Die Frage „Wie viel Prozent kann man beim Immobilienkauf verhandeln?“ hat eine unbefriedigende und eine brauchbare Antwort. Die unbefriedigende: zwischen null und dreißig, je nach Objekt. Die brauchbare: so viel, wie Sie belegen können. Ein Anbot mit zwei Kaufverträgen aus dem Grundbuch und der Bezirkstabelle von Statistik Austria in der Beilage wird anders gelesen als eines mit der Bemerkung, der Preis sei „schon sehr hoch“. Dieser Beitrag zeigt, wie der Angebotspreis zustande kommt, welche fünf Prüfungen ihn auf eine Spanne bringen, was die gemessene Preisschere zwischen Angebot und Abschluss in Österreich hergibt und wie daraus ein Kaufanbot wird, das bindet, aber durch Vorbehalt und Frist abgesichert ist. Die Preisprüfung ist der erste Punkt der Hauskauf-Checkliste vor dem Kaufanbot; hier wird er zu Ende gerechnet.
Wie der Angebotspreis zustande kommt
Der Angebotspreis entsteht selten aus einer Bewertung. Er entsteht aus drei Quellen, die alle nach oben ziehen. Erstens aus dem, was der Verkäufer braucht: Restkredit, Nebenkosten des nächsten Kaufs, die Zahl, die er dem Nachbarn genannt hat. Zweitens aus dem Makler, der den Auftrag gegen Mitbewerber gewinnt, indem er den höchsten Preis in Aussicht stellt, und ihn später schrittweise senkt. Drittens aus den Portalen, auf denen Verkäufer die Inserate der Nachbarschaft lesen und sich an deren Wunschpreisen orientieren, nicht an deren Abschlüssen. So entsteht eine Kette von Angebotspreisen, die einander stützen, ohne dass einer davon bezahlt worden wäre.
Dazu kommen die Konventionen der Inserate. „VB“ steht für Verhandlungsbasis und signalisiert Spielraum nach unten, ohne ihn zu beziffern. „Preis auf Anfrage“ verschiebt die Verhandlung auf das erste Telefonat. Das Bieterverfahren dreht die Richtung um: ein bewusst niedriger Einstiegspreis, Besichtigungstermine gebündelt, Angebote bis zu einem Stichtag. In gefragten Wiener Lagen ist es üblich geworden; dort ist der Angebotspreis keine Obergrenze, sondern ein Köder.
Der Fachverband der Immobilientreuhänder hat 2026 für das Vorjahr mehr Transaktionen, moderat gestiegene Preise und „realistische Preisvorstellungen auf Verkäuferseite“ festgestellt3. Dass die Branche, die Angebotspreise mitsetzt, realistische Preisvorstellungen eigens hervorhebt, sagt einiges über die Jahre davor.
Fünf Prüfungen, die den Angebotspreis auf eine Spanne bringen
Jede Prüfung kommt mit öffentlichen Quellen aus.
| Prüfung | Quelle | Frage | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1. Vergleichskäufe | Grundbuch samt Urkundensammlung, für jede Person einsehbar4 | Was wurde für ähnliche Wohnungen in diesem Haus oder dieser Straße tatsächlich bezahlt? | Drei bis fünf Preise je m², auf den Stichtag korrigiert |
| 2. Quadratmeterpreis gegen den Bezirk | Statistik Austria, Bezirkstabellen nach Baujahr, Größe und Außenflächen2 | Liegt das Inserat über oder unter dem amtlichen Durchschnitt derselben Klasse? | Prozentabstand zum Bezirkswert |
| 3. Vermarktungsdauer | Inseratsverlauf, Erstveröffentlichung, Portalhistorie | Seit wann steht das Objekt, wie oft wurde es neu eingestellt? | Wochen oder Monate am Markt |
| 4. Preissenkungen | Preisverlauf des Inserats | Wurde der Preis schon gesenkt, um wie viel, in welchen Schritten? | Richtung und Tempo des Verkäufers |
| 5. Verhältnis Angebot zu Kaufpreis | Auswertungen von Portal- und Grundbuchdaten1 | Wie weit lagen Abschlüsse in diesem Bezirk zuletzt unter den Inseraten? | Historischer Rahmen, keine Vorgabe |
Die ersten zwei Prüfungen tragen das Anbot, die anderen drei bestimmen den Ton. Ein Objekt im Bieterverfahren, seit drei Tagen online, erlaubt kein Anbot zehn Prozent unter dem Bezirkswert; eines, das seit fünf Monaten steht und zweimal gesenkt wurde, verlangt es geradezu.
