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Angebotspreis festlegen: Verkaufspreis der Immobilie richtig ansetzen

Angebotspreis festlegen: Wertspanne statt Wunschpreis, Portal-Preisfilter, Verhandlungsbasis, Bieterverfahren und wann Sie senken müssen.

Christian EckmairAktualisiert: 12 Min. Lesezeit10 quellenGeprüft von Josef Eckmair MBA
Wohnungsinserat mit Preisangabe auf einem Bildschirm, Sinnbild für die Festlegung des Angebotspreises einer Immobilie
Die Preisschere zwischen Inserat und Grundbuch lag in Österreich 2020 bei Häusern zwischen knapp 3 % in Vorarlberg und rund 30 % in Tirol. Bild: Mark Stevenson, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

„Wie viel kann ich verlangen?“ ist die Frage, mit der fast jeder Verkauf beginnt, und sie hat zwei Antworten, die gern verwechselt werden: eine Spanne, die der Markt vorgibt, und eine Zahl im Inserat, die Sie selbst festlegen, mit Blick auf Suchfilter, Verhandlungsgewohnheiten und die eigene Zeit. Ein zentrales Register aller Verkaufsangebote, wie es die USA mit dem MLS kennen, fehlt im deutschsprachigen Raum; die Vermarktung läuft über willhaben, ImmoScout24 und Homegate, und deren Mechanik bestimmt mit, welche Zahl funktioniert. Was vom Kaufpreis am Ende netto bleibt, rechnet der Leitfaden zu Verkaufskosten und Nettoerlös vor; hier geht es um die Zahl, die vorher im Inserat steht.

Warum die ersten zwei Wochen im Inserat den Preis entscheiden

Wer eine Wohnung sucht, sucht meist seit Monaten. Diese Menschen haben Suchagenten eingerichtet, kennen jeden Quadratmeterpreis ihres Wunschbezirks und öffnen ein neues Inserat am Tag des Erscheinens. Ein Objekt hat deshalb genau einmal die volle Aufmerksamkeit des Marktes: in den Tagen, in denen es als neu gilt, oben in der Sortierung steht und per Benachrichtigung auf Telefone kommt. Danach sehen es nur noch die, die neu in die Suche einsteigen, und das sind pro Woche wenige.

Ein Preis, der in dieser Phase über dem liegt, was die aktiven Suchenden für angemessen halten, erzeugt kein Gegenangebot, sondern Schweigen. Die Portale zeigen den Preisverlauf, Interessenten machen Bildschirmfotos, und eine Senkung nach sechs Wochen erzählt jedem späteren Käufer, dass hier noch einmal gesenkt wird. Dazu kommt der Ruf des Objekts: Was lange online steht, weckt die Frage, was mit ihm nicht stimmt, obwohl nur der Preis nicht gestimmt hat.

Darum lohnt sich der Aufwand vor dem Inserat: erst die Spanne, dann die Strategie, dann die Fotos, und erst dann der Knopf „Veröffentlichen“.

Angebotspreis festlegen: Wertspanne aus Vergleichskäufen und Bezirksdurchschnitt statt Wunschpreis

Drei Anker tragen eine belastbare Spanne. Der erste sind Vergleichskäufe: Kaufverträge aus der Nachbarschaft, in Österreich in der Urkundensammlung des Grundbuchs für jeden einsehbar; wie Sie an sie kommen, zeigt der Beitrag zum Vergleichswertverfahren mit echten Kaufpreisen. Der zweite ist der Bezirksdurchschnitt. Statistik Austria veröffentlicht die Immobilien-Durchschnittspreise aus den Käufen privater Haushalte auf Bezirksebene, unterteilt in neun Klassen nach Wohnfläche und Bauperiode, wobei die Transaktionen der vier Vorjahre auf das Preisniveau des Zieljahres valorisiert werden; der Medianpreis 2025 lag bei Wohnhäusern bei 2.836 €/m², bei Wohnungen bei 4.162 €/m²1. Der Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer ergänzt das aus Maklersicht: 91.000 Transaktionen im Jahr 2025, gebrauchte Eigentumswohnungen im Bundesschnitt bei 2.278,72 €/m², Erstbezug bei 3.602,97 €/m²3.

