Das Inserat sagt „ruhige Lage am Bach“, die Karte sagt HQ30. Dieser Beitrag zeigt, wo Sie die amtlichen Hochwasserkarten für Österreich, Deutschland und die Schweiz finden, was HQ30, HQ100 und HQ300, die Gefährdungsklassen 1 bis 4 und die Schweizer Gefahrenstufen bedeuten, wie Versicherer und Katastrophenfonds mit der Zone umgehen und was das für den Preis heißt. Die Hochwasserprüfung ist ein Punkt der Lageprüfung; die vollständige Reihenfolge vor dem Kaufanbot steht in der Hauskauf-Checkliste.
Die Hochwasserkarte für Ihre Adresse in drei Ländern: HORA, Länderkarten, kantonale Gefahrenkarten
| Land | Wo Sie nachsehen | Was Sie sehen | Was es kostet und was es gilt |
|---|---|---|---|
| Österreich | HORA des Wasserministeriums, betrieben als Partnerschaft mit dem Versicherungsverband Österreich1 | Überflutungsflächen für das 30-, 100- und 300-jährliche Hochwasser entlang von fast 40.000 Flusskilometern, zweidimensional und als 3D-Szenario; dazu Erdbeben, Rutschungen, Sturm, Blitz, Hagel und Schnee1 | Kostenlos. HORA ergänzt die parzellenscharfen Gefahrenzonenpläne der Wasserwirtschaft und ersetzt sie nicht1; der HORA-Pass bündelt acht Naturgefahren einer Adresse mit erwarteter Intensität und Vorsorgetipps4 |
| Deutschland | Hochwassergefahren- und Risikokarten des Bundeslandes; Hochwasser-Check der Versicherer nach Adresse5 | Gefährdung durch Flusshochwasser und Starkregen, die teuersten Schäden der Region, die Zahl der Starkregenereignisse; die ZÜRS-Gefährdungsklasse zeigt der Check nicht, die nennt nur ein Versicherer5 | Kostenlos und ohne Anmeldung; Datenbasis sind die Gefahrenkarten und Überschwemmungsgebiete der Länder5 |
| Schweiz | Gefahrenkarte des Kantons im kantonalen Geoportal; ÖREB-Katasterauszug für die Parzelle36 | Fünf Gefahrenstufen von Rot bis Weiß für Hochwasser, Lawinen, Rutschungen und Sturzprozesse3; der ÖREB-Auszug gibt als PDF verbindlich Auskunft über die öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen eines einzelnen Grundstücks6 | Kantonal geregelt; den ÖREB-Kataster führt zwar jeder Kanton, doch noch nicht jede Gemeinde ist erfasst6 |
Halten Sie nach dem Check drei Dinge fest: das erste Szenario, in dem die Adresse Wasser bekommt (HQ30, HQ100, HQ300 oder keines), in Deutschland die Gefährdungsklasse aus der Versichereranfrage, in der Schweiz die Farbe. Und fragen Sie die Gemeinde nach dem Gefahrenzonenplan beziehungsweise dem festgesetzten Überschwemmungsgebiet, weil die parzellenscharfen Pläne rechtlich das letzte Wort haben. Die Hochwasserkarte ist eine von drei Lagekarten, die vor dem Anbot gelesen sein sollten; die beiden anderen, die Kriminalstatistik nach Bezirken und die Lärmkarte samt Energieausweis, haben eigene Beiträge.
HQ30, HQ100, HQ300, Gefährdungsklassen 1 bis 4 und fünf Farben: was die Zonen bedeuten
Jährlichkeiten. HQ100 ist der Hochwasserabfluss, der statistisch im Mittel einmal in hundert Jahren erreicht oder überschritten wird; die EU-Hochwasserrichtlinie nennt dieses Szenario „Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit“ mit einem voraussichtlichen Wiederkehrintervall von mindestens 100 Jahren7. Das heißt nicht, dass nach einem Hochwasser hundert Jahre Ruhe herrschen. Die Wahrscheinlichkeit beträgt jedes Jahr ein Prozent, und über eine Kreditlaufzeit von 30 Jahren summiert sie sich rechnerisch auf rund 26 Prozent (1 minus 0,99 hoch 30). Ein HQ30 hat jährlich rund 3,3 Prozent, über 30 Jahre rund 64 Prozent. HORA stellt jedes Szenario zweidimensional als Überflutungsfläche und zusätzlich als detaillierte 3D-Simulation dar1.