Zur ersten Prüfung. In Österreich ist das Grundbuch öffentlich, und die Einsicht umfasst auch die Urkundensammlung mit den Kaufverträgen4. Sie sehen also, was die Wohnung im dritten Stock vor acht Monaten gekostet hat. In Deutschland führen die Gutachterausschüsse die Kaufpreise, veröffentlichen aber nur Bodenrichtwerte und Marktberichte; das Portal BORIS-D bündelt die Bodenrichtwerte länderübergreifend und liefert damit erste allgemeine Informationen über den Grundstücksmarkt, keine Wohnungspreise5. Wie Sie in allen drei Ländern an belastbare Vergleichspreise kommen und sie anpassen, steht im Leitfaden zum Vergleichswertverfahren und zur Kaufpreissuche.
Zur zweiten Prüfung. Statistik Austria rechnet die Durchschnittspreise aus den Grundbuchtransaktionen privater Haushalte und weist sie je Bezirk getrennt nach Baujahrsklasse, Wohnflächenklasse und danach aus, ob die Wohnung Balkon, Terrasse oder Garten hat2. Diese Trennung ist der Grund, warum eine Wohnung „über dem Bezirksschnitt“ liegen kann und trotzdem günstig ist: Wer eine Gründerzeitwohnung mit Balkon gegen die Tabelle ohne Außenflächen legt, vergleicht zwei verschiedene Märkte. Welche Fläche in den Nenner gehört und wo der Quadratmeterpreis täuscht, behandelt der Beitrag zum Quadratmeterpreis und seiner richtigen Berechnung.
Angebotspreis gegen Kaufpreis: was die Preisschere in Österreich zeigt
Die einzige veröffentlichte Messung des Abstands zwischen Inserat und Abschluss für Österreich stammt von willhaben und IMMOunited: mehr als 100.000 Inserate des Jahres 2020, verglichen mit den später im Grundbuch eingetragenen Kaufpreisen1. Die Zahlen sind älter, aber sie sind echte Abschlüsse, keine Umfrage.
| Segment | Größte Preisschere | Kleinste Preisschere | Wien |
|---|---|---|---|
| Eigentumswohnungen | Tirol, durchschnittlich 21 %1 | Wiener Bezirke Leopoldstadt, Meidling, Brigittenau, 2 %1 | Margareten, Alsergrund, Döbling je 14 %; einige Bezirke bei oder über 10 %1 |
| Einfamilienhäuser | Tirol, rund 30 %; Niederösterreich 21 %, Oberösterreich 17 %1 | Vorarlberg, knapp 3 %; Kärnten 8 %1 | 9 % im Schnitt; Favoriten und Penzing nahezu ohne Differenz, Liesing bei 28 bis 31 %1 |
Drei Lehren daraus. Erstens: Häuser werden weiter über dem Abschluss angeboten als Wohnungen, weil ihre Preise weniger vergleichbar sind und Verkäufer emotionaler bewerten. Zweitens: Die Schere ist ein Bezirksphänomen. Wo viele ähnliche Wohnungen gehandelt werden, wie in der Leopoldstadt oder in Meidling, sind die Angebotspreise diszipliniert; wo Verkäufer die Lage überschätzen, wie in Döbling oder in weiten Teilen Tirols, liegt der Abschluss weit darunter. Drittens: Die Zahlen sind ein Rahmen, kein Anspruch. Dass Döblinger Wohnungen 2020 im Schnitt 14 % unter Inserat verkauft wurden, verpflichtet keinen Verkäufer 2026 zu diesem Nachlass; es sagt Ihnen nur, dass ein Anbot in dieser Größenordnung dort nicht als Beleidigung gilt.