Der dritte Anker ist die Dynamik. Der Häuserpreisindex von Statistik Austria, gerechnet aus den im Grundbuch hinterlegten Kaufverträgen, stand im 2. Quartal 2026 vorläufig um 5,1 % höher als ein Jahr davor; für Bestandsobjekte war der Zuwachs gleich groß, für Neubauten betrug er 4,9 %4. Ein Vergleichskauf aus dem Vorjahr braucht also einen Zeitzuschlag, keine Kopie. In Deutschland tritt an die Stelle der Bezirkstabelle der Bodenrichtwert aus BORIS-D, dem länderübergreifenden Portal für die Bodenrichtwerte der Gutachterausschüsse5, ergänzt um deren Marktberichte. Die Dynamik ist dort regional gespalten: Der deutsche Häuserpreisindex lag im 2. Quartal 2026 nur 0,6 % über dem Vorjahresquartal, doch Eigentumswohnungen verloren in den sieben Metropolen 0,4 %, gewannen in den übrigen kreisfreien Großstädten 2,0 % und gaben in dicht besiedelten ländlichen Kreisen 1,8 % nach6. Wer in München inseriert, bepreist einen anderen Markt als in Leipzig. Für die Schweiz meldet das BFS im 2. Quartal 2026 einen Wohnimmobilienpreisindex von 127,7 Punkten, 0,7 % mehr als im Quartal davor; Einfamilienhäuser gaben 0,4 % nach, Eigentumswohnungen gewannen 1,6 %, binnen Jahresfrist stiegen die Preise um 3,5 %7.

Was in keiner der drei Listen vorkommt: Ihr Kaufpreis von damals, die Restschuld, die Kosten der neuen Küche, das Angebot des Nachbarn, das nie zum Vertrag wurde. Käufer kennen diese Zahlen nicht und bezahlen sie nicht. Wer sie trotzdem zum Anker macht, verhandelt gegen den Markt statt mit ihm.

Vier Preisstrategien im Vergleich: marktgerecht, knapp darunter, mit Verhandlungsluft, Bieterverfahren

Mit der Spanne in der Hand ist der Angebotspreis eine Wahl zwischen vier Wegen. Sie unterscheiden sich nicht im Ziel, sondern im Risiko, das Sie tragen wollen.

Strategie Angebotspreis im Verhältnis zur Wertspanne Passt, wenn Risiko
Marktgerecht Oberes Drittel der Spanne, Festpreis Normaler Markt, Sie wollen in zwei bis drei Monaten abschließen Wenig Luft nach unten; das erste ernsthafte Anbot liegt meist knapp unter dem Preis
Knapp darunter Unter dem unteren Rand oder unter der nächsten Suchschwelle der Portale Gefragte Lage, viele aktive Suchende, gute Fotos Kommt nur ein Interessent, haben Sie günstig verkauft; kommen mehrere, steigt der Preis im Wettbewerb
Mit Verhandlungsluft 5 bis 10 % über dem oberen Rand, oft mit „VB“ Häuser in Bezirken mit großer Preisschere2, kein Zeitdruck Längere Vermarktungsdauer, sichtbare Senkung, Anbote mit Abschlag
Bieterverfahren Bewusst unter der Spanne, Gebote bis zu einer Frist Nachfrageüberhang, Objekt mit Seltenheitswert Braucht Regeln und einen Vertragserrichter; in Deutschland bindet erst der Notarvertrag9

Marktgerecht ist die Standardwahl für Wohnungen in Wien und den anderen großen Städten, wo Käufer die Vergleichspreise kennen. Knapp darunter funktioniert, wo mehr Suchende als Objekte unterwegs sind, und nur mit Disziplin: Der niedrige Preis ist ein Einstieg, kein Versprechen, und das steht im Inserat. Verhandlungsluft ist in Landbezirken mit großer Schere üblich, weil Käufer dort das Abhandeln erwarten; in einem Bezirk mit 2 % Schere sortiert sie das Objekt aus. Das Bieterverfahren lässt in gefragten Lagen den Markt statt den Verkäufer den Preis setzen, verlangt aber schriftliche Spielregeln, eine Frist, die Abwicklung durch Notar oder Rechtsanwalt und den Mut, ein zu niedriges Höchstgebot abzulehnen. In Deutschland kann der Höchstbieter bis zum Notartermin aussteigen, weil erst die Beurkundung bindet9.

