Drei Lebenslagen zwingen Eigentümer zu einer Bewertung, die sie nicht gewählt haben: Jemand stirbt, eine Ehe endet, ein Kredit läuft aus. Jedes Mal fragt eine Behörde, ein Gericht oder eine Bank nach dem Wert, und jedes Mal lautet die eigentliche Frage: „Was war das Haus an einem bestimmten Tag wert, und wer belegt das wie?“ Dieser Beitrag ordnet die Stichtage für Österreich, Deutschland und die Schweiz, zeigt, wie ein Wert für ein vergangenes Datum rekonstruiert wird, und rechnet es an einer Wiener Wohnung durch. Was ein Immobiliengutachten kostet und wie es abläuft, ist ein eigener Beitrag; hier geht es um die Frage davor.
Welcher Stichtag gilt? Todestag, Einantwortung, Scheidungsantrag, Kreditentscheidung
| Anlass | Österreich | Deutschland | Schweiz | Wer die Zahl verlangt |
|---|---|---|---|---|
| Erbschaft | Grunderwerbsteuer auf den Grundstückswert; Steuerschuld mit Rechtskraft der Einantwortung2 | Erbschaftsteuer; entsteht mit dem Tod des Erblassers, bewertet wird auf diesen Tag1 | Kantonale Erbschaftssteuer, meist mit dem Wert aus der letzten Vermögenssteuererklärung des Erblassers5 | Finanzamt bzw. kantonale Steuerverwaltung, Notar als Gerichtskommissär, Miterben |
| Scheidung | Aufteilung nach Billigkeit (§§ 81 ff. EheG), Antrag binnen eines Jahres nach Rechtskraft der Scheidung6 | Zugewinnausgleich; Berechnung auf den Zeitpunkt der Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags3 | Güterstand aufgelöst mit Einreichung des Begehrens, bewertet zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung7 | Gericht, Anwälte, der andere Ehegatte |
| Anschlussfinanzierung | Interner Beleihungswert der Bank | Interner Beleihungswert der Bank | Interner Belehnungswert der Bank | Kreditabteilung, für den Kunden meist nicht einsehbar |
Die Tabelle zeigt, warum ein Gutachten aus dem falschen Anlass wenig nützt: Die Bank bewertet auf heute, das deutsche Finanzamt will den Todestag, der Scheidungsanwalt den Tag der Zustellung. Drei Dokumente, drei Zahlen, alle richtig. Was Verkehrswert, Beleihungswert und Marktwert trennt, erklärt der Beitrag zu Verkehrswert, Marktwert und Beleihungswert im Vergleich.
Immobilienbewertung bei Erbschaft in Österreich: Grunderwerbsteuer statt Erbschaftssteuer
Österreich gehört mit Schweden zu den wenigen OECD-Ländern ohne Erbschaftssteuer5. Wer eine Liegenschaft erbt, zahlt stattdessen Grunderwerbsteuer, nicht vom Verkehrswert, sondern vom Grundstückswert, den § 6 GrEStG als Wert des Grundstücks vorschreibt2. Der Tarif beim unentgeltlichen Erwerb ist gestaffelt: 0,5 % für die ersten 250.000 Euro, 2 % für die nächsten 150.000 Euro, 3,5 % darüber2.
Der Stichtag überrascht viele Erben. Die Steuerschuld entsteht beim Erwerb durch Erbanfall nicht am Todestag, sondern mit der Rechtskraft des Beschlusses über die Einantwortung2, also am Ende des Verlassenschaftsverfahrens, das der Notar als Gerichtskommissär führt: Todesfallaufnahme, Vermögenserhebung, Erbantrittserklärungen, und erst der Einantwortungsbeschluss hält fest, wer zu welcher Quote erbt; ohne ihn gibt es keine Eintragung ins Grundbuch8. Zwischen Tod und Einantwortung liegen oft viele Monate, in denen sich der Markt bewegt.