Marktkontext 2026: Preisdynamik und Spielraum in Österreich, Deutschland und der Schweiz
Der Spielraum hängt davon ab, ob die Preise steigen oder fallen, und das ist 2026 in den drei Ländern verschieden.
Österreich. Nach dem Häuserpreisindex von Statistik Austria, gerechnet aus den Kaufverträgen im Grundbuch, kosteten Wohnimmobilien im 2. Quartal 2026 vorläufig 5,1 % mehr als ein Jahr zuvor; Bestandsobjekte legten ebenfalls 5,1 % zu, Neubauten 4,9 %6. Der WKÖ-Immobilienpreisspiegel zählt für 2025 rund 91.000 Transaktionen, ein Plus von 8,98 %, bei Wohnimmobilien sogar 20,96 %; gebrauchte Eigentumswohnungen kosteten im Österreich-Schnitt 2.278,72 €/m², Erstbezug 3.602,97 €/m²3. Mehr Abschlüsse und steigende Preise heißen: Verkäufer haben Alternativen, und die Preisschere ist enger als 2020. Ein Vergleichskauf vom Vorjahr ist heute mit dem Index um rund fünf Prozent aufzuwerten, nicht abzuwerten6.
Deutschland. Deutschlands Häuserpreisindex lag im 2. Quartal 2026 laut Statistischem Bundesamt 0,6 % über dem Vorjahresquartal und 0,3 % über dem Vorquartal. Dahinter liegen gegenläufige Märkte: Eigentumswohnungen in den sieben Metropolen gaben um 0,4 % nach, in kreisfreien Großstädten legten sie 2,0 % zu, und in den dicht besiedelten Landkreisen verloren sie 1,8 %7. In Berlin, München oder Frankfurt verhandeln Wohnungskäufer 2026 also in einem Markt mit leicht nachgebenden Preisen.
Schweiz. Der Wohnimmobilienpreisindex des Bundesamts für Statistik legte im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal 0,7 % zu und steht bei 127,7 Punkten, 3,5 % über dem Vorjahresquartal; Einfamilienhäuser wurden dabei um 0,4 % günstiger, Eigentumswohnungen um 1,6 % teurer8. In der Schweiz kommt eine zweite Grenze dazu: Die Bank finanziert auf Basis ihres eigenen Schätzwerts, und liegt der unter dem Kaufpreis, zahlen Sie die Differenz aus Eigenmitteln. Was in diesem Fall zu tun ist, behandelt der Beitrag Bank bewertet die Immobilie zu niedrig.
Kaufpreis verhandeln nach der Besichtigung: Foto gegen Realität, Abschlag mit Beleg
Die Prüfungen vor der Besichtigung ergeben eine Spanne für eine Wohnung im beschriebenen Zustand. Die Besichtigung prüft, ob der beschriebene Zustand stimmt. Weitwinkelfotos machen Zimmer größer, „sanierungsbedürftig“ heißt in Inseraten alles zwischen Ausmalen und Rohbau, und „ruhige Lage“ ist eine Meinung. Was Sie an Abweichungen finden, gehört als Abschlag mit Begründung in das Anbot, nicht als Stimmung.