Gefährdungsklassen in Deutschland. Die deutschen Versicherer haben in ZÜRS Geo über 22 Millionen Adressen einer von vier Gefährdungsklassen zugeordnet und kalkulieren danach den Beitrag der Elementarschadenversicherung2. In Klasse 1 liegen Adressen, die nach heutiger Datenlage statistisch nicht von Hochwasser größerer Gewässer betroffen sind; das sind 92,4 Prozent aller 22,6 Millionen Adressen. In Klasse 4 tritt Hochwasser statistisch mindestens einmal in zehn Jahren auf; dort liegen 0,4 Prozent8. Klasse 2 enthält auch Objekte hinter einem Deich, sofern der Deich mindestens einem hundertjährlichen Hochwasser standhält, sonst fallen sie in Klasse 3; die Hochwasser vom August 2002 und Juni 2013 haben gezeigt, wie hoch die Schäden ausfallen, wenn ein Deich versagt2. Zusätzlich kennzeichnet ZÜRS Gebäude in höchstens 100 Metern Abstand zu einem Bach als Bachzone, weil ein nennenswerter Teil der Schäden großer Überschwemmungen dort entsteht, und teilt jedes Gebäude einer von drei Starkregengefährdungsklassen zu: Kuppen und obere Hänge in SGK 1, Ebenen und mittlere Hanglagen in SGK 2, Tallagen und Bachnähe in SGK 3, in der knapp 12 Prozent aller Adressen liegen2.
Gefahrenstufen in der Schweiz. Die Kantone sind durch die Bundesgesetze über den Wasserbau und den Wald verpflichtet, Gefahrenkarten für Hochwasser, Lawinen, Rutschungen und Sturzprozesse zu erstellen. Die Karte zeigt fünf Stufen: Rot steht für erhebliche Gefährdung, dort sind Personen auch in Gebäuden gefährdet, mit plötzlicher Zerstörung ist zu rechnen, neue Bauten und Erweiterungen sind untersagt; Blau für mittlere Gefährdung mit Baubewilligungen nur unter Auflagen; Gelb für geringe Gefährdung und Gelb-Weiß gestreift für Restgefährdung als Hinweisbereich mit Empfehlungen; Weiß für keine oder vernachlässigbare Gefährdung. Die Stufe ergibt sich aus Intensität und Wiederkehrdauer des Prozesses3. Für den Käufer heißt Rot: kein Neubau, kein Ausbau. Blau: Auflagen an die Bauweise. Gelb: Empfehlungen, die Sie umsetzen sollten, bevor Sie einziehen.
Die EU-Hochwasserrichtlinie: warum jedes Land Gefahren- und Risikokarten führt
Dass in Österreich und Deutschland flächendeckende Karten mit denselben Szenarien existieren, geht auf die Richtlinie 2007/60/EG zurück. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten, für alle Gebiete mit signifikantem Hochwasserrisiko Gefahrenkarten für drei Szenarien zu erstellen: Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit oder Extremereignisse, Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit und gegebenenfalls Hochwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit; für jedes Szenario sind das Ausmaß der Überflutung, die Wassertiefe und, wo relevant, die Fließgeschwindigkeit anzugeben7. Die Karten waren bis 22. Dezember 2013 fertigzustellen, die darauf aufbauenden Risikomanagementpläne bis 22. Dezember 20157. Seither läuft die Arbeit in Sechsjahreszyklen: 2010 bis 2015, 2016 bis 2021, 2022 bis 20279. Gefahrenkarten zeigen, welche Flächen überflutet werden können; Risikokarten zeigen, was dort betroffen wäre, also Einwohner, wirtschaftliche Tätigkeiten, Industrieanlagen und Schutzgebiete7. Die Kommission bezeichnet Hochwasser als die häufigste und teuerste Naturkatastrophe Europas und betont das Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu den Karten und auf Mitsprache bei den Plänen9.
