Die Geschichte wird in jeder Beratungsstelle gleich erzählt: Drei Makler besichtigen, einer nennt eine Zahl, die deutlich über den anderen liegt, und bekommt die Unterschrift. Sechs Wochen später ruft er an, der Markt sei schwieriger als gedacht, man müsse den Preis anpassen. Nach der zweiten Senkung steht das Inserat dort, wo der vorsichtigste Kollege am ersten Tag stand, nur ist es jetzt alt und jeder Interessent sieht die Preishistorie. Hier geht es um die Zahl, mit der alles beginnt; was nach Provision, Steuern und Gebühren von ihr übrig bleibt, rechnet der Leitfaden zu Verkaufskosten und Nettoerlös durch.
Warum nennt der Makler beim ersten Termin einen Preis, den der Markt nicht zahlt?
Beim Erstgespräch sitzt kein Käufer am Tisch, sondern der Wettbewerb um Ihren Auftrag. Sie haben drei Büros eingeladen, jedes weiß von den anderen zwei, und jedes weiß, dass Eigentümer die höchste Zahl als Kompetenz lesen. Die Zahl ist deshalb kein Ergebnis einer Bewertung, sondern Teil einer Bewerbung: Sie soll Sie überzeugen, nicht den Käufer.
Dazu kommt die Rechnung des Maklers. Seine Provision ist in Österreich nach der Immobilienmaklerverordnung bei Werten über 36.336,42 € mit höchstens 3 % des Kaufpreises je Auftraggeber begrenzt; wird mit der anderen Seite keine Provision vereinbart, darf dieser Höchstbetrag nach § 12 Abs. 2 der Verordnung um bis zu 100 % überschritten werden1. Ob Ihr Haus um 460.000 € oder um 500.000 € verkauft wird, verändert sein Honorar um 1.200 € netto; ob er den Auftrag bekommt, verändert es um den ganzen Betrag. Ein Preis zehn Prozent über dem Markt kostet ihn also fast nichts. Sinkt der Preis später, verliert er ein paar hundert Euro; bleibt er zu hoch, verliert er den Abschluss. Deshalb drängt er nach der Unterschrift so hartnäckig auf die Senkung, wie er vorher auf die hohe Zahl gesetzt hat.
Das heißt nicht, dass jeder Makler so arbeitet. Die Verordnung verlangt eine gewissenhafte Berufsausübung mit der Sorgfalt eines ordentlichen Immobilienmaklers1, und das Maklergesetz verpflichtet ihn, Ihre Interessen redlich und sorgfältig zu wahren3. Aber der Anreiz wirkt in jedem Büro, und solange Verkäufer die höchste Zahl belohnen, wird sie genannt. In manchen Vermarktungsplänen steht das Preisanpassungsgespräch als Termin für Woche vier, bevor das erste Inserat online ist.
Zu hoch bewertet, um den Auftrag zu bekommen: was nach der Unterschrift passiert
Der Ablauf hat eine feste Dramaturgie. In den ersten zwei Wochen kommen Aufrufe, aber kaum Anfragen, weil die aktiven Suchenden das Objekt sofort einordnen und weiterklicken. Dann folgt der Anruf: Der Markt habe sich gedreht, die Zinsen, die Saison, die Nachbarn mit ihrem günstigeren Inserat. Die erste Senkung bleibt klein, damit sie nicht wie ein Eingeständnis wirkt, und wirkt deshalb nicht; die zweite folgt vier Wochen später. Inzwischen zeigen die Portale den Preisverlauf, Interessenten warten auf die dritte Senkung, und das erste ernsthafte Anbot liegt unter dem, was ein marktgerechter Start gebracht hätte.