Der Abschlag ist dann glaubwürdig, wenn er sich als Kosten ausdrücken lässt: ein Kostenvoranschlag für Fenster, die Auskunft der Hausverwaltung über eine beschlossene, aber noch nicht abgerechnete Sanierung, das Alter der Heizung, bei Eigentumswohnungen die letzten Protokolle der Eigentümerversammlung. Wie sich Zustand, Energieausweis und Lärmlage in Zu- und Abschläge übersetzen, zeigt der Beitrag über Lärmkarte, Energieausweis und Lagefaktoren; zwei weitere Lagerisiken mit Preiswirkung klären die Hochwasserkarte für die Adresse und die Kriminalitätsstatistik nach Bezirken, beides vor dem Anbot, nicht danach.
Ihr Anbot muss außerdem die Nebenkosten mittragen. Zum Kaufpreis kommen in Österreich 3,5 % Grunderwerbsteuer, 1,1 % Eintragungsgebühr und bei Kreditfinanzierung 1,2 % vom Pfandrechtsbetrag9, dazu die Käuferprovision, die bei Kaufpreisen über 36.336,42 € höchstens 3 % zuzüglich 20 % Umsatzsteuer betragen darf10, und die Vertragserrichtung. Jeder Euro, den Sie im Preis herausholen, spart zusätzlich rund zehn Cent Nebenkosten.
Das Kaufanbot: Anker, Schmerzgrenze, Finanzierungsvorbehalt, Frist, Bindung
Das österreichische Kaufanbot ist kein Brief mit einer Zahl. Es ist ein Vertragsantrag, und das ABGB behandelt es so: Nimmt der andere Teil das Versprechen gültig an, kommt durch den übereinstimmenden Willen beider Teile ein Vertrag zustande; ein befristeter Antrag muss innerhalb der Frist angenommen werden und kann vor Ablauf der Annahmefrist nicht zurückgenommen werden11. Wer also am Montag ein Anbot mit Frist bis Freitag abgibt und am Mittwoch eine bessere Wohnung findet, kommt vor Freitag nicht mehr aus seinem Anbot heraus, und mit der Annahme des Verkäufers ist der Kauf dem Inhalt nach vereinbart, lange bevor der Vertragserrichter tätig wird. In Deutschland ist das anders: Ein Vertrag über den Erwerb eines Grundstücks bedarf der notariellen Beurkundung12, vorher bindet keine Zusage, und in der Schweiz gilt die öffentliche Beurkundung beim Notariat als der Moment, an dem aus Reservation Verpflichtung wird. Der Aufbau des Anbots ist in allen drei Ländern gleich; nur in Österreich hängt so viel an seinem Wortlaut.
Fünf Bestandteile:
- Anker. Der erste genannte Preis prägt die Verhandlung. Er liegt am unteren Ende Ihrer Spanne, aber innerhalb dessen, was die Vergleichskäufe tragen; ein Anbot weit unter jedem Vergleich beendet Gespräche, statt sie zu eröffnen.
- Schmerzgrenze. Die Zahl, die Sie vor dem ersten Gespräch schriftlich festlegen und niemandem sagen. Sie ergibt sich aus der Spanne plus Nebenkosten910 und Ihrer Finanzierung, nicht aus dem Verlauf der Verhandlung.
- Finanzierungsvorbehalt. „Dieses Anbot gilt unter der Bedingung, dass die Finanzierung durch ein Kreditinstitut bis zum [Datum] zugesagt wird.“ Ohne diesen Satz binden Sie sich nach § 862 ABGB an einen Kauf, den Sie vielleicht nicht bezahlen können11.
- Frist. Kurz genug, dass der Verkäufer Sie nicht als Reserve hält, lang genug für seine Rückfragen. Nach ihrem Ablauf erlischt der Antrag von selbst11.
- Beilagen. Zwei bis drei Vergleichskäufe mit Quelle, der Bezirkswert von Statistik Austria2, die Kostenvoranschläge aus der Besichtigung. Das Anbot argumentiert, bevor jemand zurückruft.
Eine Anmerkung zum Ton: Das Anbot richtet sich an einen Menschen, der sein Zuhause verkauft. Der Verkäufer soll gegen Ihre Zahlen argumentieren müssen, nicht gegen Sie.