Preisfilter der Portale: warum 399.000 € mehr Käufer erreicht als 405.000 €

Käufer suchen nicht nach Ihrer Wohnung, sondern nach einer Preisspanne. Die Suchmasken von willhaben, ImmoScout24 und Homegate fragen nach einer Obergrenze, und die meisten Menschen tragen eine runde Zahl ein: 300.000, 400.000, 500.000 €. Der Suchagent, der jeden Abend neue Objekte schickt, arbeitet mit derselben Grenze. Ein Inserat um 405.000 € existiert für jeden, der „bis 400.000 €“ eingestellt hat, nicht; ein Inserat um 399.000 € erscheint bei ihm und bei allen, die bis 450.000 oder 500.000 € suchen.

Daraus folgen zwei Regeln. Erstens: Liegt Ihre Spanne knapp über einer runden Schwelle, ist der Preis knapp darunter meist die bessere Zahl, weil er die größte Gruppe Suchender erreicht und im Wettbewerb wieder über die Schwelle steigen kann. Zweitens: Wollen Sie bewusst über der Schwelle anbieten, dann deutlich, etwa 429.000 statt 405.000 €. Für Suchende zwischen 400.000 und 500.000 € ist 429.000 € das günstige Ende ihrer Liste; 405.000 € ist für sie dasselbe, wird aber von der Gruppe darunter nicht gesehen. Der Preis 405.000 € ist damit die schlechteste Zahl auf dem ganzen Abschnitt: zu hoch für die einen, ohne Vorteil bei den anderen.

Dass eine Neun am Ende den Preis eine Stufe tiefer wirken lässt, ist aus dem Handel bekannt; bei Wohnungen zählt aber der Filter, nicht die Ziffer. 398.000 € statt 400.000 € kostet im Inserat 2.000 €, von denen im Abschluss nichts übrig bleibt, weil das Anbot ohnehin auf eine glatte Zahl lautet.

Verhandlungsbasis, „Preis auf Anfrage“ und die Preisschere zwischen Angebot und Kaufpreis

Zwei Konventionen des deutschsprachigen Marktes verdienen einen nüchternen Blick. VB, also Verhandlungsbasis, sagt dem Käufer, dass der Preis ein Vorschlag ist; er zieht gedanklich ab, bevor er anruft. Preis auf Anfrage schützt vor der Neugier der Nachbarn und kostet die Sichtbarkeit in jedem Preisfilter. Beide Zusätze passen zur Strategie mit Verhandlungsluft und zu nichts sonst. Was im Inserat eines Maklers dagegen immer stehen muss, regelt die Immobilienmaklerverordnung: der Hinweis auf Provisionspflicht und Provisionshöhe8.

Wie weit Angebot und Abschluss in Österreich auseinanderliegen, hat eine Auswertung von willhaben und IMMOunited gezeigt, die mehr als 100.000 Anzeigen des Jahres 2020 mit den im Grundbuch eingetragenen Kaufpreisen verglich2. Bei Wohnungen fiel die Schere kleiner aus als bei Häusern; am größten war sie in Tirol mit durchschnittlich 21 %, und im Bezirk Kitzbühel wurden Wohnungen um 19 % günstiger gekauft als angeboten. In Wien lag die Schere in Margareten, Alsergrund und Döbling bei 14 %, in Leopoldstadt, Meidling und Brigittenau bei 2 %2. Bei Einfamilienhäusern klaffte sie weiter: knapp 3 % in Vorarlberg, 8 % in Kärnten, 9 % in Wien, 14 % im Burgenland, 15 % in Salzburg und der Steiermark, 17 % in Oberösterreich, 21 % in Niederösterreich und rund 30 % in Tirol; in Baden, Mödling, Krems, Hallein oder Kitzbühel wurden 28 bis 31 % gemessen2.