Die Ausrede vom gedrehten Markt lässt sich prüfen, denn der Markt hat eine amtliche Messlatte. Der Wohnimmobilienpreisindex der Oesterreichischen Nationalbank fiel 2023 um 1,6 % und 2024 um 2,1 %, stieg 2025 um 1,0 % und lag im 2. Quartal 2026 um 3,6 % über dem Vorjahresquartal; außerhalb Wiens betrug der Anstieg 4,2 %, bei Einfamilienhäusern außerhalb Wiens 4,0 %4. Wer Ihnen im Herbst 2026 eine Senkung mit fallenden Preisen begründet, muss diese Zahlen widerlegen. In Deutschland ist das Bild gespalten: Der Häuserpreisindex des Statistischen Bundesamts stand im 2. Quartal 2026 um 0,6 % höher als ein Jahr zuvor; Eigentumswohnungen in den sieben Metropolen notierten dagegen 0,4 % niedriger, in den anderen kreisfreien Großstädten 2,0 % höher und in dicht besiedelten Landkreisen 1,8 % niedriger5. „Der Markt“ ist dort je nach Kreis ein anderer, und ein Makler, der pauschal vom Markt spricht, hat die Zahlen für Ihren Kreis nicht nachgesehen.
Gedreht hat sich selten der Markt, sondern die Rolle der Zahl: Vor der Unterschrift war sie ein Verkaufsargument, danach ist sie ein Hindernis für den Abschluss. Wie dieselbe Branche Eigentümer schon nach einer Gratis-Schätzung umwirbt, beschreibt der Beitrag zu Makleranrufen nach der Online-Bewertung.
Woran Sie vor der Unterschrift erkennen, dass die Schätzung nicht hält
Eine Zahl ist so gut wie ihre Begründung. Der Oberste Gerichtshof hat 2021 in einem Haftungsfall festgehalten, dass ein Immobilienmakler als Sachverständiger im Sinn des § 1299 ABGB auftritt und seinem Auftraggeber nachvollziehbare Überlegungen zum Wert und einen Hinweis auf die Bandbreite seiner Einschätzung schuldet; aus den in der Bewertungsliteratur genannten Bandbreiten von 15 % leitete das Gericht ausdrücklich keinen Freibrief ab, denn sonst dürfte ein Makler den Wert von vornherein niedrig ansetzen, um rasch zu verkaufen und die Provision zu verdienen2. Jener Fall betraf eine zu niedrige Schätzung, das Spiegelbild Ihres Problems. Der Maßstab gilt in beide Richtungen: Wer Ihnen eine Zahl ohne Spanne und ohne Herleitung nennt, erfüllt ihn nicht.
Das Konsumentenschutzgesetz gibt Ihnen dazu ein Werkzeug in die Hand. Vor Abschluss des Maklervertrags muss der Makler Ihnen eine schriftliche Übersicht über sämtliche voraussichtlichen Kosten einschließlich der Provision geben, und die für die Beurteilung des Geschäfts wesentlichen Umstände schriftlich mitteilen6. Verlangen Sie, dass die Preiseinschätzung mit Spanne, Methode und Vergleichsobjekten in diesen Unterlagen steht. Wer zu seiner Zahl steht, hat damit kein Problem; wer sie nur für die Unterschrift genannt hat, weicht aus.
Dann vergleichen Sie die Zahl mit amtlichen Daten. Statistik Austria veröffentlicht für jeden Bezirk Durchschnittspreise für Häuser nach Bauperiode, Wohnfläche und Grundstücksgröße, gerechnet aus den Käufen privater Haushalte der letzten fünf Jahre und an das Preisniveau des Berichtsjahres angepasst7. Liegt der Vorschlag des Maklers weit über der Zeile, die zu Ihrem Haus passt, braucht der Aufschlag eine Begründung, die Sie verstehen. Wie Sie an die Kaufverträge aus Ihrer Nachbarschaft kommen, zeigt der Beitrag zu Vergleichsverkäufen und echten Kaufpreisen.
