Hinter der Suchanfrage „Was hat der Nachbar für sein Haus bezahlt?“ steckt selten bloße Neugier, meist eine Rechenaufgabe: Wer verkaufen, kaufen oder eine Bankbewertung prüfen will, braucht echte Kaufpreise aus der eigenen Straße. Genau daran scheitern viele Eigentümer, denn sie wissen weder, wo diese Preise stehen, noch, wie man sie vergleichbar macht. Österreich, Deutschland und die Schweiz geben auf die erste Frage drei verschiedene Antworten; die zweite beantwortet die Anleitung unten an einer Wiener Adresse, vom Grundbuchauszug bis zum begründeten Quadratmeterpreis, samt den Fallen, in die Laien dabei regelmäßig treten.
Was ein Vergleichsobjekt vergleichbar macht: Lage, Zeitpunkt, Fläche, Baujahr, Zustand
Das Gesetz ist hier präziser, als viele Makler es darstellen. Nach § 4 Abs. 1 LBG sind vergleichbare Sachen solche, die hinsichtlich der wertbeeinflussenden Umstände weitgehend mit der zu bewertenden Sache übereinstimmen; Abweichungen und geänderte Marktverhältnisse sind durch Zu- oder Abschläge zu berücksichtigen1. Abs. 2 verlangt Kaufpreise aus dem redlichen Geschäftsverkehr in zeitlicher Nähe zum Bewertungsstichtag und in vergleichbaren Gebieten und schreibt vor, ältere oder jüngere Preise entsprechend der Preisentwicklung auf- oder abzuwerten1. Die deutsche ImmoWertV sagt dasselbe in § 24: Der Vergleichswert wird aus einer ausreichenden Anzahl von Vergleichspreisen ermittelt, bei bebauten Grundstücken wahlweise über objektspezifisch angepasste Vergleichsfaktoren4.
Aus diesen Sätzen ergeben sich fünf Prüfkriterien, in der Reihenfolge ihrer Bedeutung:
- Lage. Dieselbe Katastralgemeinde, besser dieselbe Gasse. Eine andere Wohnung im selben Haus ist fast immer das bessere Vergleichsobjekt als die baugleiche Wohnung im Nachbarbezirk.
- Zeitpunkt. Je näher am Stichtag, desto weniger Korrektur. Ältere Preise müssen mit dem Index fortgeschrieben werden, dazu unten mehr.
- Fläche. Vergleichen Sie innerhalb derselben Größenklasse. Die Statistik Austria teilt Wiener Eigentumswohnungen in unter 54, 54 bis 77 und über 77 m² ein, weil kleine Einheiten je Quadratmeter mehr kosten als große5.
- Baujahr. Die amtlichen Tabellen kennen drei Bauperioden: bis 1960, 1961 bis 1990 und ab 1991, und zwischen ihnen liegen im selben Bezirk oft mehr als tausend Euro je Quadratmeter5.
- Zustand und Ausstattung. Stockwerk, Lift, Balkon, Sanierungsstand. Diese Merkmale stehen in keinem Register; sie kommen aus dem Kaufvertrag, dem alten Inserat oder dem Nutzwertgutachten.
Wie das Vergleichswertverfahren neben Quadratmeterpreis und Online-Bewertung in die Gesamtrechnung passt, zeigt der Leitfaden Was ist mein Haus wert? Immobilienbewertung Schritt für Schritt; hier geht es um den Rohstoff, die Kaufpreise selbst.
Wo echte Kaufpreise stehen: Urkundensammlung in Österreich, Kaufpreissammlung in Deutschland, Kantone in der Schweiz
Die drei deutschsprachigen Länder haben denselben Bewertungsansatz und drei völlig verschiedene Antworten auf die Frage, wer die Kaufpreise sehen darf.