Döblinger Wohnung um 449.000 €: vom Inserat zur Spanne von 400.000 bis 425.000 €
Alle Zahlen sind Beispielwerte, keine echte Adresse. Angeboten wird eine 80-m²-Wohnung in einem Gründerzeithaus im 19. Bezirk, ohne Balkon, zweiter Stock, unsaniert, um 449.000 € (5.612 €/m²). Das Inserat steht seit vier Monaten und wurde einmal von 469.000 € gesenkt.
| Prüfung | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Bezirksdurchschnitt | Statistik Austria, Wien 19., Baujahr bis 1960, mehr als 77 m², ohne Außenflächen: 5.013 €/m² × 80 m²2 | 401.000 €; das Inserat liegt 12 % darüber |
| Vergleichskäufe (Beispiel) | Drei Kaufverträge aus dem Grundbuch4: 5.050, 5.180 und 5.310 €/m², jünger als neun Monate, mit dem Index leicht aufgewertet6 | 404.000 €, 414.400 €, 424.800 € |
| Vermarktungsdauer und Preisverlauf | Vier Monate online, eine Senkung um 20.000 € | Verkäufer bewegt sich, aber langsam |
| Historische Preisschere | Döbling, Wohnungen, 2020: 14 % unter Inserat1 | 386.000 € als Rahmen, nicht als Anspruch |
| Indizierte Spanne | Vergleichskäufe, Bezirkswert und Zustand zusammen | 400.000 bis 425.000 € |
Daraus wird ein Anbot mit einem Anker von 405.000 €, knapp zehn Prozent unter dem Inserat und mitten in den Vergleichskäufen; die Schmerzgrenze liegt bei 425.000 €, dem oberen Ende der Spanne. Bei 425.000 € kommen 14.875 € Grunderwerbsteuer, 4.675 € Eintragungsgebühr, 15.300 € Provision inklusive Umsatzsteuer, bei 300.000 € Kredit 3.600 € Pfandrechtseintragung910 und rund 5.000 € für Vertrag und Treuhand dazu, zusammen etwa 43.500 € oder gut zehn Prozent. Das Anbot enthält den Finanzierungsvorbehalt bis zur Kreditzusage und eine Frist von zehn Tagen11. Hätte die Wohnung einen Balkon, wäre der Ausgangspunkt nicht 5.013, sondern 6.301 €/m²2, und der Angebotspreis läge unter dem Bezirkswert; dann wäre nicht die Verhandlung die Aufgabe, sondern die Frage, was der Verkäufer verschweigt.
Was CheckValue für das Anbot liefert
Ein Anbot braucht Beilagen, die der Verkäufer nicht als Ihre Meinung abtun kann. Der Bericht liefert für die Inseratsadresse drei davon: die Wertspanne mit dem Quadratmeterpreis gegen den Bezirksdurchschnitt; die Vergleichskäufe aus der Umgebung und die Anpassungen, die daraus die Spanne machen; und die Vermarktungsdauer der Gegend, die zeigt, ob vier Monate Inseratsdauer in diesem Bezirk lang oder normal sind. Alle drei stehen mit ihren amtlichen Quellen in einer nummerierten Liste, und der Bericht lässt sich per Link teilen, sodass Sie ihn dem Anbot beilegen können.
Er ist eine Orientierung und kein Gutachten: Niemand hat die Wohnung begangen, Kostenvoranschläge für die Sanierung kommen von Ihnen, und ob der Verkäufer annimmt, entscheidet er. Die kostenlose Vorschau der Spanne und Vergleichskäufe für das Inserat zeigt den Aufbau des Berichts vor dem Kauf; der Musterbericht für eine Wiener Adresse steht auf der Startseite unter den Beispielen.