| Was Sie fragen | Antwort, die trägt | Warnsignal |
|---|---|---|
| Welche Kaufverträge stützen die Zahl? | Drei bis fünf Objekte mit Adresse, Datum und Preis je m² | „Erfahrung“, „Gefühl für den Markt“, keine Adressen |
| In welcher Bandbreite liegt der Wert? | Spanne mit Begründung der Ober- und Untergrenze2 | Eine runde Zahl, „mindestens“ |
| Wie weit lagen Erstpreis und Kaufpreis bei Ihren letzten fünf Verkäufen auseinander? | Prozentwerte und Vermarktungsdauer je Objekt | Keine Antwort oder nur die Erfolgsfälle |
| Steht die Einschätzung schriftlich im Vertragspaket? | Ja, mit Spanne und Methode6 | Nur mündlich, „das machen wir immer so“ |
| Was passiert, wenn in sechs Wochen keine Besichtigung stattfand? | Analyse von Exposé, Fotos und Reichweite vor jeder Preisfrage | Vorgeplantes Preisanpassungsgespräch |
Was der Traumpreis kostet: Rechenbeispiel für ein Haus in Linz-Land
Das folgende Beispiel verwendet ein erfundenes Haus und amtliche Durchschnittspreise. Verkauft wird ein Einfamilienhaus im Bezirk Linz-Land, Baujahr 1978, 140 m² Wohnfläche, 720 m² Grundstück. Die Statistik Austria weist in ihrer Häuserpreistabelle 2025 für Linz-Land, Grundstücke durchschnittlicher Größe, Bauperiode 1961 bis 1990 und 110 bis 150 m² Wohnfläche, einen Durchschnitt von 3.279 €/m² aus7; mal 140 m² ergibt das rund 459.000 €. Dazu nehmen wir zwei Kaufverträge aus derselben Gemeinde an, einen zu 3.150 und einen zu 3.400 €/m², und korrigieren sie um die Preisentwicklung seit dem Kauf4; so entsteht eine Spanne von 440.000 bis 475.000 €.
Drei Makler, drei Zahlen: Büro A nennt „mindestens 529.000 €“, Büro B 469.000 €, Büro C 455.000 €. Die Eigentümer unterschreiben bei A. So könnte es weitergehen, mit Annahmen, die als Annahmen gekennzeichnet sind:
| Woche | Weg A: Start bei 529.000 € | Weg B: Start bei 469.000 € |
|---|---|---|
| 0 bis 2 | Viele Aufrufe, zwei Anfragen, keine Besichtigung | Acht Anfragen, vier Besichtigungen |
| 3 bis 6 | Anruf des Maklers, Senkung auf 499.000 € | Zwei Anbote: 445.000 und 452.000 € |
| 7 bis 8 | Zwei Besichtigungen, kein Anbot | Abschluss bei 458.000 € |
| 9 bis 12 | Zweite Senkung auf 479.000 €, Preisverlauf im Portal sichtbar | |
| 13 bis 18 | Ein Anbot über 435.000 € mit Verweis auf die Senkungen | |
| 19 bis 22 | Abschluss bei 445.000 € |
Für die Verkäufer liegen zwischen den beiden Wegen 13.000 € und vierzehn Wochen, in denen Betriebskosten und Kreditzinsen weiterlaufen. Für den Makler liegen dazwischen 390 € netto, denn bei 3 % je Auftraggeber ergeben 445.000 € eine Provision von 13.350 € und 458.000 € eine von 13.740 €, jeweils zuzüglich 20 % Umsatzsteuer18. Diese Asymmetrie ist der ganze Mechanismus: Der Traumpreis war für die Eigentümer teuer und für den Makler beinahe kostenlos. Die Verläufe sind Annahmen, keine Messung; welche Preisschwellen in den Suchfiltern der Portale eine Senkung überhaupt sichtbar machen, erklärt der Beitrag zum Festlegen des Angebotspreises.
Muss ich der Preissenkung zustimmen, die der Makler jetzt vorschlägt?
Nein. Der Angebotspreis ist Ihre Entscheidung, der Makler schlägt vor und vermittelt. Bevor Sie über eine Zahl sprechen, verlangen Sie den Bericht über die Vermarktung: Aufrufe je Portal, Anfragen, Besichtigungen, die Rückmeldungen der Besucher im Wortlaut und jedes Anbot mit Datum. Das Maklergesetz verpflichtet Makler und Auftraggeber, einander die erforderlichen Nachrichten zu geben3; dazu gehört, was der Markt auf Ihr Inserat geantwortet hat. Beim Alleinvermittlungsauftrag muss sich der Makler außerdem nach Kräften um die Vermittlung bemühen3. Prüfen Sie das zuerst: Sind die Fotos professionell, ist der Grundriss im Exposé, läuft das Objekt auf allen vereinbarten Portalen, wurden die vorgemerkten Interessenten angeschrieben? Eine Senkung ersetzt keine fehlende Vermarktung.
