedrige Mietniveaustufe oder ein niedriger Bodenrichtwert. Drittens: In der Schweiz sagt ein tiefer Steuerwert oft nur, dass der Kanton lange nicht mehr geschätzt hat5. Wer wissen will, ob ein Kaufpreis fair ist, braucht Vergleichskäufe und den amtlichen Preisindex; die Zahl im Bescheid ersetzt beides nicht. Auch bei Trennungen taucht der Einheitswert als „Wert des Hauses“ auf, mit teuren Folgen für den ausziehenden Partner; wie die Aufteilung richtig gerechnet wird, steht im Beitrag zur Auszahlung des Partners bei der Scheidung.
Bescheid anfechten: Beschwerde (AT), Einspruch mit 40-Prozent-Regel (DE), Einsprache (CH)
Österreich. Zwei Bescheide, zwei Adressaten. Den Einheitswertbescheid und den Grundsteuermessbescheid erlässt das Finanzamt, den Grundsteuerbescheid mit dem Jahresbetrag die Gemeinde2. Prüfen Sie im Einheitswertbescheid die Grundstücksart (ein als Mietwohngrundstück eingestuftes Einfamilienhaus verliert die ermäßigte Messzahl2), die Flächen und den Bezugszeitpunkt. Gegen den Bescheid des Finanzamts steht die Beschwerde innerhalb der im Bescheid genannten Rechtsmittelfrist offen; der Hebesatz selbst ist kein Bescheid, sondern ein Beschluss der Gemeindevertretung3. Weil der Einheitswert planmäßig niedrig ist, lohnt sich ein Verfahren fast nur bei Einstufungs- oder Flächenfehlern.
Deutschland. Setzen Sie beim Bescheid über den Grundsteuerwert an und nicht erst beim Grundsteuerbescheid der Gemeinde, der den Wert nur übernimmt. Prüfen Sie Wohnfläche, Baujahr, Bodenrichtwert und Mietniveaustufe. Der zweite Hebel ist der Wert selbst: Nach den Beschlüssen des Bundesfinanzhofs vom 27. Mai 2024 müssen Steuerpflichtige einen niedrigeren gemeinen Wert nachweisen können, wenn der festgestellte Wert ihn um 40 Prozent oder mehr übersteigt, und die Länder des Bundesmodells wiesen ihre Finanzämter am 24. Juni 2024 an, in solchen Fällen Aussetzung der Vollziehung zu gewähren, regelmäßig in Höhe von 50 Prozent des Grundsteuerwerts und befristet bis zur Vorlage eines Gutachtens11. Inzwischen steht die Regel im Gesetz: Der niedrigere gemeine Wert ist als Grundsteuerwert anzusetzen, wenn der festgestellte Wert ihn um mindestens 40 Prozent übersteigt; als Nachweis dienen ein Gutachten nach § 198 BewG oder ein Kaufpreis aus dem gewöhnlichen Geschäftsverkehr, der nicht mehr als zwölf Monate vor oder nach dem Hauptfeststellungszeitpunkt vereinbart wurde4. Der Nachweis bezieht sich auf die Wertverhältnisse zum 1. Januar 2022, nicht auf heute411.
Schweiz. Gegen die Schätzung des Steuerwerts steht die Einsprache bei der kantonalen Steuerverwaltung innerhalb der Frist offen, die der Bescheid nennt; die Anforderungen an den Nachweis unterscheiden sich je Kanton, weil schon die Bewertungsmethode kantonal ist5. Wer den Wert bestreitet, braucht Vergleichspreise aus der Gemeinde oder eine Schätzung, die nach der Methode des Kantons rechnet, nicht nach einer anderen.
Ein Haus in Graz-Umgebung: 30.000 Euro Einheitswert, 380.000 Euro Marktwert, 236 Euro Grundsteuer
Der Bescheid im Beispiel ist erfunden, die Bezirksdaten sind echt. Angenommen wird ein Haus mit 125 m² Wohnfläche in einer Gemeinde des Bezirks Graz-Umgebung, Baujahr 1978, mittelgroßes Grundstück, Einheitswert laut Bescheid 30.000 Euro, Hebesatz 500 Prozent.