Für den Grundstückswert stehen drei Wege offen, wählbar je wirtschaftlicher Einheit910:
- Pauschalwertmodell. Grundwert plus Gebäudewert. Der Grundwert ist die Grundfläche mal dem dreifachen Bodenwert je Quadratmeter, wie ihn das Finanzamt zum letzten Feststellungszeitpunkt festgestellt hat, hochgerechnet mit einem Faktor je Gemeinde, in Städten über 100.000 Einwohnern je Bezirk; den Bodenwert fragt man beim Finanzamt über FinanzOnline an10. Der Gebäudewert ist die Nutzfläche mal dem Baukostenfaktor des Bundeslandes, in Wien 1.470 Euro je Quadratmeter, angesetzt mit 100 % bei Fertigstellung oder umfassender Sanierung in den letzten zwanzig Jahren, 80 % bei einer Teilsanierung in dieser Zeit, 65 % bei Fertigstellung vor zwanzig bis vierzig Jahren und 30 % bei älteren Gebäuden ohne Sanierung10. Das BMF stellt dafür einen Grundstückswert-Rechner bereit9.
- Immobilienpreisspiegel. Maßgeblich ist die im Zeitpunkt des Entstehens der Steuerschuld zuletzt veröffentlichte Tabelle der Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria; der Grundstückswert beträgt 71,25 % des daraus abgeleiteten Wertes10, sofern das Objekt in die Kategorien der Tabelle passt9.
- Schätzungsgutachten. Wer einen niedrigeren gemeinen Wert nachweist, kann ihn ansetzen; das Gutachten eines allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Immobiliensachverständigen hat die Vermutung der Richtigkeit für sich9.
Die praktische Reihenfolge: zuerst Pauschalwert und Preisspiegelwert rechnen, dann mit der eigenen Marktwerteinschätzung vergleichen. Liegt der Markt spürbar darunter, etwa bei einer sanierungsbedürftigen Wohnung in teurer Lage, kann das Gutachten die Steuer senken; liegt er darüber, nimmt man den Pauschalwert an. Was danach beim Behalten, Vermieten oder Verkaufen zu bedenken ist, behandelt der Beitrag zur Bewertung und Besteuerung einer geerbten Immobilie.
Erbschaft in Deutschland: Erbschaftsteuer, typisierte Bewertung und der Nachweis nach § 198 BewG
In Deutschland entsteht die Erbschaftsteuer mit dem Tod des Erblassers, und für die Wertermittlung ist genau dieser Zeitpunkt maßgebend1. Ob überhaupt Steuer anfällt, entscheiden zunächst die Freibeträge: 500.000 Euro für Ehegatten und Lebenspartner, 400.000 Euro für Kinder, 200.000 Euro für Enkel, 20.000 Euro für die Steuerklassen II und III1. Eine Wohnung im Wert von 350.000 Euro, die an ein einziges Kind geht, bleibt also steuerfrei, sofern nicht weiteres Vermögen den Freibetrag füllt.
Den Wert setzt das Finanzamt selbst fest, ohne Besichtigung, nach den typisierten Verfahren des Bewertungsgesetzes: Wohnungseigentum sowie Ein- und Zweifamilienhäuser grundsätzlich im Vergleichswertverfahren, Mietwohngrundstücke im Ertragswertverfahren, die übrigen bebauten Grundstücke im Sachwertverfahren11. Typisiert heißt: Baumängel oder ein feuchter Keller kommen im Bescheid nicht vor. Wer den festgestellten Wert für zu hoch hält, kann nach § 198 BewG den niedrigeren gemeinen Wert auf zwei Arten nachweisen: durch das Gutachten des Gutachterausschusses oder eines dafür bestellten bzw. zertifizierten Sachverständigen, oder durch einen tatsächlich erzielten Kaufpreis, wenn der Verkauf im gewöhnlichen Geschäftsverkehr höchstens ein Jahr vor oder nach dem Stichtag stattfand11.
Der zweite Weg wird oft übersehen: Wer binnen eines Jahres nach dem Todestag zum Marktpreis verkauft, hat den Nachweis ohne Gutachten in der Hand11. Wer behalten will, rechnet, ob die Steuerersparnis das Honorar übersteigt; bleibt der Wert des Finanzamts unter dem Freibetrag, ändert ein Gutachten nichts.
Erbschaft in der Schweiz: kantonale Erbschaftssteuern und Steuerwerte
Die Schweiz erhebt die Erbschaftssteuer ausschließlich auf kantonaler Ebene; Schwyz und Obwalden verzichten ganz darauf5. In den meisten übrigen Kantonen sind der überlebende Ehegatte und die direkten Nachkommen befreit; Freibeträge und Tarife für die anderen Erben unterscheiden sich je Kanton5. Für Grundstücke gilt in der Mehrheit der Kantone der Wert aus der letzten Vermögenssteuererklärung des Erblassers; andere Kantone stellen beim Erbgang auf den Verkehrswert, den Ertragswert oder eine Kombination ab5.