Für Ihre Prüfung folgt daraus zweierlei. Erstens sind die Länderkarten in Deutschland und die österreichischen Gefahrenzonenpläne amtliche, in festen Zyklen überprüfte Dokumente, keine Schätzung eines Portals. Zweitens haben sie ein Datum: Eine Karte aus dem zweiten Zyklus kennt weder die Bebauung von 2024 noch die Abflüsse der jüngsten Extremereignisse. Fragen Sie nach dem Stand der Karte, und fragen Sie die Gemeinde nach Ereignissen seither. Die Schweiz steht außerhalb der Richtlinie, kommt aber über die kantonalen Gefahrenkarten mit ihren Intensitäts- und Wahrscheinlichkeitsklassen zu einem vergleichbaren Ergebnis3.
Versichern gegen Hochwasser: Katastrophenfonds, Elementarschadenversicherung, kantonale Gebäudeversicherung
Österreich. Eine Pflichtversicherung gegen Hochwasser gibt es nicht. Was Ihre Eigenheimversicherung an Hochwasser- und Rückstauschäden deckt und bis zu welcher Summe, steht in der Polizze; fragen Sie ausdrücklich nach dieser Deckung und ihrer Obergrenze, nicht nur nach der Prämie. Die Versicherer sehen dieselbe Karte wie Sie, denn HORA ist eine Partnerschaft des Wasserministeriums mit dem Versicherungsverband Österreich1. Wer nach einem Ereignis ohne ausreichenden Schutz dasteht, kann Hilfe aus dem Katastrophenfonds beantragen, den der Bund nach dem Katastrophenfondsgesetz 1996 aus Anteilen an Einkommen- und Körperschaftsteuer speist. Privatpersonen stellen den Antrag bei ihrer Gemeinde; die Höhe der Beihilfe legen Richtlinien der Länder fest, es ist eine Unterstützung und keine Versicherungsleistung. 2025 zahlte der Fonds 81,1 Millionen Euro für Schäden Privater aus, 233,7 Millionen Euro flossen in Vorbeugungsmaßnahmen10.
Deutschland. Die Elementarschadenversicherung ist ein Baustein der Wohngebäudeversicherung und deckt Überschwemmung durch Starkregen oder Hochwasser, Rückstau, Schneedruck, Lawinen und Erdrutsch, Erdsenkung, Erdbeben und Vulkanausbruch5. Nach Angaben der Versicherer haben 46 Prozent der Hausbesitzenden in Deutschland keinen umfassenden Versicherungsschutz gegen Naturgefahren5. Prämie und Annahmebereitschaft hängen von der Gefährdungsklasse ab2; die Klasse Ihrer Adresse erfahren Sie nur, indem Sie ein Angebot einholen, denn der öffentliche Hochwasser-Check zeigt sie nicht5. Für Käufer ist das Angebot deshalb keine Formalität nach dem Notartermin, sondern eine Zahl, die vor dem Kaufpreisgespräch auf dem Tisch liegen muss.
Schweiz. Fragen Sie die kantonale Gebäudeversicherung oder, wo es keine gibt, Ihren privaten Versicherer, welche Gefahrenstufe in die Prämie eingeht und ob in einer roten Zone überhaupt neu versichert wird. Die Gefahrenkarte kennt der Versicherer so gut wie das Bauamt, und ein ÖREB-Auszug mit den Beschränkungen der Parzelle gehört zu jedem Angebot dazu6.
Was die Zone am Preis ändert und was Käufer verlangen
Eine Hochwasserzone wirkt nicht über einen Prozentsatz, sondern über drei Kanäle: die Prämie oder den Selbstbehalt in jedem Jahr, die Frage, ob ein Versicherer und damit eine Bank das Objekt überhaupt akzeptiert, und die Zahl der Interessenten, die nach dem Blick auf die Karte gar nicht mehr zur Besichtigung kommen. Belastbare Studien mit einem festen Abschlag für Österreich, Deutschland oder die Schweiz, die sich auf ein einzelnes Haus übertragen ließen, gibt es nicht; wer Ihnen „minus zehn Prozent“ nennt, rät. Was es gibt, sind Vergleichskäufe: Häuser derselben Gemeinde innerhalb und außerhalb der HQ100-Fläche, deren Preisunterschied der örtliche Abschlag ist. Wie Sie solche Vergleichskäufe finden und Zu- und Abschläge bilden, zeigt der Beitrag zu Wertsteigerung und Wertminderung; die Prämie gehört in die Rechnung der laufenden Kosten eines Hauses.