Der Marktwert. In der Häuserpreistabelle 2025 der Statistik Austria steht für Graz-Umgebung, Kategorie B (durchschnittliche Grundstücke), Bauperiode 1961 bis 1990, Wohnfläche 100 bis 140 m², ein Wert von 3.040 Euro je m², ein geometrisches Mittel der Kaufpreise 2021 bis 2025, valorisiert auf 202512. Für 125 m² sind das 380.000 Euro. Der Median aller steirischen Wohnhäuser liegt bei 2.421 Euro je m²12; der Speckgürtel von Graz kostet also deutlich mehr als das Land.
| Größe | Rechnung (Beispiel) | Ergebnis |
|---|---|---|
| Einheitswert (angenommen) | laut Einheitswertbescheid | 30.000 € |
| Steuermessbetrag | 3.650 € × 0,5 ‰ + 7.300 € × 1 ‰ + 19.050 € × 2 ‰, auf volle Cent gerundet2 | 1,825 € + 7,30 € + 38,10 € = 47,225 €, gerundet 47,22 € |
| Grundsteuer im Jahr | 47,22 € × 500 %3 | 236,10 € |
| Marktwert aus den Bezirksdaten | 125 m² × 3.040 €/m²12 | 380.000 € |
| Einheitswert im Verhältnis zum Marktwert | 30.000 ÷ 380.000 | ≈ 7,9 % |
| Grundstückswert nach Preisspiegelmethode (nur Grunderwerbsteuer bei Schenkung oder Erbschaft) | 380.000 € × 71,25 %6 | ≈ 270.750 € |
| Zum Vergleich Deutschland: Grundsteuer im Bundesmodell | angenommener Grundsteuerwert 300.000 € × 0,31 ‰9 = 93 €, × angenommener Hebesatz 400 %10 | 372 € |
Drei Zahlen für ein Haus: 30.000 Euro für die Grundsteuer, rund 271.000 Euro für die Grunderwerbsteuer bei einer Schenkung, 380.000 Euro auf dem Markt. Alle drei sind richtig, jede für ihren Zweck. Wer das Haus verkaufen, vererben oder in der Scheidung aufteilen will, arbeitet mit der dritten; die ersten beiden gehören dem Finanzamt. Die Grundsteuer von rund 236 Euro im Jahr erklärt zugleich, warum in Österreich kaum jemand gegen den Einheitswert vorgeht: Der Streitwert ist klein. Welche laufenden Kosten neben der Grundsteuer anfallen, rechnet der Beitrag über die laufenden Kosten für Haus und Eigentumswohnung durch.
Die Gegenprobe zum Bescheid: eine Marktwertspanne mit Vergleichskäufen aus dem CheckValue-Bericht
Wer einen Bescheid anfechten oder einfach die Zahl im Kaufvertrag einordnen will, braucht die Gegenprobe: Was ist das Haus am Markt wert? Zwei Teile des Berichts leisten das für diesen Zweck. Die Wertspanne mit den Vergleichskäufen aus der Umgebung zeigt, wo der Marktwert liegt und woraus er abgeleitet ist; neben einem deutschen Grundsteuerwert erkennt man daran in Minuten, ob die 40-Prozent-Schwelle überhaupt in Reichweite ist oder ob sich ein Gutachten nicht rechnet4. Der Quadratmeterpreis im Vergleich zum Bezirksdurchschnitt und der amtliche Preisindex ordnen die eigene Adresse in die Statistik ein, aus der auch die Steuerwerte gespeist werden, in Österreich etwa die Durchschnittspreise, die dem Grundstückswert nach der Preisspiegelmethode zugrunde liegen6.