Für Erben heißt das: Der steuerliche Wert hat mit dem Marktwert oft wenig zu tun, und verbindlich Auskunft gibt die Steuerverwaltung des Kantons, der die Steuer erhebt5. Bei der Erbteilung unter Geschwistern zählt dagegen der Verkehrswert; hier lohnt sich eine gemeinsame Schätzung vor dem ersten Streit.
Scheidung: Aufteilung nach EheG, Zugewinnausgleich, güterrechtliche Auseinandersetzung
Österreich. Wird die Ehe geschieden, sind das eheliche Gebrauchsvermögen, zu dem ausdrücklich die Ehewohnung gehört, und die ehelichen Ersparnisse aufzuteilen6. Eine eingebrachte, geerbte oder geschenkte Ehewohnung fällt nur unter Voraussetzungen in die Aufteilung: wenn das vereinbart wurde, wenn der andere Ehegatte zur Sicherung seiner Lebensbedürfnisse auf sie angewiesen ist oder wenn ein gemeinsames Kind einen berücksichtigungswürdigen Bedarf an ihr hat6. Aufgeteilt wird nach Billigkeit, unter Berücksichtigung des Beitrags jedes Ehegatten einschließlich Haushaltsführung und Kindererziehung6. Ohne Einigung entscheidet auf Antrag das Gericht, das eine Ausgleichszahlung auftragen kann; der Anspruch erlischt, wenn er nicht binnen eines Jahres nach Rechtskraft der Scheidung anerkannt oder gerichtlich geltend gemacht wird6. Einen festen Bewertungsstichtag nennt das Ehegesetz nicht6; vor Gericht bestimmt das Gericht Sachverständigen und Zeitpunkt, im Vergleich legen die Ehegatten beides selbst fest, und genau das gehört ins erste Anwaltsgespräch.
Deutschland. Beim Zugewinnausgleich tritt für die Berechnung des Zugewinns bei der Scheidung an die Stelle der Beendigung des Güterstands der Zeitpunkt, in dem der Scheidungsantrag rechtshängig wird, also seine Zustellung3. Wer die Scheidung einreicht, friert damit den Bewertungstag ein; steigt der Wert des Hauses danach, gehört der Zuwachs dem Eigentümer allein, fällt er, trägt er den Verlust allein. Ein Antrag im Jänner statt im Juni kann bei einem bewegten Markt einen fünfstelligen Unterschied machen.
Schweiz. In der Errungenschaftsbeteiligung wird die Auflösung des Güterstands bei Scheidung auf den Tag der Einreichung des Begehrens zurückbezogen; was zur Errungenschaft gehört, entscheidet sich an diesem Tag7. Bewertet wird später, zum Verkehrswert im Zeitpunkt der Auseinandersetzung7. Bestand und Wert haben damit zwei Stichtage, was in langen Verfahren zu Nachbewertungen führt.
Wie sich aus dem Wert eine Ausgleichszahlung oder ein Auskauf des Partners ableitet, behandelt der Beitrag zur Bewertung des Eigenheims bei Scheidung und Auszahlung des Partners.
Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung.
Rückwirkende Bewertung: wie ein Wert für ein vergangenes Datum rekonstruiert wird
Sachverständige bewerten regelmäßig auf einen Tag, der Jahre zurückliegt. Zwei Quellen tragen die Rekonstruktion: Kaufpreise aus der Zeit um den Stichtag, in Österreich aus den Kaufverträgen in der Urkundensammlung des Grundbuchs, und der Häuserpreisindex, den Statistik Austria aus genau diesen Verträgen gewinnt, quartalsweise seit 2010 und getrennt nach neuem und bestehendem Wohnraum sowie nach Häusern und Wohnungen4.