Rechtlich liegt die Prüfung bei Ihnen. Nach § 928 ABGB findet keine Gewährleistung statt, wenn Mängel einer Sache in die Augen fallen oder die auf ihr haftenden Lasten aus den öffentlichen Büchern zu ersehen sind, es sei denn, der Verkäufer hat den Mangel arglistig verschwiegen oder ausdrücklich zugesagt, die Sache sei frei von Fehlern und Lasten11. Ob eine für jeden abrufbare Hochwasserkarte einen Mangel im Sinn dieser Bestimmung offenkundig macht, entscheidet im Streit ein Gericht; verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Verkäufer aufklären muss. Was Sie als Käufer verlangen können, ist nicht die Aufklärung, sondern der Preis: Legen Sie Prämie, Selbstbehalt und bauliche Vorsorge in Zahlen vor, und lassen Sie das Anbot einen Finanzierungs- und Versicherungsvorbehalt tragen.
Zwei Häuser im Tullnerfeld, eines im HQ100: ein Rechenbeispiel über zehn Jahre
Ein Beispiel mit erfundenen Häusern und amtlichen Preisen; keine echte Adresse. Zwei Einfamilienhäuser im Bezirk Tulln, beide nach 1991 gebaut, 120 Quadratmeter Wohnfläche, Grundstück in der mittleren Größenklasse des Bezirks von 610 bis 890 Quadratmetern. Statistik Austria weist für solche Häuser im Bezirk Tulln einen Durchschnittspreis von 3.865 Euro je Quadratmeter Wohnfläche aus, ein geometrisches Mittel aus Kaufverträgen der Jahre 2021 bis 2025, bei dem ältere Verträge auf das Niveau von 2025 hochgerechnet sind12; beide Häuser starten also bei rund 464.000 Euro. Haus A liegt laut HORA außerhalb aller drei Szenarien, Haus B innerhalb der HQ100-Fläche, aber außerhalb von HQ301.
| Position über zehn Jahre | Haus A (keine Zone) | Haus B (HQ100) | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Ausgangswert nach Bezirksdurchschnitt | 463.800 € | 463.800 € | 120 m² × 3.865 €/m²12 |
| Mehrprämie für die Hochwasserdeckung | 0 € | 6.000 € | Annahme 600 € pro Jahr; das Angebot des Versicherers ersetzt die Annahme |
| Selbstbehalt im Schadenfall | 0 € | 5.000 € | Annahme: ein Schadenfall in zehn Jahren |
| Bauliche Vorsorge (Rückstauklappe, Schutz der Kellerfenster, Hebeanlage) | 0 € | 15.000 € | Annahme, einmalig, nach Kostenvoranschlag |
| Rechnerischer Nachteil von Haus B | 0 € | 26.000 € | Summe der Annahmen |
| Abschlag, den ein Käufer daraus ableitet | 0 € | 26.000 € plus Risikoabschlag | rund 5,6 Prozent plus das, was Vergleichskäufe zeigen |
Die Annahmen sind als solche gekennzeichnet; setzen Sie die Zahlen aus Ihrem Versicherungsangebot und dem Kostenvoranschlag ein, und die Tabelle wird zu Ihrer Verhandlungsgrundlage. Zwei Dinge fehlen ihr absichtlich. Erstens der Nachfrageeffekt: Wenn von zehn Interessenten drei nach dem Blick auf HORA absagen, verkauft sich Haus B langsamer, und der Verkäufer weiß das. Zweitens der Fall HQ30: Läge Haus B schon im dreißigjährlichen Szenario, wäre über eine Kreditlaufzeit mit rund 64 Prozent Wahrscheinlichkeit mindestens ein Hochwasser zu erwarten, und aus „einem Schadenfall in zehn Jahren“ würde eine optimistische Annahme. Die Beihilfe aus dem Katastrophenfonds steht in keiner Zeile, weil ihre Höhe von den Richtlinien der Länder abhängt und niemand sie im Kaufpreis einrechnen sollte10.