Deutlich gesagt: Der Bericht ist kein Gutachten. Für den Nachweis nach § 198 BewG verlangt das deutsche Finanzamt ein Sachverständigengutachten oder einen Kaufpreis4, und das österreichische unterstellt nur dem Schätzungsgutachten eines allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen die Richtigkeit6. Er ist die Vorstufe: eine belegte Spanne, mit der Sie entscheiden, ob Sie den Sachverständigen beauftragen, und die Sie ihm als Ausgangspunkt mitgeben. Wie der Bericht aufgebaut ist, sehen Sie in der kostenlosen Vorschau für Ihre Adresse; fertige Beispiele stehen unter den Musterberichten für Wien und Berlin.
Im Kaufvertrag steht der Einheitswert, weil Notar und Finanzamt ihn brauchen, und ich habe mehr als einmal erlebt, dass ein Käufer ihn für den Wert des Hauses hielt und sich über den Kaufpreis empörte. Sobald ich ihm die Kaufverträge aus der Nachbarschaft danebenlegte, war die Empörung vorbei. Die Zahl ist kein Preis, sie ist ein Verwaltungsrelikt.
Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Fristen, Messzahlen und Hebesätze tragen im Text ihr Jahr; die geltende Fassung steht in der jeweils zitierten Quelle, und im Zweifel entscheidet der Bescheid in Ihrer Hand.
Häufige Fragen
Was ist der Einheitswert, und wie wird er berechnet?
Der Einheitswert ist ein steuerlicher Wert nach dem Bewertungsgesetz 1955, den das Finanzamt für jede wirtschaftliche Einheit feststellt. Für Häuser und Wohnungen beruht er auf den Bewertungsregeln der Hauptfeststellung zum 1. Jänner 1973, mit einem pauschalen Zuschlag von 35 Prozent ab 1983; neu gebaute oder umgebaute Objekte werden auf dieses alte Preisniveau zurückgerechnet. Er ist die Besteuerungsgrundlage der Grundsteuer und steht im Einheitswertbescheid des Finanzamts, nicht im Grundbuch.
Warum ist der Einheitswert so viel niedriger als der Verkehrswert?
Weil er das Preisniveau von 1973 abbildet und seither nur einmal pauschal angehoben wurde, während die Kaufpreise ein Vielfaches gestiegen sind. Das ist kein Fehler des Finanzamts, sondern die Konstruktion des Systems: Der Einheitswert soll eine stabile, verwaltungsarme Bemessungsgrundlage für die Grundsteuer liefern, nicht den Marktwert messen. Ein Einheitswert von 30.000 Euro neben einem Marktwert von 380.000 Euro, wie im Rechenbeispiel eines steirischen Einfamilienhauses, entspricht knapp acht Prozent.
Wie berechne ich die Grundsteuer in Österreich?
Sie wenden auf den Einheitswert die Steuermesszahl an und multiplizieren den Messbetrag mit dem Hebesatz Ihrer Gemeinde. Die Messzahl liegt im Regelfall bei 2 Promille; ein Einfamilienhaus zahlt auf die ersten 3.650 Euro des Einheitswerts nur 0,5 Promille und auf die nächsten 7.300 Euro 1 Promille. Den Hebesatz beschließt die Gemeinde bis zum Höchstausmaß von 500 Prozent. Bei 30.000 Euro Einheitswert und 500 Prozent ergibt das rund 236 Euro im Jahr.
Was ist der Grundsteuerwert nach der deutschen Reform 2025?
Der Grundsteuerwert ersetzt seit dem 1. Januar 2025 den alten Einheitswert als Bemessungsgrundlage. Im Bundesmodell stellt ihn das Finanzamt auf den Hauptfeststellungszeitpunkt 1. Januar 2022 fest, für Wohngrundstücke im Ertragswertverfahren aus typisierten Nettokaltmieten nach Land, Gebäudeart, Wohnfläche und Baujahr sowie dem abgezinsten Bodenwert aus dem Bodenrichtwert. Alle sieben Jahre folgt eine neue Hauptfeststellung. Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen und Niedersachsen rechnen nach eigenen Landesmodellen.