Tragen die Daten die Senkung, dann senken Sie richtig: einmal und in die Spanne hinein, die Sie vor dem Gespräch aus Kaufverträgen und Bezirkstabelle gebildet haben, nicht in Schritten von 10.000 €, die Interessenten nur lehren, auf den nächsten zu warten. Welche Vermarktungsdauer in Ihrer Umgebung üblich ist und wann ein Inserat alt wird, beschreibt der Beitrag zum richtigen Verkaufszeitpunkt.
Manche Alleinvermittlungsaufträge enthalten eine Klausel, nach der der Makler den Angebotspreis nach einer bestimmten Frist selbst anpassen darf, oder eine Zielpreisvereinbarung weit unter der mündlich genannten Zahl. Lesen Sie beide Stellen vor der Unterschrift und lassen Sie die Preiseinschätzung mit Spanne in den Vertrag aufnehmen6. Ein Makler, der 529.000 € verspricht und 450.000 € als Zielpreis schreibt, hat Ihnen seine wahre Einschätzung bereits mitgeteilt.
Ich habe schon unterschrieben: was im Alleinvermittlungsauftrag gilt
Der Alleinvermittlungsauftrag bindet Sie, keinen anderen Makler zu beauftragen, und darf nur befristet auf angemessene Dauer geschlossen werden; dasselbe gilt für jede Verlängerung3. Gegenüber Verbrauchern ist er nur wirksam, wenn er schriftlich und ausdrücklich vereinbart wurde, und bei Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser darf die Bindungsfrist höchstens sechs Monate betragen68; eine entsprechend längere Frist ist nur zulässig, wenn besondere Umstände vorliegen, die die Vermittlung wesentlich erschweren oder verzögern (§ 30c Abs. 2 KSchG). Dieselbe Schriftlichkeit verlangt das Konsumentenschutzgesetz für jede Verlängerung und für jede Vereinbarung, nach der Sie auch ohne Vermittlungserfolg zahlen sollen6; eine stillschweigende Verlängerung verdient deshalb einen zweiten Blick.
Die Entschädigungsklausel verunsichert Verkäufer am meisten. Nach dem Maklergesetz darf eine Zahlung ohne Vermittlungserfolg nur bis zur Höhe der vereinbarten oder ortsüblichen Provision und nur für die im Gesetz genannten Fälle vereinbart werden, beim Alleinvermittlungsauftrag etwa dann, wenn Sie ihn vertragswidrig ohne wichtigen Grund vorzeitig auflösen3. Ob eine grob verfehlte Preiseinschätzung ein wichtiger Grund dafür ist, hängt vom Einzelfall ab; der Maßstab des Obersten Gerichtshofs, nachvollziehbare Überlegungen und Hinweis auf die Bandbreite2, ist dabei Ihr Argument. Verletzt der Makler wesentliche Pflichten, können Sie Schadenersatz und eine Mäßigung der Provision verlangen3.
Wurde der Alleinvermittlungsauftrag bei Ihnen zu Hause oder ausschließlich per E-Mail und Telefon geschlossen, haben Sie nach dem Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz ein Rücktrittsrecht von 14 Tagen ab Vertragsabschluss, bei fehlender Belehrung bis zu zwölf Monate und 14 Tage; ein wirksamer Rücktritt hebt den Maklervertrag auf8. Nach Ablauf der Frist bleibt nur die vorzeitige Auflösung aus wichtigem Grund, und eine unwirksame Auflösung kann die Entschädigung nach § 15 MaklerG auslösen3. Lassen Sie den Vertrag vor jedem Schritt von einer Konsumentenschutzeinrichtung oder einem Rechtsanwalt lesen. Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung.
Ob Sie nach dem Ende der Bindung einen zweiten Makler beauftragen oder selbst verkaufen, hat der Beitrag Haus verkaufen mit oder ohne Makler durchgerechnet. Wer wechselt, sollte dem neuen Büro nicht wieder die höchste Zahl abnehmen, sondern die Spanne vorgeben.