Das wirksamste Anbot, das ich begleitet habe, war ein einziges Blatt mit zwei Kaufverträgen aus dem Grundbuch als Beilage. Der Verkäufer hat nicht über meinen Klienten geredet, sondern über die Verträge, und genau dort wollten wir ihn haben. Auf Teneriffa habe ich gelernt, dass Verhandlungen über Zahlen kürzer sind als Verhandlungen über Gefühle.
Wann Sie besser aussteigen
Manche Verhandlungen sind gewonnen, wenn man sie nicht führt.
- Der Verkäufer lässt Vergleichskäufe nicht gelten und verweist stattdessen auf andere Interessenten. Wer echte Preise aus dem Grundbuch4 nicht anerkennt, verhandelt nicht.
- Der Preis bleibt nach der Besichtigung unerklärt. Ein Inserat 12 % über dem Bezirkswert2 braucht eine Begründung im Objekt; findet sich keine, wird sie auch im Vertrag nicht auftauchen.
- Sie sollen ohne Finanzierungszusage unterschreiben oder den Vorbehalt streichen. In Österreich bindet Sie das Anbot mit der Annahme11; ohne Vorbehalt tragen Sie das Risiko der Bank.
- Die Frist lautet „bis morgen“. Zeitdruck ist ein Verhandlungsmittel, kein Sachargument; wer Ihnen keine Woche gibt, will keine Prüfung.
- Ihre Schmerzgrenze ist erreicht. Sie wurde vor dem ersten Gespräch festgelegt, und sie gilt.
Verkäufer finden das Gegenstück im Artikel zur Preisstrategie beim Verkauf: wie ein Angebotspreis gesetzt wird, der Käufer nicht vertreibt und nichts liegen lässt.
Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Indizes und Sätze sind mit dem Stand ihrer Quelle angegeben und können sich seither geändert haben.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent kann man beim Immobilienkauf verhandeln?
Eine Faustregel gibt es nicht, aber eine Messung: willhaben und IMMOunited haben für 2020 mehr als 100.000 Inserate mit den später im Grundbuch eingetragenen Kaufpreisen verglichen. Bei Wohnungen lag die Differenz je Bundesland bei höchstens 21 %, in Wiener Bezirken zwischen 2 und 14 %; bei Einfamilienhäusern reichte sie von knapp 3 % in Vorarlberg bis rund 30 % in Tirol. Ihr eigener Spielraum ergibt sich aus Vergleichskäufen, Vermarktungsdauer und Zustand, nicht aus dem Durchschnitt.
Ist der Kaufpreis zu hoch, und wie erkenne ich das?
Rechnen Sie den Angebotspreis auf den Quadratmeter um und stellen Sie ihn der Bezirkstabelle von Statistik Austria gegenüber, die nach Baujahr, Größenklasse und Balkon unterscheidet. Liegt das Inserat deutlich darüber, ohne dass Zustand oder Lage es erklären, ist der Preis ein Wunsch. Weitere Zeichen sind eine Inseratsdauer von mehreren Monaten, wiederholte Preissenkungen und ein Verkäufer, der Vergleichskäufe nicht kennen will. Steigende Indizes rechtfertigen keinen Aufschlag auf jede Adresse.
Was bedeutet Verhandlungsbasis (VB) im Inserat?
„VB“ heißt, dass der Verkäufer den genannten Preis selbst nicht als Endpreis versteht und Spielraum nach unten einräumt. Wie groß dieser ist, sagt das Kürzel nicht; es sagt nur, dass ein Anbot unter dem Preis erwartet wird. Fehlt das Kürzel, ist der Preis trotzdem verhandelbar, denn ein Inserat ist keine Zusage, sondern eine Einladung zum Anbot. Was zählt, sind belegte Argumente, nicht die Frage, ob der Verkäufer Verhandlungsbereitschaft angekündigt hat.
Ist ein Kaufanbot in Österreich bindend?