Kann ich gegen den Grundsteuerwertbescheid Einspruch erheben?
Ja, gegen den Bescheid über den Grundsteuerwert innerhalb der im Bescheid genannten Rechtsbehelfsfrist beim Finanzamt. Erfolg hat der Einspruch vor allem bei Fehlern in Fläche, Baujahr oder Bodenrichtwertzone und beim Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts: Das Bewertungsgesetz schreibt seit der Klarstellung nach den BFH-Beschlüssen vom 27. Mai 2024 vor, dass der niedrigere Wert anzusetzen ist, wenn der Grundsteuerwert ihn um mindestens 40 Prozent übersteigt, nachzuweisen durch Gutachten oder einen zeitnahen Kaufpreis.
Was ist der Steuerwert einer Liegenschaft in der Schweiz?
Der Steuerwert ist der Wert, mit dem der Kanton eine Liegenschaft in der Vermögenssteuer ansetzt. Das Steuerharmonisierungsgesetz verlangt grundsätzlich den Verkehrswert, die Kantone bewerten aber nach eigenen Regeln zum Verkehrswert, zum Ertragswert oder zu einer Kombination, und sie legen den Wert periodisch neu fest. Bis zum Inkrafttreten des Systemwechsels bleibt außerdem der Eigenmietwert als Einkommen steuerbar; das Stimmvolk hat seine Abschaffung am 28. September 2025 angenommen.
Ist der Grundstückswert für die Grunderwerbsteuer der Verkehrswert?
Nein. Der Grundstückswert ist eine dritte Größe, die nur für die österreichische Grunderwerbsteuer bei unentgeltlichen Erwerben, etwa Schenkung oder Erbschaft, gilt. Berechnet wird er entweder pauschal aus Bodenwert plus Gebäudewert oder als 71,25 Prozent jenes Betrags, der sich aus den Immobilien-Durchschnittspreisen der Statistik Austria ergibt; er liegt damit planmäßig unter dem Marktwert. Wer einen noch niedrigeren Wert belegen will, braucht ein Schätzungsgutachten eines gerichtlich zertifizierten Sachverständigen, dem das Finanzamt die Richtigkeit unterstellt, solange nichts dagegen spricht.
Sagt ein niedriger Steuerwert, dass das Haus günstig ist?
Nein, in keinem der drei Länder. Ein niedriger Einheitswert sagt nur, dass das Haus 1973 bescheiden bewertet wurde; ein niedriger Grundsteuerwert, dass Bodenrichtwert und Mietniveaustufe der Lage niedrig sind; ein niedriger Schweizer Steuerwert, dass der Kanton vorsichtig oder lange nicht mehr geschätzt hat. Ob der Kaufpreis fair ist, zeigen nur Vergleichskäufe aus der Umgebung und der amtliche Preisindex, nicht die Zahl im Steuerbescheid.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Zahlen und Regeln tragen das Jahr ihrer Veröffentlichung; die aktuelle Fassung finden Sie in der zitierten Quelle.