Was in Deutschland gilt, wenn der Makler den Preis zu hoch ansetzt
Der Anreiz kennt keine Grenze. In Deutschland hat der Gesetzgeber für Wohnungen und Einfamilienhäuser festgelegt, dass sich beide Vertragsparteien in gleicher Höhe zur Provision verpflichten müssen, wenn der Makler für beide Seiten tätig wird; abweichende Maklerverträge sind unwirksam9. Auch dort wächst sein Honorar mit dem Kaufpreis, aber das Geschäft ist der Auftrag, nicht das letzte Prozent. Eine gesetzliche Höchstdauer für den Alleinauftrag wie in Österreich sollten Sie nicht erwarten; Laufzeit, Verlängerung und qualifizierte Klauseln regelt dort der Vertrag, und Sie lesen ihn vor der Unterschrift.
Der Markt dient in Deutschland noch häufiger als Ausrede, weil er tatsächlich auseinanderläuft: Die Zahlen des Statistischen Bundesamts für das 2. Quartal 2026 zeigen Eigentumswohnungen in den Metropolen leicht im Minus und in kreisfreien Großstädten im Plus5. Wer Ihnen in Leipzig mit den Münchner Preisen eine Senkung erklärt, redet über einen anderen Markt. Bitten Sie um den Marktbericht des örtlichen Gutachterausschusses und um den Bodenrichtwert Ihres Grundstücks, und legen Sie beides neben die Zahl des Maklers.
Was CheckValue vor dem Maklergespräch liefert und was nicht
Der Bericht ist für diese Situation ein Vergleichsmaßstab, keine Partei. Der Punktwert mit Spanne zeigt Ihnen, wo die Zahl des Maklers liegt: innerhalb der Spanne, am oberen Rand oder darüber, und wie weit. Die Vergleichsverkäufe sind die Objekte, die er nennen müsste, wenn Sie nach seiner Herleitung fragen; kennen Sie sie bereits, hören Sie den Aufschlag heraus, sobald er seine Zahl ausspricht. Das Markttempo sagt Ihnen, ob Sie sich einen Test über dem Markt leisten können oder ob jede Woche über der Spanne das Inserat alt macht.
Was der Bericht nicht tut: Er nennt keinen Angebotspreis, er hat Ihr Haus nicht besichtigt, und er ist kein Gutachten eines Sachverständigen; wo eine Bank, ein Gericht oder die Finanz ein solches vorschreibt, ersetzt er es nicht. Er ersetzt auch nicht den Makler; er sorgt dafür, dass Sie ihn mit einer Spanne in der Hand einladen statt mit einer Hoffnung. Wie diese Seiten aussehen, sehen Sie vorab am Musterbericht für Wien; für Ihre eigene Adresse zeigt die kostenlose Vorschau den Aufbau des Berichts mit Beispielzahlen, bevor Sie etwas kaufen.
Der höchste Preis im Erstgespräch war in meiner Erfahrung selten der Preis im Kaufvertrag. Ich rate Verkäufern, den Makler nach der Spanne und nach den Kaufverträgen dahinter zu fragen; weicht die Antwort aus, ist die Zahl ein Angebot an Sie und kein Urteil über Ihr Haus.
Die Reihenfolge, die das Muster bricht: erst die eigene Spanne, dann die schriftliche Einschätzung mit Bandbreite von zwei oder drei Büros, dann der Vergleich an der Spanne statt untereinander, und erst dann die Unterschrift. Der Makler, der die zweithöchste Zahl nennt und sie begründen kann, ist meist der, der verkauft.
Häufige Fragen
Warum schätzt der Makler den erzielbaren Preis so hoch ein?
Weil beim Erstgespräch nicht der Käufer am Tisch sitzt, sondern die Konkurrenz um Ihren Auftrag. Von drei eingeladenen Büros bekommt oft das mit der höchsten Zahl den Alleinvermittlungsauftrag. Für den Makler kostet die hohe Zahl wenig: Seine Provision ist in Österreich bei Kaufpreisen über 36.336,42 € mit 3 % je Auftraggeber gedeckelt, ein Zehntel mehr Preis bringt ihm ein Zehntel mehr Provision, der Auftrag selbst entscheidet über alles. Die Zahl ist deshalb ein Angebot an Sie, kein Urteil über das Haus.