| Land | Wo die Kaufpreise liegen | Wer Zugang hat | Kosten | Detailgrad |
|---|---|---|---|---|
| Österreich | Urkundensammlung des Grundbuchs, darin jeder Kaufvertrag2 | Jede Person, ohne Begründung2 | Gerichtsgebühren je Abfrage: Kaufvertragssuche je Katastralgemeinde 2,44 €, Urkunde 1,52 €, dazu das Entgelt der Verrechnungsstelle6 | Einzelvertrag: Preis, Datum, Objekt, Vertragsparteien |
| Deutschland | Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses, gespeist aus der Abschrift jedes Kaufvertrags3 | Übermittlung nur an das Finanzamt; Auskunft bei berechtigtem Interesse nach Landesrecht3 | Nach Landesrecht | Einzelpreise nur mit Interesse; öffentlich sind die daraus abgeleiteten Bodenrichtwerte7 und die Marktberichte |
| Schweiz | Kantonale Grundbuchämter | Eigentümer, Erwerbsdatum und Dienstbarkeiten ohne Interessennachweis, der Kaufpreis gehört nicht dazu8 | Kantonal geregelt8 | Kantone dürfen den Eigentumserwerb mit Einschränkungen veröffentlichen8; Preise liegen sonst in den Datenbanken der Banken und Bewerter |
Österreich. Das Grundbuch besteht aus Hauptbuch und Urkundensammlung, und in beide darf jede Person Einsicht nehmen2. Der Kaufvertrag ist die Erwerbsurkunde, auf die das Eigentumsblatt verweist, und er nennt den Preis. Wer eine Katastralgemeinde kennt, kann gezielt nach Kaufverträgen suchen; die Gerichtsgebühr dafür beträgt 2,44 Euro je Katastralgemeinde, jede abgefragte Urkunde 1,52 Euro6. Das ist die Grundlage der Anleitung im nächsten Abschnitt.
Deutschland. Die beurkundende Stelle schickt von jedem entgeltlichen Grundstücksvertrag eine Abschrift an den Gutachterausschuss; dort entsteht die Kaufpreissammlung, die nur dem Finanzamt übermittelt werden darf und aus der Auskünfte nur bei berechtigtem Interesse nach Landesrecht erteilt werden3. Das Grundbuch hilft Privatpersonen nicht weiter: Nach § 12 GBO ist die Einsicht nur dem gestattet, der ein berechtigtes Interesse darlegt, und der Kaufpreis steht dort ohnehin nicht9. Öffentlich ist, was die Ausschüsse aus der Sammlung ableiten: Nach § 196 BauGB ermitteln sie mindestens zu Beginn jedes zweiten Kalenderjahres flächendeckend Bodenrichtwerte, veröffentlichen sie, und jedermann kann Auskunft verlangen7. BORIS-D stellt sie als Gemeinschaftsprojekt mehrerer Länder webbasiert bereit10; dazu kommen die Grundstücksmarktberichte mit ausgewerteten Preisen je Teilmarkt.
Schweiz. Ohne Interessennachweis erhält jede Person die Beschreibung des Grundstücks, Namen und Eigentumsform der Eigentümerschaft, das Erwerbsdatum sowie Dienstbarkeiten und Grundlasten; die Kantone können den Eigentumserwerb mit Einschränkungen veröffentlichen und regeln die Gebühren selbst8. Der Preis einer Handänderung gehört nicht zu den frei zugänglichen Angaben, weshalb Banken und Bewerter mit hedonischen Modellen auf eigenen Transaktionsdaten arbeiten11.
Schritt für Schritt: fünf Vergleichskäufe für eine Wiener Adresse in 30 Minuten
Die Anleitung gilt für Österreich; für Deutschland und die Schweiz gilt der Abschnitt über den Ersatz für fehlende Kaufpreise. Alle Beträge sind Gerichtsgebühren, das Entgelt der Verrechnungsstelle kommt dazu6. Die Namen von Käufern und Verkäufern brauchen Sie für die Rechnung nicht; notieren Sie nur Preis, Datum und Objekt.
- Katastralgemeinde und Einlagezahl finden. Über JustizOnline oder eine der vom Justizministerium autorisierten Verrechnungsstellen starten Sie die Adresssuche im Anschriftenverzeichnis; sie kostet 1,52 Euro für bis zu zehn Treffer und liefert Katastralgemeinde, Grundstücksnummer und Einlagezahl Ihres eigenen Objekts6.
- Kaufverträge der Umgebung auflisten. Die Abfrage „Suche nach Kaufverträgen je Katastralgemeinde“ kostet 2,44 Euro6 und zeigt die jüngst verbücherten Kaufverträge der Katastralgemeinde mit Tagebuchzahl und Einlagezahl. Notieren Sie die Einlagen in Ihrer Gasse und in den Nachbargassen.
- Die Urkunden lesen. Jede Urkunde aus der Urkundensammlung kostet 1,52 Euro6. Im Kaufvertrag finden Sie Kaufpreis, Vertragsdatum, die Bezeichnung des Wohnungseigentumsobjekts mit Stiege und Türnummer, häufig auch Nutzfläche, Zubehör wie Kellerabteil oder Garagenplatz und die Aufteilung des Preises. Fünf Urkunden kosten 7,60 Euro.