Quellen
- 1lawBewertungsgesetz 1955 (BewG), Bundesrecht konsolidiertRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 20: Hauptfeststellung der Einheitswerte in Zeitabständen von je neun Jahren nach den Verhältnissen zu Beginn des Kalenderjahres; § 53 Bewertung bebauter Grundstücke in der Fassung BGBl. Nr. 447/1972 mit Bezugszeitraum ab 1. Jänner 1973; Art. II AbgÄG 1982: die Einheitswerte des Grundvermögens sind ab 1. Jänner 1983 um 35 vH zu erhöhen.ris.bka.gv.at ↗
- 2lawGrundsteuergesetz 1955 (GrStG), Bundesrecht konsolidiertRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 12 Besteuerungsgrundlage ist der Einheitswert; § 18 Steuermessbetrag durch Anwendung der Messzahl auf den Einheitswert, gerundet auf volle Cent; § 19 Messzahl 2 Promille, bei Einfamilienhäusern 0,5 Promille für die ersten 3.650 Euro und 1 Promille für die folgenden 7.300 Euro; § 27 Hebesatz wird von der Gemeinde nach dem Finanzausgleichsgesetz festgesetzt; § 28 Jahresbetrag durch Steuerbescheid.ris.bka.gv.at ↗
- 3lawFinanzausgleichsgesetz 2024 (FAG 2024), § 17 Gemeindeabgaben auf Grund freien BeschlussrechtesRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026Die Gemeinden sind ermächtigt, die Hebesätze der Grundsteuer bis zum Ausmaß von 500 % festzusetzen; eine Änderung ist nur einmal jährlich bis spätestens 30. Juni möglich und wirkt auf den Jahresbeginn zurück.ris.bka.gv.at ↗
- 4lawBewertungsgesetz (BewG), Siebenter Abschnitt: Bewertung des Grundbesitzes für die Grundsteuer ab 1. Januar 2025 (§§ 218 bis 266)Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026§ 220 Abs. 2: der niedrigere gemeine Wert ist anzusetzen, wenn der Grundsteuerwert ihn um mindestens 40 Prozent übersteigt, nachweisbar durch Gutachten nach § 198 oder einen Kaufpreis im gewöhnlichen Geschäftsverkehr innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Hauptfeststellungszeitpunkt; § 221 Hauptfeststellung alle sieben Jahre; § 247 unbebaute Grundstücke: Fläche mal Bodenrichtwert; § 252 Ertragswert aus kapitalisiertem Reinertrag und abgezinstem Bodenwert; § 254 Rohertrag aus den Nettokaltmieten der Anlage 39 nach Land, Gebäudeart, Wohnfläche, Baujahr und Mietniveaustufe; § 266 erste Hauptfeststellung auf den 1. Januar 2022 für die Hauptveranlagung auf den 1. Januar 2025.gesetze-im-internet.de ↗
- 5officialDossier Steuerinformationen: Vermögenssteuer natürlicher Personen (Stand der Gesetzgebung 1. Januar 2026)Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), Schweizerische Steuerkonferenz · 2026Aktiven sind grundsätzlich zum Verkehrswert zu bewerten (Art. 14 Abs. 1 StHG); der Steuerwert von Liegenschaften wird periodisch neu festgelegt, die Kantone stellen mehrheitlich auf Ertragswert, Verkehrswert oder eine Kombination ab (Verkehrswert etwa in AR, AI, SG, AG, TG; Verkehrswert unter Berücksichtigung des Ertragswerts in SZ, SO, SH, VS, JU; Mittel aus Verkehrs- und Ertragswert in VD); Begriffe wie Katasterwert oder amtliche Schatzung sind kantonal unterschiedlich definiert.estv2.admin.ch ↗
- 6officialGrunderwerbsteuer: Bemessungsgrundlage (Grundstückswert, Pauschalwertmodell, Immobilienpreisspiegel, Einheitswert)Bundesministerium für Finanzen (BMF) · 2026Der Grundstückswert wird nach dem Pauschalwertmodell (Summe aus Bodenwert und Gebäudewert mit Abschlägen für Alter und Gebäudeart, Rechner des BMF) oder als 71,25 Prozent der Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria ermittelt; ein Schätzungsgutachten eines allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Immobiliensachverständigen hat die Vermutung der Richtigkeit für sich; der Einheitswert ist als steuerlicher Wert zum Hauptfeststellungszeitpunkt festgestellt und dient bei der Grunderwerbsteuer nur noch für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke.bmf.gv.at ↗