Ja. Nach dem Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch kommt ein Vertrag zustande, sobald der andere Teil ein Versprechen gültig annimmt, und ein befristeter Antrag kann vor Ablauf der Annahmefrist nicht zurückgenommen werden. Ein schriftliches Kaufanbot, das der Verkäufer innerhalb der Frist annimmt, bindet Sie deshalb an Preis und Bedingungen, auch wenn der Vertrag beim Notariat noch nicht errichtet ist. Nehmen Sie Finanzierungsvorbehalt und Frist deshalb in den Text auf, nicht in den Kopf.
Wie prüfe ich den Angebotspreis mit Vergleichskäufen?
In Österreich kann jede Person das Grundbuch samt Urkundensammlung einsehen, also auch die Kaufverträge der Nachbarschaft mit ihren Preisen. Suchen Sie drei bis fünf Verkäufe im selben Haus oder in der Nachbarschaft mit ähnlicher Fläche, ähnlichem Baujahr und ähnlichem Zustand, rechnen Sie sie auf den Quadratmeter um und korrigieren Sie ältere Verträge mit dem Häuserpreisindex. Die Spanne, die daraus entsteht, ist Ihr Maßstab für das Anbot.
Verhandelt man beim Bauträger anders als bei Privatverkäufern?
Ja, weil der Bauträger nicht über einen einzelnen Preis entscheidet, sondern über eine Preisliste, die er für alle Einheiten halten will. Nachlässe kommen dort seltener über den Quadratmeterpreis und öfter über Zugaben wie Stellplatz, Küche, Ausbaustufe oder eine spätere Zahlungsfälligkeit. Bei den letzten unverkauften Einheiten eines Projekts kippt das Verhältnis, weil die Finanzierung des Bauträgers auf den Abverkauf wartet. Privatverkäufer verhandeln den Preis selbst und reagieren auf belegte Vergleiche.
Wann sollte ich vom Kauf Abstand nehmen?
Wenn der Verkäufer belegte Vergleichskäufe nicht gelten lässt und stattdessen mit anderen Interessenten droht, wenn der Preis auch nach der Besichtigung nicht durch das Objekt erklärbar ist, wenn Ihre Schmerzgrenze überschritten wäre, oder wenn Sie ohne Finanzierungszusage unterschreiben sollen. Ein Anbot, das Sie unter Zeitdruck abgeben, ist meist eines, das Sie nicht abgeben sollten. Die nächste Wohnung kommt; ein zu teurer Kauf bleibt zwanzig Jahre in der Kreditrate.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Zahlen und Regeln tragen das Jahr ihrer Veröffentlichung; die aktuelle Fassung finden Sie in der zitierten Quelle.
Quellen
- 1studyImmobilien Kaufpreis: Wo die Chancen beim Verhandeln in Österreich am besten sindtrend.at · 2022Auswertung von willhaben und IMMOunited über mehr als 100.000 Inserate des Jahres 2020 gegen die im Grundbuch eingetragenen Kaufpreise: Wohnungen je Bundesland bis 21 % (Tirol), Wiener Bezirke zwischen 2 % (Leopoldstadt, Meidling, Brigittenau) und 14 % (Margareten, Alsergrund, Döbling); Einfamilienhäuser von knapp 3 % (Vorarlberg) bis rund 30 % (Tirol), Wien 9 %.trend.at ↗
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- 3statisticsDer WKÖ-Immobilienpreisspiegel 2026: 91.000 Transaktionen, gebrauchte Eigentumswohnungen Ø 2.278,72 €/m², Neubau Ø 3.602,97 €/m²Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) · 20262025 stieg die Zahl der Immobilientransaktionen um 8,98 % auf 91.000, bei Wohnimmobilien um 20,96 %; gebrauchte Eigentumswohnungen im Österreich-Schnitt 2.278,72 €/m² (+1,82 %), Erstbezug 3.602,97 €/m² (+1,23 %); der Fachverband spricht von moderat gestiegenen Preisen und realistischen Preisvorstellungen auf Verkäuferseite.wko.at ↗