Lesen Sie diese Zahlen als Verkäufer richtig: Eine Schere von 30 % heißt weniger, dass Käufer in Tirol hart verhandeln, als dass Verkäufer dort zu hoch inserieren. Die Daten stammen aus einem Jahr steigender Preise; die Prozentwerte haben sich seither bewegt, das Muster nicht: Häuser haben mehr Luft als Wohnungen, Landbezirke mehr als Wien. Wie Käufer dieselbe Auswertung für ihr Anbot nutzen, steht im Beitrag zum Verhandeln des Kaufpreises aus Käufersicht.

Feedback lesen: Anfragen, Besichtigungen, Angebote, Vermarktungsdauer und der Moment zum Senken

Das Inserat ist online, und der Markt antwortet in vier Stufen, die sich einzeln lesen lassen.

  1. Aufrufe ohne Anfragen in der ersten Woche: Fotos und Text erreichen die Leute, die Zahl hält sie ab.
  2. Anfragen ohne Besichtigungen: Der Preis passt, aber Beschreibung, Lage oder Grundriss lassen Zweifel; hier hilft ein besseres Exposé, kein neuer Preis.
  3. Besichtigungen ohne Anbot: Vor Ort fehlt etwas, das im Inserat nicht sichtbar war. Fragen Sie jeden Besucher nach dem Grund; die Antworten wiederholen sich schnell.
  4. Anbote deutlich unter dem Preis: Zwei unabhängige Anbote in derselben Höhe sind kein Zufall, sondern der Preis.

Wann senken? Nach drei bis vier Wochen ohne einen einzigen Besichtigungstermin, nicht früher, weil Termine Zeit brauchen, und nicht viel später, weil das Inserat dann alt ist. Und wie? In einem Schritt unter die nächste Suchschwelle, damit das Objekt eine neue Gruppe Suchender erreicht, statt in drei kleinen Schritten, die den Interessenten beibringen, auf den vierten zu warten. Jeder Monat Vermarktung kostet Zinsen und Betriebskosten; wie Vermarktungsdauer, Saison und Preisindex zusammenhängen, beschreibt der Beitrag zum richtigen Verkaufszeitpunkt. In der Schweiz kommt eine Grenze dazu, die der Verkäufer nicht sieht: Die Bank des Käufers finanziert nach ihrer eigenen Schätzung und nach den Richtlinien der Bankiervereinigung für Hypothekarfinanzierungen, die als aufsichtsrechtlicher Mindeststandard gelten10. Liegt Ihr Preis deutlich über dem Bankwert, muss der Käufer die Differenz aus eigenen Mitteln zahlen, und die meisten können das nicht.

Drei Inserate für eine Wiener Wohnung mit Wertspanne 400.000 bis 425.000 €

Ein Beispiel mit erfundener Wohnung und amtlichen Bezirksdaten. Verkauft wird eine 92 m² große Eigentumswohnung ohne Balkon in Wien-Landstraße, Baujahr 1975, Bad und Elektrik 2015 erneuert. In der Wohnungspreistabelle der Statistik Austria steht für Landstraße in der Spalte „1961 bis 1990, mehr als 77 m²“ für Wohnungen ohne Außenflächen ein Durchschnitt von 4.429 €/m²1; mal 92 m² sind das rund 407.000 €. Zwei Kaufverträge aus dem Haus und der Nachbargasse (Annahme: 4.350 und 4.600 €/m², beide aus den letzten zwölf Monaten) spannen mit dem Zeitzuschlag aus dem Häuserpreisindex4 eine Spanne von 400.000 bis 425.000 € auf. Dieselbe Wohnung, drei Inserate:

Angebotspreis Lage zur Spanne Sichtbar für Suchende „bis 400.000 €“ Erwartbarer Verlauf (Annahmen des Beispiels)
398.000 € Knapp unter dem unteren Rand Ja Viele Anfragen in Woche 1, gebündelte Besichtigungen, zwei bis drei Anbote; Abschluss zwischen 405.000 und 418.000 €, wenn mindestens zwei Interessenten bieten
429.000 € Rund 1 % über dem oberen Rand, mit „VB“ Nein Anfragen aus der Gruppe 400.000 bis 500.000 €, Anbote mit 4 bis 6 % Abschlag; Abschluss zwischen 403.000 und 412.000 € nach sechs bis zehn Wochen
459.000 € 8 % über dem oberen Rand Nein Wenige Besichtigungen; Senkung nach acht Wochen auf 429.000 € im Preisverlauf sichtbar; Abschluss eher unter 405.000 €, weil spätere Käufer weiteres Nachgeben erwarten

Die Verläufe sind Annahmen, keine Messung, aber sie folgen dem, was die Preisschere über Wien sagt: Bei 2 bis 14 % Abschlag2 holt Verhandlungsluft von 8 % keinen höheren Preis, nur eine längere Vermarktung. Zwischen dem ersten und dem dritten Inserat liegen nicht zwei Wohnungen, sondern zwei Monate.

Was CheckValue vor dem Maklergespräch zeigt

Für die Preisfrage sind drei Teile des Berichts die Vorarbeit, die dieser Beitrag beschreibt. Die Wertspanne mit Punktwert setzt den Quadratmeterpreis der Adresse gegen den Bezirksdurchschnitt, also die Rechnung des Beispiels für Ihr Objekt statt für die Tabellenzeile. Die Vergleichsverkäufe darunter sind das, wonach Sie den Makler fragen sollten, bevor er seine Zahl nennt; wer sie schon kennt, erkennt einen Auftragspreis am ersten Satz. Und das Markttempo, also die Vermarktungsdauer in der Umgebung, entscheidet zwischen den vier Strategien: Wo Objekte in wenigen Wochen weggehen, trägt der Start knapp unter der Spanne; wo sie Monate stehen, führt jede Luft nach oben zur sichtbaren Senkung.

Den Angebotspreis nennt der Bericht nicht, und das ist Absicht: Er liefert Spanne und Daten, die Entscheidung über Strategie und Zahl bleibt bei Ihnen. Ein Gutachten ist er nicht, niemand hat die Wohnung besichtigt, und wo Gericht oder Bank einen Sachverständigen verlangen, ersetzt er ihn nicht. Wie die Seiten mit Spanne, Vergleichsverkäufen und Markttempo aufgebaut sind, sehen Sie am Wiener Beispiel unter den Musterberichten auf der Startseite; für die eigene Adresse zeigt die kostenlose Vorschau des Berichts alle Abschnitte, bevor Sie kaufen.

Der hohe Preis als Auftragsköder: den Interessenkonflikt beim Makler erkennen

Das Muster kennt jeder, der drei Makler eingeladen hat: Drei Bewertungen, drei Zahlen, und die höchste bekommt den Alleinauftrag. Zwei Monate später heißt es, der Markt habe sich gedreht, und der Preis wird auf die mittlere der drei Zahlen gesenkt. Der Mechanismus dahinter ist kein böser Wille, sondern Anreiz: Die Provision ist in Österreich nach der Immobilienmaklerverordnung mit 3 % des Wertes bei Kaufpreisen über 36.336,42 € gedeckelt8. Fünf Prozent mehr Kaufpreis bringen dem Makler also 0,15 Prozentpunkte mehr, ein geplatzter Auftrag kostet ihn alles. Sein Interesse liegt im Abschluss, nicht im letzten Prozent, und der hohe Erstpreis ist das Werkzeug, um überhaupt am Tisch zu sitzen. Dieselbe Verordnung verlangt allerdings die Sorgfalt eines ordentlichen Immobilienmaklers8, und eine Zahl ohne Kaufverträge dahinter ist nicht sorgfältig.