- 7officialSystemwechsel bei der Wohneigentumsbesteuerung (Dossier, veröffentlicht 7. Januar 2026)Eidgenössisches Finanzdepartement (EFD) · 2026Volksabstimmung vom 28. September 2025: 57,7 Prozent Ja-Stimmen, 14 Stände und 5 Halbkantone dafür; die Abschaffung des Eigenmietwerts ist damit zustande gekommen; das Inkrafttreten bestimmt der Bundesrat, Entscheid für Anfang des zweiten Quartals 2026 geplant; bei einem Hypothekarzinsniveau von rund 1,5 Prozent werden Mindereinnahmen von rund 1,8 Milliarden Franken geschätzt.efd.admin.ch ↗
- 8officialGrundsteuerreform: Die Modelle der LänderFinanzministerien der Länder, grundsteuerreform.de · 2026Das Bundesverfassungsgericht erklärte 2018 die Bewertung mit dem Einheitswert für verfassungswidrig; das Grundsteuer-Reformgesetz 2019 schuf die Neuregelung mit Öffnungsklausel; Baden-Württemberg wendet ein modifiziertes Bodenwertmodell (Grundstücksfläche mal Bodenrichtwert), Bayern ein wertunabhängiges Flächenmodell mit Äquivalenzzahlen, Hamburg ein Wohnlagemodell, Hessen ein Flächen-Faktor-Verfahren und Niedersachsen ein Flächen-Lage-Modell an; Berlin, Bremen, Saarland und Sachsen nutzen das Bundesmodell mit abweichender Steuermesszahl.grundsteuerreform.de ↗
- 9law§ 15 GrStG: Steuermesszahl für GrundstückeBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Steuermesszahl 0,34 Promille für unbebaute Grundstücke, 0,31 Promille für Ein- und Zweifamilienhäuser, Mietwohngrundstücke und Wohnungseigentum, 0,34 Promille für die übrigen bebauten Grundstücke; Ermäßigungen um 25 Prozent für geförderten Wohnraum und um 10 Prozent für Baudenkmäler.gesetze-im-internet.de ↗
- 10law§ 25 GrStG: Festsetzung des HebesatzesBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Die Gemeinde bestimmt den Hebesatz; der Beschluss ist bis zum 30. Juni mit Wirkung vom Jahresbeginn zu fassen; für baureife unbebaute Grundstücke kann aus städtebaulichen Gründen ein gesonderter, höherer Hebesatz festgesetzt werden.gesetze-im-internet.de ↗
- 11guidanceGrundsteuer: Ansatz eines niedrigeren gemeinen Werts (BFH-Beschlüsse vom 27.5.2024, koordinierte Ländererlasse vom 24.6.2024)Haufe · 2024Der BFH (II B 78/23 und II B 79/23, AdV) verlangte die Möglichkeit, einen niedrigeren gemeinen Wert nachzuweisen, wenn der festgestellte Wert ihn um 40 Prozent oder mehr übersteigt; die Länder des Bundesmodells wiesen die Finanzämter am 24. Juni 2024 an, Aussetzung der Vollziehung zu gewähren, wenn schlüssig dargelegt wird, dass der Grundsteuerwert den Verkehrswert um mindestens 40 Prozent übersteigt, regelmäßig in Höhe von 50 Prozent des Grundsteuerwerts und befristet bis zur Vorlage eines Gutachtens.haufe.de ↗
- 12statisticsImmobilien-Durchschnittspreise 2025: Häuserpreise nach Bezirken, Grundstücksgröße, Wohnfläche und BauperiodeStatistik Austria · 2026Geometrische Mittel der Kaufpreise privater Haushalte 2021 bis 2025, auf das Preisniveau 2025 valorisiert; Tabelle Häuserpreise 2025 (.ods), Bezirk Graz-Umgebung, Kategorie B (durchschnittliche Grundstücke), Bauperiode 1961 bis 1990, Wohnfläche 100 bis 140 m²: 3.040 Euro je m²; Pressemitteilung vom 28. Mai 2026 (auf der Seite verlinkt): Medianpreis für Wohnhäuser in der Steiermark 2025 2.421 Euro je m².statistik.at ↗