- 4guidanceGrundbuchseinsicht: jede Person kann Einsicht nehmenoesterreich.gv.at (Bundeskanzleramt) · 2026In das Grundbuch kann jede Person Einsicht nehmen, sowohl in das Hauptbuch als auch in die Urkundensammlung; Abfrage bei Gericht, bei Notaren oder über das Internet.oesterreich.gv.at ↗
- 5officialBORIS-D: Bodenrichtwertinformationssystem für DeutschlandArbeitsgemeinschaft der Vorsitzenden der Gutachterausschüsse / Länder · 2026Länderübergreifendes Portal für die Bodenrichtwerte der Gutachterausschüsse, zusätzlich zu den amtlichen Auskunftsportalen der Länder; liefert erste allgemeine Informationen über den Grundstücksmarkt.bodenrichtwerte-boris.de ↗
- 6statisticsHäuserpreisindex und OOH PI (Quartalsdaten, 2. Quartal 2026)Statistik Austria · 2026Häuserpreisindex im 2. Quartal 2026 vorläufig +5,1 % zum Vorjahresquartal, bestehender Wohnraum +5,1 %, neuer Wohnraum +4,9 %; Datenbasis sind die im Grundbuch hinterlegten Kaufverträge.statistik.at ↗
- 7statisticsPreise für Wohnimmobilien im 2. Quartal 2026: +0,6 % zum VorjahresquartalStatistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 336 · 2026Häuserpreisindex Deutschland 2. Quartal 2026 vorläufig +0,6 % zum Vorjahresquartal und +0,3 % zum Vorquartal; Eigentumswohnungen in den sieben Metropolen −0,4 % zum Vorjahresquartal, in kreisfreien Großstädten +2,0 %, in dicht besiedelten ländlichen Kreisen −1,8 %.destatis.de ↗
- 8statisticsDie Preise für Wohneigentum sind im 2. Quartal 2026 um 0,7 % gestiegen (IMPI 127,7 Punkte)Bundesamt für Statistik (BFS), Medienmitteilung 30.07.2026 · 2026Schweizerischer Wohnimmobilienpreisindex im 2. Quartal 2026 +0,7 % zum Vorquartal auf 127,7 Punkte (4. Quartal 2019 = 100), +3,5 % zum Vorjahresquartal; Einfamilienhäuser −0,4 %, Eigentumswohnungen +1,6 % zum Vorquartal.edi.admin.ch ↗
- 9guidanceEine Wohnung kaufen: Grunderwerbsteuer 3,5 %, Eintragungsgebühr 1,1 %, Pfandrecht 1,2 %oesterreich.gv.at (Bundeskanzleramt) · 2026Nebenkosten beim Wohnungskauf: Grunderwerbsteuer in der Regel 3,5 % vom Kaufpreis, Eintragungsgebühr 1,1 %, bei Belastung mit einer Hypothek 1,2 % vom Wert des Pfandrechts; Kaufvertrag üblicherweise von Kanzlei oder Notariat errichtet, Eigentum erst mit Grundbucheintragung.oesterreich.gv.at ↗
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- 11lawAllgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB), §§ 861 und 862: Zustandekommen des Vertrags, Bindung an den AntragRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 861: Nimmt der andere Teil ein Versprechen gültig an, kommt durch den übereinstimmenden Willen beider Teile ein Vertrag zustande; § 862: Der Antrag muss innerhalb der bestimmten Frist angenommen werden und kann vor Ablauf der Annahmefrist nicht zurückgenommen werden.ris.bka.gv.at ↗
- 12law§ 311b BGB: Notarielle Beurkundung von GrundstückskaufverträgenBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Ein Vertrag, durch den sich jemand verpflichtet, Eigentum an einem Grundstück zu übertragen oder zu erwerben, bedarf der notariellen Beurkundung.gesetze-im-internet.de ↗