Was CheckValue zur Hochwasserlage einer Adresse zeigt
Der Bericht legt die Hochwasserkarte für die Adresse direkt neben die Wertspanne. Sie sehen auf einer Seite, ob die Adresse in einer Zone liegt und wo der Preis im Bezirk steht, und können die Frage stellen, um die es in diesem Beitrag geht: Ist die Zone im Angebotspreis schon enthalten? Zwei weitere Teile des Berichts helfen genau hier. Das amtliche Orthofoto der Parzelle zeigt Gelände, Abstand zum Gewässer und die Keller- oder Garagenzufahrt, an der das Wasser zuerst steht; die Aufstellung der laufenden Besitzkosten gibt Ihnen die Zahl, neben die Sie die Mehrprämie aus dem Versicherungsangebot legen.
Was der Bericht nicht leistet: Er ersetzt weder den HORA-Pass noch den Gefahrenzonenplan der Gemeinde als amtliche Auskunft, und er rechnet keine Wassertiefe an Ihrem Gebäude; dafür bleiben HORA 3D und der Sachverständige zuständig. Die Hochwasser-, Lärm- und Energiekarte im Bericht sehen Sie in der kostenlosen Vorschau, bevor Sie etwas bezahlen; wie die Karten in einem fertigen Bericht aussehen, zeigt das Beispiel für Berlin.
Nach dem Check: Sachverständiger, bauliche Vorsorge, Bedingungen im Anbot
- HORA-Pass und Gefahrenzonenplan besorgen. Der HORA-Pass fasst acht Naturgefahren der Adresse zusammen4 und ist das Dokument, das Bank und Versicherer verstehen; den parzellenscharfen Gefahrenzonenplan bekommen Sie bei der Gemeinde. In der Schweiz legen Sie zur kantonalen Gefahrenkarte den ÖREB-Auszug der Parzelle, der die öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen aus Raumplanung, Wasser, Lärm und Wald verbindlich ausweist6.
- Versicherungsangebot vor dem Anbot. Lassen Sie sich Prämie, Selbstbehalt und Ausschlüsse schriftlich geben. In Deutschland ist das zugleich der einzige Weg zur Gefährdungsklasse5.
- Sachverständiger für Gebäude in HQ30 und HQ100. Kellerabdichtung, Rückstausicherung, Lage der Haustechnik, Ölheizung im Keller: Ein Bausachverständiger bewertet, was die Karte nicht sieht, und beziffert die Vorsorge, die im Beispiel oben mit 15.000 Euro angenommen ist.
- Anbot mit Bedingungen. Finanzierungs- und Versicherungsvorbehalt gehören ins schriftliche Anbot, solange Bank und Versicherer nicht zugesagt haben. Kommt keine Deckung zustande, fällt das Anbot, nicht Ihr Eigenkapital.
- Rücktritt statt Nachverhandlung, wenn Rot oder HQ30 überraschend auftaucht. Ein Haus, das die Karte im häufigsten Szenario zeigt, ist kein Verhandlungsfall, sondern eine Grundsatzentscheidung. Wer es trotzdem will, kauft mit offenen Augen und mit dem Abschlag aus der Tabelle.
Ein Haus am Wasser verkauft sich im Sommer über den Blick und im Herbst über die Karte. Ich habe Käufern immer geraten, HORA vor der ersten Besichtigung zu öffnen und nicht nach der zweiten, weil man ein Haus, das einem gefällt, auf keiner Karte mehr nüchtern ansieht.
Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Karten, Gesetze und Zahlen sind mit dem Jahr ihrer Quelle angegeben; den heutigen Stand zeigt die jeweilige Behörde.
Häufige Fragen
Wie prüfe ich, ob mein Haus in einer Hochwasserzone liegt?