Die Rechnung ist ein Dreisatz: Wert am Stichtag = heutiger Wert × (Index am Stichtag ÷ Index heute). Der Teilindex für bestehende Wohnungen stand im 2. Quartal 2021 bei 151,68 Punkten (Basis 2015 = 100), im Jahresdurchschnitt 2025 bei 160,08 und im 2. Quartal 2026 bei vorläufig 169,324. Bestandswohnungen haben sich im Bundesschnitt zwischen Frühjahr 2021 und Frühjahr 2026 also um rund 11,6 % verteuert, allerdings nicht in einer Linie: Der Teilindex erreichte im 3. Quartal 2022 mit 171,64 sein Hoch, gab 2023 und 2024 nach und lag im 2. Quartal 2026 wieder knapp darunter, während der Gesamtindex aller Wohnimmobilien 5,1 % über dem Vorjahresquartal und so hoch wie nie seit 2010 stand4. Wer zwischen zwei Stichtagen rechnet, muss also den Verlauf kennen, nicht nur Anfang und Ende.
Drei Grenzen hat die Methode. Der Index ist ein Bundesdurchschnitt; ein Bezirk kann abweichen. Er misst Preise, nicht den Zustand: Eine Sanierung nach dem Stichtag muss aus dem heutigen Wert herausgerechnet werden. Und er ersetzt nicht die Vergleichskäufe um den Stichtag, die ein Gutachten für Finanzamt oder Gericht anführen muss. Als Plausibilitätsprüfung eines fremden Gutachtens und als Grundlage für eine Einigung unter Erben reicht die Indexrechnung aber weit.
Anschlussfinanzierung und Umschuldung: die Bank bewertet selbst
Läuft die Fixzinsperiode aus oder wechseln Sie das Institut, bewertet die Bank in der Regel neu, aber für sich: Sie ermittelt einen vorsichtigen Beleihungswert für die Kreditentscheidung und legt ihn selten offen. Ein Gutachten müssen Sie meist nicht beibringen, und ein von Ihnen bezahltes bindet die Bank nicht. Der Stichtag ist hier der einfachste: heute.
Beeinflussen können Sie die Verhandlungsposition. Wer Wertspanne, Vergleichskäufe und Indexverlauf seit dem Kauf kennt, erkennt, ob die Bank spürbar unter dem Markt liegt, holt ein zweites Angebot ein oder weist nach, dass das neue Dach im Beleihungswert fehlt; je niedriger die Restschuld im Verhältnis zum Wert, desto besser die Konditionen. Was zu tun ist, wenn die Bank deutlich zu niedrig ansetzt, steht im Beitrag über zu niedrige Bankbewertungen und die Gegenmittel.
Eine Wiener Erbschaftswohnung durchgerechnet: Todestag 2021, Bewertung 2026
Ein Beispiel mit erfundener Wohnung und realen Bezirksdaten. Die Mutter stirbt im Juni 2021 und hinterlässt zwei Kindern eine 85 m² große Eigentumswohnung ohne Balkon in Wien-Ottakring, Baujahr 1975, nicht saniert; die Einantwortung wird 2022 rechtskräftig. Ein Kind will behalten und auszahlen; 2026 streiten beide, ob der Wert zum Todestag oder der heutige zählt.
Schritt 1: heutiger Wert aus den amtlichen Durchschnittspreisen. Statistik Austria weist für Ottakring bei Eigentumswohnungen ohne Außenflächen mit mehr als 77 m² und Bauperiode 1961 bis 1990 einen Durchschnitt von 3.518 Euro je m² aus (Preisniveau 2025)12. Mal 85 m² sind das rund 299.000 Euro, unter dem österreichischen Wohnungsmedian von 4.162 Euro je m²12, was zu Alter und Ausstattung passt.
Schritt 2: Rückrechnung auf den Todestag. Mit dem Teilindex für bestehende Wohnungen (2. Quartal 2021: 151,68; Jahresdurchschnitt 2025: 160,08; 2. Quartal 2026: 169,32)4 ergibt sich der Wert zum Todestag als 299.000 × 151,68 ÷ 160,08 ≈ 283.000 Euro und der heutige Wert als rund 316.000 Euro.