Bewerten Makler absichtlich zu hoch, um den Auftrag zu bekommen?
Nicht alle, aber der Anreiz wirkt in jedem Büro gleich, und viele Verkäufer belohnen die höchste Zahl. Der Unterschied zwischen Einschätzung und Köder zeigt sich an zwei Fragen: Welche Kaufverträge aus der Nachbarschaft stützen die Zahl, und in welcher Bandbreite liegt sie? Der Oberste Gerichtshof verlangt von Maklern nachvollziehbare Überlegungen zum Wert und den Hinweis auf die Spanne. Wer beides liefert, hat bewertet; wer nur eine runde Zahl nennt, hat geworben.
Muss ich der Preissenkung zustimmen, die der Makler vorschlägt?
Nein. Den Angebotspreis legen Sie fest, der Makler schlägt vor und vermittelt. Bevor Sie senken, verlangen Sie die Zahlen hinter dem Vorschlag: Aufrufe, Anfragen, Besichtigungen, Rückmeldungen und Anbote seit dem Start, dazu den Nachweis, dass Fotos, Exposé und Inserate vollständig waren. Makler und Auftraggeber müssen einander nach dem Maklergesetz die erforderlichen Nachrichten geben. Wenn die Daten eine Senkung tragen, dann in einem Schritt in die realistische Spanne, nicht in mehreren kleinen.
Wie komme ich aus dem Alleinvermittlungsauftrag heraus, wenn die Zahl nicht stimmt?
Prüfen Sie zuerst die Laufzeit: Der Alleinvermittlungsauftrag darf nur befristet auf angemessene Dauer geschlossen werden, mit Verbrauchern bei Wohnungen und Einfamilienhäusern höchstens für sechs Monate, und nur schriftlich und ausdrücklich. Länger darf die Frist nur sein, wenn besondere Umstände vorliegen, die die Vermittlung wesentlich erschweren oder verzögern. Wurde er bei Ihnen zu Hause unterschrieben, haben Sie nach dem Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz 14 Tage Rücktrittsrecht. Danach bleibt die vorzeitige Auflösung aus wichtigem Grund; ob eine grob verfehlte Preiseinschätzung dazu zählt, klären Sie mit einer Konsumentenschutzeinrichtung oder einem Rechtsanwalt anhand Ihres Vertrags.
Haftet der Makler für eine falsche Preiseinschätzung?
Er kann haften. Der Oberste Gerichtshof hat 2021 entschieden, dass ein Makler als Sachverständiger die Interessen des Auftraggebers redlich und sorgfältig wahren muss und dafür nachvollziehbare Überlegungen zum Wert und einen Hinweis auf die Schätzungsbandbreite schuldet; aus den in der Literatur genannten Bandbreiten von 15 % ließ das Gericht keinen Freibrief für jede Wertermittlung zu. Jener Fall betraf eine zu niedrige Schätzung, der Maßstab gilt aber in beide Richtungen. Bei Pflichtverletzung sieht das Maklergesetz Schadenersatz und eine Mäßigung der Provision vor. Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung.
Woran erkenne ich vor der Unterschrift, dass die Schätzung unrealistisch ist?
An drei Lücken. Erstens fehlen Kaufverträge mit Adresse, Datum und Quadratmeterpreis; der Makler spricht von Erfahrung statt von Daten. Zweitens fehlt die Bandbreite; eine Bewertung ohne Spanne ist ein Verkaufsargument. Drittens liegt die Zahl deutlich über der Bezirkstabelle der Statistik Austria für Bauperiode, Wohnfläche und Grundstücksgröße Ihres Hauses, ohne dass der Makler den Aufschlag begründet. Fragen Sie außerdem, wie weit bei seinen letzten fünf Verkäufen Erstpreis und Kaufpreis auseinanderlagen.
Was gilt in Deutschland, wenn der Makler den Preis zu hoch ansetzt?