In Österreich geben Sie die Adresse auf hora.gv.at ein und sehen, ob sie im dreißig-, hundert- oder dreihundertjährlichen Szenario überflutet wird; der HORA-Pass fasst alle acht Naturgefahren der Adresse in einem Dokument zusammen. In Deutschland nutzen Sie die Hochwassergefahrenkarte Ihres Bundeslandes und den kostenlosen Hochwasser-Check der Versicherer; die ZÜRS-Klasse nennt nur ein Versicherer. In der Schweiz öffnen Sie die Gefahrenkarte des Kantons im Geoportal und den ÖREB-Auszug der Parzelle.
Was bedeuten HQ30, HQ100 und HQ300 bei HORA?
HQ steht für den Hochwasserabfluss, die Zahl für die Jährlichkeit: Ein HQ100 wird statistisch im Mittel einmal in hundert Jahren erreicht oder überschritten, ein HQ30 einmal in dreißig, ein HQ300 einmal in dreihundert Jahren. Das ist eine Wahrscheinlichkeit je Jahr, keine Pause danach; über dreißig Jahre Kreditlaufzeit liegt die rechnerische Wahrscheinlichkeit für ein HQ100 bei rund 26 Prozent. Liegt Ihre Adresse schon im HQ30, ist Hochwasser ein regelmäßiger Gast.
In welcher Gefahrenzone liegt mein Haus?
Die rechtlich maßgebliche Antwort gibt in Österreich der parzellenscharfe Gefahrenzonenplan, den Sie bei der Gemeinde einsehen; HORA ist die amtliche Übersicht, die ihn ergänzt. In Deutschland sind es die Hochwassergefahrenkarten und festgesetzten Überschwemmungsgebiete der Länder, in der Schweiz die kantonale Gefahrenkarte mit den Stufen Rot, Blau, Gelb, Gelb-Weiß und Weiß, deren Zonen in die Nutzungsplanung übernommen werden. Fragen Sie beim Bauamt nach dem Stand der Karte und nach Ereignissen seither.
Was ist eine ZÜRS-Zone, und wie finde ich sie?
ZÜRS Geo ist das Zonierungssystem der deutschen Versicherer, das über 22 Millionen Adressen einer von vier Hochwassergefährdungsklassen zuordnet: In Klasse 1 liegen 92,4 Prozent der Adressen, die statistisch nicht von Hochwasser größerer Gewässer betroffen sind, in Klasse 4 die 0,4 Prozent, in denen Hochwasser mindestens einmal in zehn Jahren auftritt. Die Klasse Ihrer Adresse erfahren Sie nur über einen Versicherer; der öffentliche Hochwasser-Check zeigt sie ausdrücklich nicht.
Was kostet eine Elementarversicherung in Hochwasserzonen?
Eine feste Prämie gibt es nicht; in Deutschland richtet sich der Beitrag nach der ZÜRS-Gefährdungsklasse, in Österreich nach der Einschätzung des Versicherers, der dieselbe HORA-Karte kennt wie Sie. Holen Sie vor dem Anbot ein schriftliches Angebot mit Prämie, Selbstbehalt und Ausschlüssen ein und rechnen Sie es über die Haltedauer hoch. Der österreichische Katastrophenfonds zahlt danach Beihilfen nach Richtlinien der Länder, 2025 insgesamt 81,1 Millionen Euro für Schäden Privater, ist aber keine Versicherung.
Mindert eine Hochwasserzone den Immobilienwert?
Sie wirkt über drei Kanäle: die jährliche Mehrprämie oder den Selbstbehalt, die Frage, ob Versicherer und Bank das Objekt überhaupt akzeptieren, und die Zahl der Interessenten, die nach dem Blick auf die Karte fernbleiben. Einen festen Prozentabschlag für Österreich, Deutschland oder die Schweiz gibt es nicht; den örtlichen Abschlag zeigen Vergleichskäufe derselben Gemeinde innerhalb und außerhalb der Zone. Rechnen Sie die Mehrkosten über zehn Jahre und legen Sie sie dem Verkäufer vor.
Muss der Verkäufer über Hochwasserrisiken informieren?