| Größe | Rechnung (Beispiel) | Ergebnis |
|---|---|---|
| Wert auf Preisniveau 2025 | 85 m² × 3.518 €/m²12 | ≈ 299.000 € |
| Wert zum Todestag, 2. Quartal 2021 | 299.000 € × 151,68 ÷ 160,084 | ≈ 283.000 € |
| Wert im 2. Quartal 2026 | 299.000 € × 169,32 ÷ 160,084 | ≈ 316.000 € |
| Grundstückswert nach Preisspiegelmethode | 299.000 € × 71,25 %10 | ≈ 213.000 € |
| Grunderwerbsteuer beim Erbanfall | 213.000 € × 0,5 %2 | ≈ 1.065 € |
| Hälfteanteil des auszahlenden Kindes, je nach Stichtag | 283.000 € bzw. 316.000 € ÷ 2 | 141.500 € bzw. 158.000 € |
Schritt 3: die Steuer. Würde die Einantwortung heute rechtskräftig, ergäbe die Preisspiegelmethode einen Grundstückswert von 71,25 % des Tabellenwerts, rund 213.000 Euro10, innerhalb der ersten Tarifstufe bis 250.000 Euro, also 0,5 % oder rund 1.065 Euro Grunderwerbsteuer2. Für die tatsächlich 2022 rechtskräftige Einantwortung galt die damals zuletzt veröffentlichte Tabelle10; das Beispiel zeigt die Mechanik, nicht den historischen Betrag.
Schritt 4: die Einigung. Zwischen den Stichtagen liegen im Beispiel rund 33.000 Euro, beim Hälfteanteil 16.500 Euro. Um diesen Betrag streiten die Geschwister; er erklärt, warum die Frage nach dem Stichtag vor der nach dem Sachverständigen kommt. Wer sich einigt, wählt den Tag selbst; wer klagt, bekommt den des Gerichts.
Was CheckValue zur Vorbereitung zeigt und was es nicht ist
Für Erben, Ehegatten und Kreditnehmer ist der Bericht das Werkzeug für die Schritte vor dem Sachverständigen, nicht der Ersatz für ihn. Drei Teile helfen bei der Stichtagsfrage. Erstens der aktuelle Wert als Spanne mit den Vergleichskäufen: Schritt 1 des Beispiels, gerechnet für die konkrete Adresse statt für den Bezirksdurchschnitt, also die Zahl, die man neben den Pauschalwert, den Bescheid oder das Angebot des Ex-Partners legt. Zweitens der amtliche Preisindex, den der Bericht für das Umfeld ausweist: Mit ihm lässt sich die Rückrechnung auf den Stichtag nachvollziehen, bevor ein Gutachten in Auftrag geht. Drittens das PDF, das sich per Link teilen lässt, sodass Geschwister oder getrennte Ehegatten über dieselben Zahlen reden; weil dieselbe Adresse mit denselben Angaben denselben Wert liefert, kommt jede Seite beim eigenen Abruf zum gleichen Ergebnis.
Deutlich gesagt: CheckValue ist kein Gutachten, hat keine Vermutung der Richtigkeit gegenüber dem Finanzamt9 und genügt weder dem Nachweis nach § 198 BewG11 noch einem Gericht. Es bewertet auf heute; die Rückrechnung auf den Stichtag machen Sie mit dem Index selbst oder überlassen sie dem Sachverständigen. Den Aufbau für die betroffene Adresse zeigt die kostenlose Vorschau des Berichts; wollen mehrere Erben oder beide Ehegatten je einen eigenen Bericht, passt das Dreierpaket aus der Übersicht der Berichtspreise.
Bei Verlassenschaften habe ich erlebt, dass der Streit selten um den Wert selbst ging, sondern um den Tag, für den er gelten sollte. Wer diesen Tag klärt, bevor die erste Zahl auf dem Tisch liegt, spart sich meist die zweite Bewertung.
Checkliste: Unterlagen für Sachverständige und Notar
Je vollständiger die Unterlagen, desto kürzer und günstiger die Bewertung; für einen rückwirkenden Stichtag zählt alles, was den Zustand von damals belegt.
- Grundbuchsauszug mit A-, B- und C-Blatt, in Deutschland mit allen drei Abteilungen; bei Wohnungseigentum der Wohnungseigentumsvertrag.
- Pläne und Flächen: Einreichplan, Nutzwertgutachten oder Wohnflächenberechnung; die Nutzfläche ist die Rechengröße des Pauschalwertmodells10.
- Baujahr und Sanierungen mit Rechnungen: Der Gebäudewert im Pauschalwertmodell hängt davon ab10, und jede Sanierung nach dem Stichtag ist herauszurechnen.
- Fotos vom Stichtag, Energieausweis, Mietverträge; der Bodenwert laut Finanzamt, der in das Pauschalwertmodell eingeht10, in Deutschland der Feststellungsbescheid des Finanzamts.