Der Anreiz ist derselbe, die Provision wächst mit dem Preis, der Auftrag ist das Geschäft. Seit der Reform des Maklerrechts müssen sich bei Wohnungen und Einfamilienhäusern beide Vertragsparteien zur Provision in gleicher Höhe verpflichten, wenn der Makler für beide tätig ist. Eine gesetzliche Höchstdauer für den Alleinauftrag wie in Österreich sollten Sie nicht erwarten; lesen Sie Laufzeit und Verlängerungsklausel selbst. Der Markt ist regional gespalten, die Preisindizes des Statistischen Bundesamts zeigen Ihnen, ob die Behauptung vom gedrehten Markt für Ihre Region überhaupt stimmt.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Zahlen und Regeln tragen das Jahr ihrer Veröffentlichung; die aktuelle Fassung finden Sie in der zitierten Quelle.
Quellen
- 1lawImmobilienmaklerverordnung (IMV): Standes- und Ausübungsregeln für Immobilienmakler, HöchstprovisionenRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 2: Berufsausübung gewissenhaft mit der Sorgfalt eines ordentlichen Immobilienmaklers; § 12 Abs. 1: die mit dem Auftraggeber vereinbarte Provision darf die Höchstbeträge nicht übersteigen; § 12 Abs. 2: sie darf den zulässigen Höchstbetrag bis zu 100 % überschreiten, sofern mit dem anderen Teil keine Provision oder sonstige Vergütung vereinbart wird; § 15 Abs. 2: Höchstbetrag der Provision bei Kauf und Verkauf 4 % bei einem Wert bis 36.336,42 € und 3 % bei einem höheren Wert.ris.bka.gv.at ↗
- 2courtOGH 6 Ob 115/21m vom 06.08.2021: Haftung des Immobilienmaklers für eine nicht nachvollziehbare WertermittlungRIS Judikatur, Oberster Gerichtshof · 2021Der Verkäufer ging von rund 1 Mio € für zwei Wohnungen aus, der Makler bezifferte den tatsächlichen Wert mit 780.000 €, verkauft wurde um 790.000 €; festgestellt wurde zum Stichtag 1. Februar 2018 ein Verkehrswert von 1.028.000 €. Der OGH stuft den Makler als Sachverständigen nach § 1299 ABGB ein, verlangt nachvollziehbare Überlegungen zum Wert und den Hinweis auf die Schätzungsbandbreite, leitet aus den in der Literatur genannten Bandbreiten von 15 % ausdrücklich keinen Freibrief für jede Wertermittlung ab und bejaht den Ersatz des Vertrauensschadens bei Verletzung von § 3 Abs. 1 MaklerG und § 30b Abs. 2 KSchG.ris.bka.gv.at ↗
- 3lawMaklergesetz (MaklerG), Bundesrecht konsolidiertRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 3 Abs. 1: Der Makler hat die Interessen des Auftraggebers redlich und sorgfältig zu wahren; § 3 Abs. 3: Makler und Auftraggeber müssen einander die erforderlichen Nachrichten geben; § 3 Abs. 4: Schadenersatz und Mäßigung der Provision bei Pflichtverletzung; § 14 Abs. 1: beim Alleinvermittlungsauftrag muss sich der Makler nach Kräften um die Vermittlung bemühen; § 14 Abs. 2: Alleinvermittlungsauftrag nur befristet auf angemessene Dauer, ebenso jede Verlängerung; § 15: Entschädigung ohne Vermittlungserfolg nur bis zur Höhe der vereinbarten oder ortsüblichen Provision und nur in den genannten Fällen, beim Alleinvermittlungsauftrag auch bei vertragswidriger vorzeitiger Auflösung ohne wichtigen Grund.ris.bka.gv.at ↗
- 4statisticsWohnimmobilienpreisindex (Index 2000 = 100, Veränderung zum Vorjahr in %)Oesterreichische Nationalbank (OeNB), DataScience Service GmbH, TU Wien · 2026Österreich gesamt: 2023 −1,6 %, 2024 −2,1 %, 2025 +1,0 %, 1. Quartal 2026 +2,4 %, 2. Quartal 2026 +3,6 % (Index 274,0); Wien 2. Quartal 2026 +2,9 %, Österreich ohne Wien +4,2 %, Einfamilienhäuser außerhalb Wiens +4,0 %.oenb.at ↗