Eine gesetzliche Hochwasser-Aufklärungspflicht wie in manchen US-Bundesstaaten gibt es in Österreich, Deutschland und der Schweiz nicht. Nach § 928 ABGB entfällt die Gewährleistung sogar, wenn Mängel in die Augen fallen oder Lasten aus den öffentlichen Büchern ersichtlich sind, es sei denn, der Verkäufer hat den Mangel arglistig verschwiegen oder ausdrücklich zugesagt, die Sache sei frei davon. Eine öffentlich abrufbare Karte kann deshalb gegen den Käufer sprechen, der nicht nachgesehen hat. Prüfen Sie selbst und vor dem Anbot.
Zeigt CheckValue die Hochwasserkarte?
Ja, der Bericht stellt die Hochwasserkarte der Adresse neben die Wertspanne; dazu kommen das amtliche Orthofoto der Parzelle und die Aufstellung der laufenden Besitzkosten, gegen die Sie die Mehrprämie aus dem Versicherungsangebot halten können. Die amtliche Karte ersetzt er nicht: HORA, die Gefahrenkarte des Landes oder Kantons und der Gefahrenzonenplan der Gemeinde bleiben die Auskunft, die Bank und Behörde gelten lassen. Wassertiefen am Gebäude rechnet HORA 3D, nicht der Bericht.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Zahlen und Regeln tragen das Jahr ihrer Veröffentlichung; die aktuelle Fassung finden Sie in der zitierten Quelle.
Quellen
- 1officialHORA 3D: Hochwasserszenarien vom dreißigjährlichen bis zum dreihundertjährlichen Ereignis für jede AdresseBundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) · 2026Online-Simulationen vom dreißig- bis zum dreihundertjährlichen Hochwasser entlang von fast 40.000 Flusskilometern, in 2D und als detaillierte 3D-Szenarien; weitere Naturgefahren Erdbeben, Rutschungen, Sturm, Blitz, Hagel und Schnee; Public-Private-Partnership des Wasserministeriums mit dem Versicherungsverband Österreich; ergänzt die parzellenscharfen Gefahrenzonenpläne.bmluk.gv.at ↗
- 2studyZÜRS Geo: Zonierungssystem für Überschwemmungsrisiko und Einschätzung von UmweltrisikenGesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) · 2026Über 22 Millionen Adressen in vier Gefährdungsklassen als Grundlage des Versicherungsbeitrags; Klasse 2 enthält deichgeschützte Objekte, wenn der Deich ein hundertjährliches Hochwasser abhält; Bachzone bis 100 Meter; drei Starkregengefährdungsklassen mit knapp 12 % der Adressen in SGK 3, etwa 66 % in SGK 2 und über 22 % in SGK 1; Deichversagen 2002 und 2013.gdv.de ↗
- 3guidanceWas sagen Gefahrenkarten aus? Fünf Gefahrenstufen und ihre raumplanerische UmsetzungBundesamt für Umwelt (BAFU), Abteilung Gefahrenprävention · 2015Die Kantone müssen nach den Bundesgesetzen über Wasserbau und Wald Gefahrenkarten für Hochwasser, Lawinen, Rutschungen und Sturzprozesse erstellen; Stufen Rot (erhebliche Gefährdung, Verbotsbereich), Blau (mittlere, Gebotsbereich mit Auflagen), Gelb (geringe) und Gelb-Weiß (Restgefährdung, Hinweisbereich), Weiß (keine); Stufe aus Intensität und Wiederkehrdauer.bafu.admin.ch ↗
- 4officialHORA-Pass informiert umfassend über das persönliche NaturgefahrenrisikoBMLUK · 2026Für jede Adresse in Österreich eine Gesamtdarstellung von acht Naturgefahren (Hochwasser, Lawinen, Erdbeben, Rutschung, Sturm, Blitz, Hagel, Schnee) mit erwarteter Intensität und Tipps zur Eigenvorsorge, abrufbar über www.hora.gv.at.bmluk.gv.at ↗