- Für die Verlassenschaft: Sterbeurkunde, Testament, Übersicht über Schulden und Pfandrechte; darauf baut der Gerichtskommissär die Vermögenserhebung auf8.
- Für die Scheidung: Datum der Eheschließung, Nachweise über eingebrachtes oder geerbtes Vermögen6, das Zustelldatum des Scheidungsantrags3 bzw. das Einreichdatum des Begehrens7.
- Der Zweck, schriftlich. Finanzamt, Gericht, Bank oder Einigung unter Erben: Der Sachverständige baut das Gutachten je nach Adressat anders auf, und ein falsch adressiertes Gutachten ist das teuerste Papier im Verfahren.
Häufige Fragen
Welcher Stichtag gilt bei der Immobilienbewertung im Erbfall?
Das hängt vom Land und vom Zweck ab. In Deutschland entsteht die Erbschaftsteuer mit dem Tod des Erblassers, und das Finanzamt bewertet auf diesen Tag. In Österreich gibt es keine Erbschaftssteuer; die Grunderwerbsteuer entsteht beim Erbanfall erst mit der Rechtskraft der Einantwortung, und der Grundstückswert wird auf diesen Zeitpunkt ermittelt. In der Schweiz legen die kantonalen Steuergesetze den Wert fest, meist über den Vermögenssteuerwert des Erblassers.
Brauche ich für die Erbschaft ein Gutachten?
In Österreich nicht zwingend: Der Grundstückswert lässt sich nach dem Pauschalwertmodell oder mit 71,25 Prozent der Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria berechnen; ein Schätzungsgutachten lohnt sich, wenn es einen niedrigeren Wert belegt, denn es hat beim Finanzamt die Vermutung der Richtigkeit für sich. In Deutschland stellt das Finanzamt den Wert selbst fest, und nur ein Gutachten nach § 198 BewG oder ein zeitnaher Kaufpreis drückt ihn nach unten.
Wie berechnet das Finanzamt den Wert einer geerbten Immobilie?
Das deutsche Finanzamt bewertet ohne Besichtigung nach den typisierten Verfahren des Bewertungsgesetzes: Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser im Vergleichswertverfahren, Mietwohngrundstücke im Ertragswertverfahren. Das österreichische Finanzamt braucht keinen Verkehrswert, sondern den Grundstückswert: nach dem Pauschalwertmodell aus Boden- und Gebäudewert oder als 71,25 Prozent der Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria. Darauf rechnet es die Grunderwerbsteuer im Stufentarif: 0,5 Prozent bis 250.000 Euro, 2 Prozent für die nächsten 150.000 Euro, 3,5 Prozent darüber.
Welcher Stichtag gilt bei der Scheidung für den Wert des Hauses?
In Deutschland wird der Zugewinn nach § 1384 BGB auf den Zeitpunkt berechnet, in dem der Scheidungsantrag rechtshängig wird, also mit seiner Zustellung. In der Schweiz wird die Auflösung des Güterstands auf den Tag der Einreichung des Scheidungsbegehrens zurückbezogen, bewertet wird aber zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung. In Österreich nennt das Ehegesetz keinen festen Stichtag; die Aufteilung erfolgt nach Billigkeit und muss binnen eines Jahres nach Rechtskraft der Scheidung beantragt werden.
Wer zahlt das Gutachten bei der Scheidung?
Einigen sich die Ehegatten auf einen gemeinsamen Sachverständigen, teilen sie das Honorar meist. Im gerichtlichen Aufteilungs- oder Zugewinnverfahren bestellt das Gericht den Sachverständigen, und die Kosten werden nach den Regeln des Verfahrens auf die Parteien verteilt. Wer vorab eine eigene Bewertung in Auftrag gibt, trägt sie selbst; sie dient dann als Grundlage für die Verhandlung, nicht als Beweis vor Gericht.
Kann ich nachträglich den Wert zu einem früheren Datum ermitteln lassen?
Ja. Sachverständige bewerten regelmäßig auf einen zurückliegenden Stichtag, etwa den Todestag, und stützen sich dabei auf Kaufpreise aus der Zeit um den Stichtag sowie auf den Häuserpreisindex. Statistik Austria veröffentlicht den Index quartalsweise seit 2010, sodass sich ein heutiger Wert rechnerisch auf jedes Quartal zurückführen lässt. Der Zustand des Objekts am Stichtag muss dabei aus Fotos, Rechnungen und Plänen rekonstruiert werden.