- Größenklasse und Bauperiode zuordnen. Legen Sie neben Ihre fünf Preise den Wert, den die Statistik Austria für Ihren Bezirk in derselben Größenklasse und Bauperiode ausweist5. Er sagt Ihnen sofort, ob ein Vertrag ein Ausreißer ist.
- Zeitpunkt korrigieren. Notieren Sie zu jedem Vertrag das Datum. Was älter als ein paar Monate ist, wird mit dem Häuserpreisindex fortgeschrieben, der für bestehende Wohnungen im 2. Quartal 2026 ein Plus von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ausweist12.
Die ganze Recherche kostet im Beispiel 1,52 plus 2,44 plus 7,60, also 11,56 Euro Gerichtsgebühr6. Was fehlt, sind Fotos, Grundriss und Zustand: Dafür lohnt ein Blick in die Inseratsarchive der Portale, denn das Inserat beschreibt das Objekt, der Kaufvertrag liefert den Preis.
Anpassen statt mitteln: die Berechnung nach § 4 LBG und § 24 ImmoWertV
Der häufigste Fehler nach der Recherche ist der Taschenrechner: fünf Kaufpreise addieren, durch fünf teilen, fertig. Das Gesetz verlangt etwas anderes: Zu- oder Abschläge für abweichende Eigenschaften, Auf- oder Abwertung für geänderte Marktverhältnisse, und Kaufpreise unter ungewöhnlichen Verhältnissen oder persönlichen Umständen nur nach Berichtigung1. Ein Sachverständiger muss nach § 10 LBG jedes Vergleichsobjekt anführen, seine Wertbestimmungsmerkmale beschreiben, den Kaufpreis nennen und jede Korrektur begründen1. Dieselbe Disziplin macht Ihre Rechnung auch gegenüber Bank oder Käufer haltbar.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat:
- Zuerst die Zeit. Ein Kaufpreis vom Sommer 2025 ist heute zu niedrig angesetzt. Der österreichweite Index für bestehende Wohnungen stieg im 2. Quartal 2026 um 5,5 Prozent zum Vorjahresquartal, jener für bestehende Häuser um 4,8 Prozent12; ein Vertrag, der neun Monate alt ist, wird also um rund vier Prozent angehoben, einer aus dem Vorjahr um rund fünf.
- Dann die Fläche. Rechnen Sie jeden Preis auf den Quadratmeter um, damit 66 und 74 m² vergleichbar werden. Innerhalb derselben Größenklasse reicht das; springt ein Objekt in die nächste Klasse, ist es kein gutes Vergleichsobjekt.
- Zuletzt Ausstattung und Zustand. Lift, Balkon, Stockwerk, Sanierung. Die Richtung ist einfach: Hat das Vergleichsobjekt etwas, das Ihres nicht hat, wird sein Preis nach unten korrigiert, fehlt ihm etwas, nach oben. Die Höhe der Korrektur ist Marktbeobachtung, keine Naturkonstante; sie ergibt sich aus dem Vergleich von Verträgen mit und ohne das Merkmal in derselben Gegend.
Die ImmoWertV beschreibt denselben Ablauf in anderer Sprache: vorläufiger Vergleichswert aus der statistischen Auswertung der Vergleichspreise, Marktanpassung, zuletzt die besonderen objektspezifischen Grundstücksmerkmale4. Wie Sie Quadratmeterpreise dabei richtig lesen, zeigt der Beitrag zum Quadratmeterpreis und seinen Fallstricken.
Vergleichswertverfahren am Beispiel: drei Kaufverträge für eine Wohnung in Wien-Ottakring
Ein Beispiel mit erfundenem Objekt und erfundenen Verträgen, aber mit dem echten Bezirkswert. Angenommen, Sie bewerten eine Wohnung mit 70 m² in Ottakring, Baujahr 1975, dritter Stock mit Lift, ohne Balkon, Fenster 2015 getauscht, Bad und Küche aus den Neunzigern.
Ausgangspunkt. Für Ottakringer Eigentumswohnungen zwischen 54 und 77 m² Wohnfläche, gebaut zwischen 1961 und 1990, ohne Balkon, Terrasse oder Garten nennt die Statistik Austria 3.571 €/m²5. Mal 70 m² sind das rund 250.000 Euro, der Bezirksdurchschnitt für Ihre Kategorie, nicht Ihr Wert.