Drei Fragen trennen die Einschätzung vom Köder: Welche Kaufverträge stützen die Zahl, mit Adresse, Datum und Quadratmeterpreis? Wie lange standen Ihre letzten fünf vergleichbaren Objekte online, und wie weit lag der Abschluss unter dem Startpreis? Zu welchem Preis würden Sie inserieren, wenn Ihre Provision an der Vermarktungsdauer hinge? Wer die erste nicht beantworten kann, hat geschätzt; wer die dritte mit einer niedrigeren Zahl beantwortet, hat den ehrlichen Preis genannt. Ob Sie den Makler danach beauftragen, die Provision verhandeln oder selbst verkaufen, rechnet der Beitrag Haus verkaufen mit oder ohne Makler durch.

Wenn ich als Verkäufer drei Makler eingeladen habe, hat fast immer der mit der höchsten Zahl den Auftrag bekommen, und nach zwei Monaten stand der Preis dort, wo der vorsichtigste am ersten Tag war. Seit ich zuerst die Kaufverträge der Nachbarschaft lese und erst dann die Makler einlade, sind diese Gespräche kurz und die Inserate nicht mehr lang online.
Christian Eckmair, Mitgründer von CheckValue

Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Prozentwerte und Indizes tragen das Jahr ihrer Quelle; die geltenden Zahlen finden Sie dort.

Häufige Fragen

Wie lege ich den Angebotspreis meiner Immobilie fest?

Sie gehen von einer Wertspanne aus, nicht von einer Wunschzahl: Kaufpreise vergleichbarer Objekte aus der Nachbarschaft, die Bezirkstabelle der Statistik Austria für Wohnfläche und Bauperiode Ihres Objekts und die aktuelle Preisdynamik. Erst dann wählen Sie die Strategie, also marktgerecht, knapp unter der nächsten Filterschwelle der Portale oder mit begrenzter Verhandlungsluft. Ihr Kaufpreis von damals, die Restschuld und die Kosten der Renovierung sind keine Anker, weil der Käufer sie weder kennt noch bezahlt.

Wie viel über dem Marktwert darf der Angebotspreis liegen?

So viel, wie Ihr Bezirk erfahrungsgemäß wieder abhandelt, und keinen Prozentpunkt mehr. Die Auswertung von willhaben und IMMOunited über das Jahr 2020 zeigt bei Wohnungen in Wiener Bezirken Abschläge zwischen 2 % und 14 %, bei Häusern je nach Bundesland zwischen knapp 3 % und rund 30 %. Wo die Schere klein ist, kauft der Markt nahe am Inseratspreis; wer dort 10 % Luft einbaut, bekommt keine Anfragen statt einer Verhandlung.

Was passiert, wenn die Immobilie zu teuer angeboten wird?

Die ersten zwei Wochen vergehen ohne Anfragen, weil die aktiven Suchenden das Objekt sehen, einordnen und weiterklicken. Danach hilft nur eine Senkung, die im Inseratsverlauf der Portale sichtbar bleibt und Käufern signalisiert, dass weiteres Nachgeben möglich ist. Der Abschluss liegt in solchen Fällen häufig unter dem Betrag, den ein marktgerechter Start gebracht hätte, und das Objekt trägt den Ruf, dass mit ihm etwas nicht stimmt.

Was bedeutet Verhandlungsbasis, und sollte ich sie angeben?

Verhandlungsbasis, im Inserat meist als VB abgekürzt, heißt: Der genannte Preis ist ein Vorschlag, Angebote darunter sind erwünscht. Käufer ziehen davon gedanklich sofort etwas ab, und zwar von einer Zahl, die Sie selbst schon mit Luft angesetzt haben. Sinnvoll ist der Zusatz nur, wenn Sie bewusst oberhalb der Spanne starten und Zeit haben. Wer marktgerecht anbietet, lässt ihn weg und nennt einen Festpreis mit Begründung.

Wann ist ein Bieterverfahren sinnvoll?