Bewertet die Bank bei der Anschlussfinanzierung neu?
In der Regel ja, aber intern. Die Bank ermittelt für die Kreditentscheidung ihren eigenen, vorsichtigen Beleihungswert und legt das Ergebnis selten offen. Ein Gutachten müssen Sie dafür meist nicht beibringen; hilfreich ist es, die eigene Wertspanne und die Vergleichskäufe zu kennen, um ein zu niedriges Ergebnis der Bank hinterfragen und mit einem anderen Institut vergleichen zu können.
Reicht ein CheckValue-Bericht für Finanzamt oder Gericht?
Nein. Finanzamt und Gericht verlangen ein Gutachten eines dafür qualifizierten Sachverständigen; ein KI-Bewertungsbericht ist keines und hat nicht die Vermutung der Richtigkeit. Was der Bericht leistet, ist die Vorbereitung: eine aktuelle Wertspanne mit Vergleichskäufen, der amtliche Preisindex für die Rückrechnung auf den Stichtag und ein PDF, das alle Beteiligten mit denselben Zahlen an den Tisch bringt.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Zahlen und Regeln tragen das Jahr ihrer Veröffentlichung; die aktuelle Fassung finden Sie in der zitierten Quelle.
Quellen
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- 2lawGrunderwerbsteuergesetz 1987 (GrEStG), Bundesrecht konsolidiertRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 4 Abs. 1 Bemessung mindestens vom Wert des Grundstücks, § 6 Abs. 1 Z 2 Grundstückswert, § 7 Abs. 1 Z 2 lit. a Stufentarif 0,5 %, 2 % und 3,5 % beim unentgeltlichen Erwerb, § 8 Abs. 4 Entstehen der Steuerschuld beim Erbanfall mit Rechtskraft der Einantwortung.ris.bka.gv.at ↗
- 3law§ 1384 BGB: Berechnungszeitpunkt für den Zugewinn und die Höhe der Ausgleichsforderung bei ScheidungBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Wird die Ehe geschieden, tritt für die Berechnung des Zugewinns und die Höhe der Ausgleichsforderung an die Stelle der Beendigung des Güterstands der Zeitpunkt der Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags.gesetze-im-internet.de ↗
- 4statisticsHäuserpreisindex und OOH PI, Messzahlen seit 2010 (Stand 23. September 2026)Statistik Austria · 2026Quartalsindex aus den im Grundbuch hinterlegten Kaufverträgen privater Haushalte, nach neuem und bestehendem Wohnraum sowie Häusern und Wohnungen getrennt; Tabelle HPI Messzahlen, Blatt Basis 2015 = 100, Teilindex bestehende Wohnungen: 2. Quartal 2021 151,68, Hoch im 3. Quartal 2022 171,64, Jahresdurchschnitt 2025 160,08, 2. Quartal 2026 169,32 (vorläufig); Gesamtindex im 2. Quartal 2026 mit 175,42 um 5,1 Prozent über dem Vorjahresquartal und auf dem höchsten Stand seit 2010.statistik.at ↗
- 5officialErbschafts- und Schenkungssteuern (Dossier Steuerinformationen, Stand 1. Januar 2025)Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), Schweizerische Steuerkonferenz · 2024Die Erbschaftssteuer wird in der Schweiz ausschließlich kantonal erhoben, die Kantone Schwyz und Obwalden erheben keine; die Mehrheit der OECD-Länder kennt eine solche Steuer, Österreich und Schweden nicht; in den meisten Kantonen sind der überlebende Ehegatte und die direkten Nachkommen befreit; Grundstücke werden in der Mehrheit der Kantone mit dem Wert aus der letzten Vermögenssteuererklärung des Erblassers angesetzt, sonst nach Verkehrs- oder Ertragswert.estv2.admin.ch ↗
- 6lawEhegesetz (EheG), §§ 81 ff. Aufteilung des ehelichen Gebrauchsvermögens und der ehelichen ErsparnisseRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 81 Aufteilung von Gebrauchsvermögen einschließlich Ehewohnung und Ersparnissen, § 82 Abs. 2 eingebrachte oder geerbte Ehewohnung nur unter Voraussetzungen, § 83 Aufteilung nach Billigkeit, § 85 Entscheidung des Gerichts auf Antrag, § 94 Ausgleichszahlung, § 95 Erlöschen des Anspruchs ein Jahr nach Rechtskraft der Scheidung.ris.bka.gv.at ↗