Die drei Verträge aus der Urkundensammlung. Die Prozentsätze für Lift, Balkon und Sanierung sind Annahmen für dieses Beispiel; im Ernstfall leiten Sie sie aus weiteren Verträgen der Umgebung ab. Die Zeitkorrektur folgt dem österreichweiten Index für bestehende Wohnungen, plus 5,5 Prozent im Jahresvergleich12.
| Vertrag | Kaufpreis | Fläche | €/m² roh | Unterschied zu Ihrer Wohnung | Korrektur | €/m² angepasst |
|---|---|---|---|---|---|---|
| A, gleiche Gasse, vor 3 Monaten | 228.000 € | 66 m² | 3.455 | 2. Stock ohne Lift, Baujahr 1972 | +4 % für den fehlenden Lift | 3.593 |
| B, Nachbarhaus, vor 9 Monaten | 270.000 € | 74 m² | 3.649 | Balkon, 4. Stock mit Lift, Baujahr 1978 | −5 % Balkon, +4 % Zeit | 3.605 |
| C, zwei Gassen weiter, vor 14 Monaten | 252.000 € | 69 m² | 3.652 | Bad und Küche 2023 erneuert, Baujahr 1975 | −6 % Sanierung, +6 % Zeit | 3.639 |
Nach den Korrekturen liegen die drei Verträge zwischen 3.593 und 3.639 €/m². Vertrag A wiegt am schwersten, weil er aus derselben Gasse stammt und der jüngste ist; ein Punktwert um 3.610 €/m², also rund 253.000 Euro, mit einer Spanne von 251.000 bis 255.000 Euro ist damit gut begründet. Das Ergebnis liegt knapp über dem Bezirksdurchschnitt, was zu Lift und drittem Stock passt.
Die Kontrolle: Roh streuen die drei Quadratmeterpreise von 3.455 bis 3.652, also um fast sechs Prozent, nach den Korrekturen bleibt gut ein Prozent. Wer Vertrag C ungeprüft übernommen hätte, hätte die frische Sanierung des Nachbarn mitbewertet. Eine solche Herleitung mit Entfernung, Datum und Korrektur je Vergleichskauf zeigt der Musterbericht für eine Wiener Adresse auf der Startseite.
Fallen: Angebotspreise, Verkäufe in der Familie, Zwangsversteigerungen, Bauträgerpreise
Angebotspreise. Was auf willhaben oder ImmoScout24 steht, ist der Wunsch des Verkäufers; § 4 LBG lässt nur tatsächlich erzielte Kaufpreise zum Vergleich zu1. Nutzen Sie Inserate für die Beschreibung, nie für die Zahl.
Verkäufe unter Verwandten, Teilverkäufe, Übergaben mit Wohnrecht. Solche Verträge fallen unter die persönlichen Umstände und ungewöhnlichen Verhältnisse, die § 4 Abs. 3 LBG nur bei wertmäßiger Berichtigung zulässt1. In der Urkundensammlung erkennen Sie sie an gleichen Familiennamen, an einem Preis weit unter der Bezirkstabelle oder an einer Gegenleistung, die nicht nur aus Geld besteht; meist lässt man sie besser weg.
Zwangsversteigerungen. In Deutschland wandert auch der Zuschlag in einem Zwangsversteigerungsverfahren in die Kaufpreissammlung3; als Vergleichspreis ist er trotzdem ungeeignet, weil weder Zeit noch Vermarktung dem gewöhnlichen Geschäftsverkehr entsprechen.
Bauträger und Erstbezug. Neubau ist ein eigener Markt. In Ottakring kostete dieselbe Größenklasse 54 bis 77 m² aus der Bauperiode ab 1991 im Durchschnitt 5.303 €/m², gegenüber 3.571 €/m² für die Baujahre 1961 bis 19905. Wer einen Bauträgervertrag als Vergleich für eine Wohnung aus 1975 nimmt, bewertet die Baustelle mit, nicht die Wohnung.
Zubehör und Flächenbegriff. Ein Kaufpreis kann Garagenplatz oder Einrichtung enthalten, ein Vertrag nennt Nutzfläche, ein Inserat Wohnfläche. Klären Sie beides, bevor Sie auf den Quadratmeter umrechnen.