Wenn in Ihrer Lage mehr Suchende als Objekte unterwegs sind und das Haus oder die Wohnung etwas Besonderes hat, das sich schwer bepreisen lässt: Blick, Grundstück, Altbau in gefragter Gegend. Der Startpreis liegt bewusst unter der Spanne, die Gebote laufen bis zu einer festen Frist. Es braucht schriftliche Regeln, einen Notar oder Rechtsanwalt für die Abwicklung und die Bereitschaft, ein zu niedriges Höchstgebot abzulehnen.

Wann und wie stark sollte ich den Preis senken?

Wenn nach drei bis vier Wochen mit ordentlichen Fotos und vollständigem Inserat keine Besichtigung zustande kam, spricht der Markt. Senken Sie dann in einem einzigen Schritt unter die nächste runde Suchschwelle der Portale, also von 429.000 € auf 399.000 € statt auf 419.000 €, damit das Inserat neue Suchende erreicht. Mehrere kleine Senkungen hintereinander lehren die Interessenten nur, auf die nächste zu warten.

Warum nennen Makler beim Erstgespräch oft einen hohen Preis?

Weil im Wettbewerb um den Alleinauftrag der Makler mit der höchsten Zahl häufig gewinnt und die Provision nach der Immobilienmaklerverordnung ohnehin auf 3 % des Kaufpreises gedeckelt ist, sodass fünf Prozent mehr Preis für ihn kaum etwas ändern, der Abschluss aber alles. Die Standesregeln verlangen die Sorgfalt eines ordentlichen Immobilienmaklers. Fragen Sie nach den Kaufverträgen hinter der Zahl; wer sie nicht nennen kann, hat geschätzt.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Zahlen und Regeln tragen das Jahr ihrer Veröffentlichung; die aktuelle Fassung finden Sie in der zitierten Quelle.

Christian Eckmair
Christian Eckmair
Mitgründer von CheckValue · Über 20 Jahre Immobilienerfahrung auf Teneriffa und in Österreich · Geprüft von Josef Eckmair MBA

Christian Eckmair ist Mitgründer von CheckValue und der CBDNOL GmbH (Ansfelden, Österreich). Er ist seit über 20 Jahren auf Teneriffa und in Österreich im Immobiliengeschäft tätig – Kauf, Sanierung, Vermietung und Verkauf von Wohnimmobilien – und schreibt über Immobilienwerte, Kaufprüfung und Grundbuch.