- 5statisticsPreise für Wohnimmobilien im 2. Quartal 2026: +0,6 % zum VorjahresquartalStatistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 336 vom 24.09.2026 · 2026Häuserpreisindex Deutschland 2. Quartal 2026: +0,6 % zum Vorjahresquartal, +0,3 % zum Vorquartal; Eigentumswohnungen in den Top-7-Metropolen −0,4 %, in den übrigen kreisfreien Großstädten +2,0 %, in dicht besiedelten ländlichen Kreisen −1,8 %; Ein- und Zweifamilienhäuser in den Metropolen +0,7 %.destatis.de ↗
- 6lawKonsumentenschutzgesetz (KSchG), Bundesrecht konsolidiertRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 30b Abs. 1: schriftliche Übersicht vor Abschluss des Maklervertrags mit sämtlichen voraussichtlichen Kosten einschließlich der gesondert auszuweisenden Vermittlungsprovision; § 30b Abs. 2: die nach § 3 Abs. 3 MaklerG erforderlichen Nachrichten schriftlich, jedenfalls sämtliche für die Beurteilung des Geschäfts wesentlichen Umstände; § 30c Abs. 1: Höchstdauer von Alleinvermittlungsaufträgen von Verbrauchern, drei Monate bei Bestandverträgen über Wohnungen, sechs Monate bei Verträgen über die Veräußerung oder den Erwerb von Wohnungen, Einfamilienwohnhäusern und einzelnen bebaubaren Grundstücken; § 30c Abs. 2: eine entsprechend längere Frist darf nur vereinbart werden, wenn besondere Umstände vorliegen, die die Vermittlung wesentlich erschweren oder verzögern; § 31 Abs. 1: Abschluss und Verlängerung von Alleinvermittlungsaufträgen sowie Vereinbarungen für fehlenden Vermittlungserfolg nur ausdrücklich und schriftlich wirksam.ris.bka.gv.at ↗
- 7statisticsImmobilien-Durchschnittspreise (Häuser, Wohnungen, Grundstücke auf Bezirksebene), Tabelle Häuserpreise 2025Statistik Austria · 2026Tabelle Häuserpreise 2025 (erstellt 28.05.2026, Datenbasis 2021 bis 2025, geometrische Mittel in Euro je m² Wohnfläche, ältere Transaktionen an das Preisniveau 2025 angepasst): Bezirk Linz-Land, Kategorie B (durchschnittliche Grundstücke von 610 bis 840 m²), Bauperiode 1961 bis 1990, Wohnfläche 110 bis 150 m²: 3.279 €/m²; Medianpreis Wohnhäuser Österreich 2025: 2.836 €/m².statistik.at ↗
- 8guidanceImmobilienmakler:innen: Alleinvermittlungsauftrag, Provision, Rücktrittsrechtkonsumentenfragen.at, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz · 2026Alleinvermittlungsauftrag gegenüber Verbraucher:innen nur wirksam, wenn schriftlich und ausdrücklich geschlossen; Bindungsfrist bei Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser höchstens sechs Monate, bei Miet- und Pachtverträgen höchstens drei Monate; Provision beim Kauf über 36.336,42 € höchstens 3 % zuzüglich 20 % Umsatzsteuer; Rücktritt nach dem FAGG binnen 14 Tagen, wenn der Vertrag außerhalb der Geschäftsräume oder im Fernabsatz geschlossen wurde, bei fehlender Belehrung bis zu zwölf Monate und 14 Tage.konsumentenfragen.at ↗
- 9law§ 656c BGB: Lohnanspruch bei Tätigkeit für beide ParteienBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Lässt sich der Makler beim Kauf einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses von beiden Parteien einen Maklerlohn versprechen, müssen sich die Parteien in gleicher Höhe verpflichten; abweichende Maklerverträge sind unwirksam.gesetze-im-internet.de ↗