- 7lawSchweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB), Art. 204, 211 und 214Fedlex, Bundeskanzlei der Schweizerischen Eidgenossenschaft · 2026Art. 204 Abs. 2: bei Scheidung wird die Auflösung des Güterstands auf den Tag der Einreichung des Begehrens zurückbezogen; Art. 211: Vermögensgegenstände sind zum Verkehrswert einzusetzen; Art. 214 Abs. 1: maßgebend für den Wert der Errungenschaft ist der Zeitpunkt der Auseinandersetzung.fedlex.admin.ch ↗
- 8guidanceAbwicklung eines Verlassenschaftsverfahrens (Notar als Gerichtskommissär, Einantwortung)oesterreich.gv.at (Bundeskanzleramt) · 2026Der Notar führt als Gerichtskommissär die Todesfallaufnahme durch und erhebt das Vermögen; der Einantwortungsbeschluss hält fest, wer zu welcher Quote erbt, und ist für die Grundbuchseintragung nötig.oesterreich.gv.at ↗
- 9officialGrunderwerbsteuer: Bemessungsgrundlage (Grundstückswert, Pauschalwertmodell, Immobilienpreisspiegel, Gutachten)Bundesministerium für Finanzen (BMF) · 2026Der Grundstückswert kann nach dem Pauschalwertmodell (Grund- und Gebäudewert mit Abschlägen für Alter und Gebäudeart, Rechner des BMF), mit 71,25 Prozent der Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria oder durch ein Schätzungsgutachten ermittelt werden; das Gutachten eines allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Immobiliensachverständigen hat die Vermutung der Richtigkeit für sich.bmf.gv.at ↗
- 10lawGrundstückswertverordnung (GrWV), PauschalwertmodellRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 2: Grundwert aus Grundfläche mal dreifachem Bodenwert zum letzten Feststellungszeitpunkt (Anfrage beim Finanzamt über FinanzOnline) mal Hochrechnungsfaktor der Gemeinde, in Städten über 100.000 Einwohnern je Bezirk; Gebäudewert aus Nutzfläche mal Baukostenfaktor (Wien 1.470 Euro je m²), angesetzt mit 100 Prozent bei Fertigstellung oder umfassender Sanierung in den letzten zwanzig Jahren, 80 Prozent bei Teilsanierung, 65 Prozent bei Fertigstellung vor zwanzig bis vierzig Jahren, 30 Prozent bei älteren Gebäuden; § 3 Abs. 2: bei der Preisspiegelmethode gelten die im Zeitpunkt des Entstehens der Steuerschuld zuletzt veröffentlichten Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria, der Grundstückswert beträgt 71,25 Prozent des ermittelten Wertes.ris.bka.gv.at ↗
- 11lawBewertungsgesetz (BewG), §§ 176 ff. GrundvermögenBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026§ 182: Wohnungseigentum sowie Ein- und Zweifamilienhäuser werden grundsätzlich im Vergleichswertverfahren, Mietwohngrundstücke im Ertragswertverfahren und die übrigen Grundstücke im Sachwertverfahren bewertet; § 198: Nachweis des niedrigeren gemeinen Werts durch Gutachten des Gutachterausschusses oder bestellter bzw. nach DIN EN ISO/IEC 17024 zertifizierter Sachverständiger oder durch einen Kaufpreis im gewöhnlichen Geschäftsverkehr innerhalb eines Jahres vor oder nach dem Bewertungsstichtag.gesetze-im-internet.de ↗
- 12statisticsImmobilien-Durchschnittspreise 2025: Wohnungspreise nach Bezirken, Wohnflächen und BauperiodenStatistik Austria · 2026Durchschnittspreise aus den Käufen privater Haushalte der Jahre 2021 bis 2025, auf das Preisniveau 2025 valorisiert; Eigentumswohnungen ohne Außenflächen in Wien-Ottakring, mehr als 77 m², Bauperiode 1961 bis 1990: 3.518 Euro je m²; Medianpreis für Wohnungen in Österreich 2025: 4.162 Euro je m²; laut Grundstückswertverordnung als Grundlage der Grunderwerbsteuer beim unentgeltlichen Erwerb verwendbar.statistik.at ↗