- 5guidanceHochwasser-Check: Naturgefahren-Check nach AdresseDie Versicherer (GDV) · 2026Kostenloser Check der Gefährdung durch Flusshochwasser und Starkregen je Adresse auf Basis der Hochwassergefahrenkarten und Überschwemmungsgebiete der Länder; zeigt die ZÜRS-Gefährdungsklasse ausdrücklich nicht; Deckungsumfang der Elementarschadenversicherung; 46 Prozent der Hausbesitzenden ohne umfassenden Schutz.dieversicherer.de ↗
- 6officialKataster der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen (ÖREB-Kataster)cadastre.ch, swisstopo · 2026Verbindliche Auskunft über öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen aus Raumplanung, Straßen, Eisenbahnen, Flughäfen, belasteten Standorten, Wasser, Lärm, Wald und Versorgung; Auszug als PDF je Grundstück über das kantonale Geoportal; in jedem Kanton eingeführt, noch nicht in allen Gemeinden.cadastre.ch ↗
- 7lawRichtlinie 2007/60/EG über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken, Artikel 6 und 7Amtsblatt der Europäischen Union, EUR-Lex · 2007Gefahrenkarten für drei Szenarien (niedrige Wahrscheinlichkeit oder Extremereignis; mittlere Wahrscheinlichkeit mit Wiederkehrintervall von mindestens 100 Jahren; gegebenenfalls hohe Wahrscheinlichkeit) mit Ausmaß, Wassertiefe und Fließgeschwindigkeit; Risikokarten mit betroffenen Einwohnern, Wirtschaft, Anlagen und Schutzgebieten; Karten bis 22. Dezember 2013, Risikomanagementpläne bis 22. Dezember 2015.eur-lex.europa.eu ↗
- 8statisticsGeringe Gefahr für Fluss-Hochwasser bei den meisten Wohngebäuden (ZÜRS Geo 2025)GDV, Datenservice zum Naturgefahrenreport · 2026Von 22,6 Millionen Adressen liegen 92,4 % in Hochwassergefährdungsklasse 1 (statistisch nicht von Hochwasser größerer Gewässer betroffen) und 0,4 % in Klasse 4 (Hochwasser statistisch mindestens einmal in zehn Jahren).gdv.de ↗
- 9officialFloods: EU Floods DirectiveEuropäische Kommission, Generaldirektion Umwelt · 2026Umsetzung der Hochwasserrichtlinie in Sechsjahreszyklen 2010 bis 2015, 2016 bis 2021 und 2022 bis 2027; Gefahrenkarten zeigen überflutbare Gebiete, Risikokarten die möglichen nachteiligen Folgen; Hochwasser als häufigste und teuerste Naturkatastrophe Europas; Recht der Öffentlichkeit auf Zugang und Mitsprache.environment.ec.europa.eu ↗
- 10officialKatastrophenfondsBundesministerium für Finanzen (BMF) · 2026Katastrophenfondsgesetz 1996; Finanzierung aus Anteilen an Einkommen- und Körperschaftsteuer; Privatpersonen beantragen Unterstützung bei ihrer Gemeinde, die Höhe legen Richtlinien der Länder fest; Ausgaben 2025 unter anderem 81,1 Millionen Euro für Schäden Privater und 233,7 Millionen Euro für Vorbeugungsmaßnahmen.bmf.gv.at ↗
- 11law§ 928 ABGB: Keine Gewährleistung bei offenkundigen Mängeln und aus den öffentlichen Büchern ersichtlichen LastenRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026Fallen die Mängel einer Sache in die Augen oder sind die Lasten aus den öffentlichen Büchern zu ersehen, findet außer bei arglistigem Verschweigen oder ausdrücklicher Zusage der Mängelfreiheit keine Gewährleistung statt.ris.bka.gv.at ↗
- 12statisticsImmobilien-Durchschnittspreise: Häuserpreise 2025 nach BezirkenStatistik Austria · 2026Durchschnittspreise je m² Wohnfläche aus Kaufverträgen 2021 bis 2025, geometrische Mittel; Bezirk Tulln, Grundstückskategorie B (610 bis 890 m²), Bauperiode ab 1991, Wohnfläche 90 bis 130 m²: 3.865 €/m²; Medianpreis für Wohnhäuser in Österreich 2025: 2.836 €/m².statistik.at ↗