Artikel von Christian Eckmair →

Quellen

  1. 1
    statisticsImmobilien-Durchschnittspreise (Häuser, Wohnungen, Grundstücke auf Bezirksebene)
    Statistik Austria · 2026
    Käufe privater Haushalte auf Bezirksebene in neun Größenkategorien, Vorjahre valorisiert; Median 2025: Wohnhäuser 2.836 €/m², Wohnungen 4.162 €/m²; Tabelle Wohnungspreise 2025 (erstellt 28.05.2026, Datenbasis 2021 bis 2025, geometrische Mittel): Wien-Landstraße, Eigentumswohnungen ohne Außenflächen, mehr als 77 m², Baujahr 1961 bis 1990, 4.429 €/m².
    statistik.at ↗
  2. 2
    studyImmobilien Kaufpreis: Wo die Chancen beim Verhandeln in Österreich am besten sind
    trend.at · 2022
    Auswertung von willhaben und IMMOunited über mehr als 100.000 Anzeigen des Jahres 2020 gegen die im Grundbuch eingetragenen Kaufpreise (Artikel vom 24.11.2022): Wohnungen bis 21 % (Tirol), Bezirk Kitzbühel 19 %, Wiener Bezirke zwischen 2 % und 14 %; Häuser zwischen knapp 3 % (Vorarlberg) und rund 30 % (Tirol), Niederösterreich 21 %, Oberösterreich 17 %, Salzburg und Steiermark 15 %, Burgenland 14 %, Wien 9 %, Kärnten 8 %; einzelne Bezirke 28 bis 31 %.
    trend.at ↗
  3. 3
    statisticsDer WKÖ-Immobilienpreisspiegel 2026: 91.000 Transaktionen, gebrauchte Eigentumswohnungen Ø 2.278,72 €/m², Neubau Ø 3.602,97 €/m²
    Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) · 2026
    2025 stieg die Zahl der Immobilientransaktionen um 8,98 % auf 91.000, Wohnimmobilien um 20,96 %; gebrauchte Eigentumswohnungen im Schnitt 2.278,72 €/m² (+1,82 %), Erstbezug 3.602,97 €/m² (+1,23 %); der Fachverband spricht von realistischen Preisvorstellungen auf Verkäuferseite.
    wko.at ↗
  4. 4
    statisticsHäuserpreisindex und OOH PI (Quartalsdaten, 2. Quartal 2026)
    Statistik Austria · 2026
    Häuserpreisindex 2. Quartal 2026 vorläufig +5,1 % zum Vorjahresquartal, bestehender Wohnraum +5,1 %, neuer Wohnraum +4,9 %; Datenbasis sind die im Grundbuch hinterlegten Kaufverträge privater Haushalte; Pressemitteilung vom 23.09.2026 zum Rekordniveau im 1. Halbjahr 2026.
    statistik.at ↗
  5. 5
    officialBORIS-D: Bodenrichtwertinformationssystem für Deutschland
    BORIS-D, Gemeinschaftsprojekt mehrerer Bundesländer (Bodenrichtwerte der Gutachterausschüsse) · 2026
    Länderübergreifender, webbasierter Zugang zu den Bodenrichtwerten der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte; der amtliche Anker für den Bodenwertanteil eines deutschen Angebotspreises.
    bodenrichtwerte-boris.de ↗
  6. 6
    statisticsPreise für Wohnimmobilien im 2. Quartal 2026: +0,6 % zum Vorjahresquartal
    Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 336 vom 24.09.2026 · 2026
    Häuserpreisindex Deutschland 2. Quartal 2026 vorläufig +0,6 % zum Vorjahresquartal und +0,3 % zum Vorquartal; Eigentumswohnungen in den sieben Metropolen −0,4 %, in kreisfreien Großstädten +2,0 %, in dicht besiedelten ländlichen Kreisen −1,8 %.
    destatis.de ↗
  7. 7
    statisticsDie Preise für Wohneigentum sind im 2. Quartal 2026 um 0,7 % gestiegen (IMPI 127,7 Punkte)
    Bundesamt für Statistik (BFS), Medienmitteilung 30.07.2026 · 2026
    Schweizerischer Wohnimmobilienpreisindex 2. Quartal 2026: +0,7 % zum Vorquartal, 127,7 Punkte (4. Quartal 2019 = 100), Einfamilienhäuser −0,4 %, Eigentumswohnungen +1,6 %, Jahresteuerung +3,5 %.
    edi.admin.ch ↗
  8. 8
    lawImmobilienmaklerverordnung (IMV): Standes- und Ausübungsregeln für Immobilienmakler, Höchstprovisionen
    RIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026
    § 2: Berufsausübung mit der Sorgfalt eines ordentlichen Immobilienmaklers; § 4 Abs. 1 Z 2: Hinweispflicht auf Provisionspflicht und Provisionshöhe; § 15 Abs. 2: Höchstprovision 4 % bis 36.336,42 € und 3 % bei höherem Wert.
    ris.bka.gv.at ↗
  9. 9
    law§ 311b BGB: Notarielle Beurkundung von Grundstückskaufverträgen
    Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026
    In Deutschland bindet erst der notariell beurkundete Vertrag; ein Höchstgebot im Bieterverfahren ist bis dahin unverbindlich.
    gesetze-im-internet.de ↗
  10. 10
    guidanceSelbstregulierung im Banken- und Finanzsektor: Richtlinien Mindestanforderungen bei Hypothekarfinanzierungen
    Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) · 2026
    Die Richtlinien der SBVg für das Hypothekargeschäft wurden mehrfach revidiert und von der FINMA als aufsichtsrechtlicher Mindeststandard anerkannt; sie begrenzen, was Käufer über die Bank finanzieren können.
    swissbanking.ch ↗

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