Vergleichskäufe im CheckValue-Bericht: Entfernung, Datum und Anpassung je Kaufvertrag
Wer die fünf Schritte oben einmal von Hand gegangen ist, weiß, was er von einem Bewertungsbericht erwarten darf. CheckValue legt für die eingegebene Adresse die Vergleichskäufe offen, auf denen der Wert ruht, jeweils mit Entfernung zum Objekt, Datum und der Anpassung, mit der der Preis in die Rechnung eingeht. Das ist die Ottakringer Tabelle für Ihre Adresse, und der Teil, den Sie mit eigenen Urkunden abgleichen sollten. Der amtliche Preisindex daneben zeigt, wie die Zeitkorrektur zustande kommt, und die Vermarktungsdauer der Gegend sagt, ob Verkäufer gerade nachgeben müssen.
Die Grundlage unterscheidet sich je Land, und der Bericht verschweigt das nicht: In Österreich sind Kaufverträge öffentlich und die Statistik Austria liefert den Bezirksrahmen; in Deutschland tragen die Bodenrichtwerte aus BORIS und die Preisstatistik des Statistischen Bundesamts mehr Gewicht, in der Schweiz die Daten von swisstopo und Bundesamt für Statistik. Wo eine Anpassung für Baujahr, Zustand oder Energieklasse einfließt, steht der Koeffizient mit Quelle dabei. Der Bericht ist eine Orientierung mit Quellenverzeichnis, kein Gutachten nach § 9 und § 10 LBG1, und den eingetragenen Eigentümer nennt er nur für Adressen in den Vereinigten Staaten aus den dortigen öffentlichen Registern; für die Frage, wem das Nachbarhaus gehört, führt der Weg in Österreich über das Grundbuch, wie oben beschrieben. Den Aufbau für Ihre eigene Adresse zeigt die kostenlose Vorschau des Berichts, bevor Sie etwas bezahlen.
Wenn keine Kaufpreise zugänglich sind: Bodenrichtwert, Vergleichsfaktor, hedonisches Modell
Deutsche Eigentümer stehen vor der geschlossenen Kaufpreissammlung, Schweizer vor kantonalen Grenzen. Für beide gibt es Ersatz, weniger genau, aber nicht wertlos.
Bodenrichtwert plus Vergleichsfaktor. § 24 ImmoWertV erlaubt, neben oder anstelle von Vergleichspreisen einen objektspezifisch angepassten Vergleichsfaktor oder Bodenrichtwert mit der Bezugsgröße des Objekts zu multiplizieren4. Der Bodenrichtwert steht in BORIS-D10, die Vergleichsfaktoren je Quadratmeter Wohnfläche in den Grundstücksmarktberichten. Das Ergebnis kommt aus Tabellen, nicht aus Nachbarverträgen, und so sollten Sie es behandeln.
Hedonische Modelle. In der Schweiz vergleicht die hedonische Methode das Objekt anhand einer Datenbank tatsächlicher Verkaufspreise mit rund 20 Objektmerkmalen und etwa 50 Lagefaktoren; Banken nutzen sie als Hauptmethode bei Hypotheken für Wohneigentum, bei Liebhaberobjekten, sehr alten Liegenschaften oder viel Land stößt sie an Grenzen11. Was das für Käufer bedeutet, deren Bank tiefer bewertet als der Kaufpreis, behandelt der Beitrag zur zu niedrigen Bankbewertung.
Bezirksdurchschnitt als Anker. Gibt die Urkundensammlung zu wenige passende Verträge her, bleibt in Österreich die Tabelle der Statistik Austria nach Bezirk, Größenklasse und Bauperiode; der Median für Eigentumswohnungen lag 2025 österreichweit bei 4.162 €/m²5, der Bezirkswert Ihrer Kategorie ist der bessere Anker. Woran Sie bei Online-Rechnern erkennen, ob eine Zahl Vergleichskäufe hinter sich hat, erklärt der Vergleich der Online-Bewertungen und ihrer Genauigkeit; wer kauft statt bewertet, prüft mit denselben Verträgen, ob ein Angebotspreis fair ist.
In über zwanzig Jahren im Immobiliengeschäft habe ich mir eine Reihenfolge angewöhnt: zuerst die Kaufverträge, dann die Inserate. Das Inserat sagt, was der Verkäufer wollte, der Vertrag sagt, was der Markt gegeben hat. Wer die Reihenfolge umdreht, bewertet Wünsche.
Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechts- oder Steuerberatung. Gesetzesstellen, Gebühren und Indexwerte tragen den Stand ihrer Quelle; die geltende Fassung finden Sie dort.
Häufige Fragen
Wie funktioniert das Vergleichswertverfahren?
Sie suchen Kaufverträge über Objekte, die Ihrem in Lage, Größe, Baujahr und Zustand weitgehend gleichen und in zeitlicher Nähe zum Stichtag abgeschlossen wurden. Jeden Kaufpreis rechnen Sie auf den Quadratmeter um, korrigieren die Unterschiede zu Ihrem Objekt durch begründete Zu- und Abschläge und schreiben ältere Preise mit dem Häuserpreisindex fort. Die angepassten Werte sollten sich in einer engen Spanne treffen; daraus ergibt sich der Vergleichswert, wie ihn § 4 LBG und § 24 ImmoWertV beschreiben.
Wo kann ich tatsächliche Kaufpreise von Immobilien einsehen?
In Österreich in der Urkundensammlung des Grundbuchs: Dort liegt jeder Kaufvertrag mit dem Preis, und die Einsicht steht jeder Person offen, online über eine Verrechnungsstelle gegen wenige Euro Gerichtsgebühr. In Deutschland sind die Einzelpreise in der Kaufpreissammlung der Gutachterausschüsse gesammelt, die nur dem Finanzamt übermittelt werden darf; öffentlich sind die daraus abgeleiteten Bodenrichtwerte und die Grundstücksmarktberichte. In der Schweiz entscheidet der Kanton, ob Handänderungspreise veröffentlicht werden.
Was hat der Nachbar für sein Haus bezahlt, und darf ich das erfahren?
In Österreich ja, und zwar legal: Der Kaufvertrag liegt in der Urkundensammlung des Grundbuchs, und für die Einsicht müssen Sie kein Interesse nachweisen. Sie brauchen die Katastralgemeinde und die Einlagezahl, die Sie über die Adresssuche finden. In Deutschland ist die Frage so nicht beantwortbar: Das Grundbuch nennt keinen Kaufpreis, die Einsicht setzt nach § 12 GBO ein berechtigtes Interesse voraus, und Neugier zählt nicht dazu. Bleibt der Blick auf Bodenrichtwert und Marktbericht.
Kann ich den Kaufvertrag im Grundbuch einsehen?
In Österreich ja. Das Grundbuch besteht aus Hauptbuch und Urkundensammlung, und die Einsicht in beide ist jeder Person gestattet. Online kostet die Abfrage einer Urkunde 1,52 Euro Gerichtsgebühr, dazu kommt das Entgelt der Verrechnungsstelle. In Deutschland gehört der Kaufvertrag zu den Grundakten; Einsicht erhält nur, wer ein berechtigtes Interesse darlegt, und über jede Einsicht wird ein Protokoll geführt, das der Eigentümer abfragen kann.
Wie viele Vergleichsobjekte braucht eine Bewertung?
Das Gesetz nennt keine Zahl; die ImmoWertV spricht von einer ausreichenden Anzahl von Vergleichspreisen. In der Praxis genügen drei bis sechs wirklich passende Kaufverträge aus der Umgebung, die nach den Anpassungen eng beieinanderliegen. Zehn schlecht passende Objekte sind schlechter als drei gute, weil jede große Korrektur den Wert unsicherer macht. Finden Sie weniger als drei, erweitern Sie den Umkreis oder den Zeitraum, und dann rechnen Sie den Zeitunterschied mit dem Index heraus.
Wie weit dürfen Vergleichskäufe zurückliegen?
So kurz wie möglich, denn § 4 LBG verlangt Kaufpreise in zeitlicher Nähe zum Bewertungsstichtag und schreibt vor, ältere oder jüngere Preise entsprechend der Preisentwicklung auf- oder abzuwerten. Als Maßstab dient der Häuserpreisindex der Statistik Austria: Im 2. Quartal 2026 lagen die Preise für bestehende Wohnungen 5,5 Prozent über dem Vorjahresquartal. Ein Kaufvertrag aus dem Sommer 2025 ist damit heute rund fünf Prozent zu niedrig und muss vor dem Vergleich angehoben werden.
Sind Angebotspreise auf willhaben oder ImmoScout24 Vergleichswerte?
Nein. Ein Angebotspreis ist der Wunsch des Verkäufers, kein erzielter Kaufpreis, und nur letztere lässt § 4 LBG zum Vergleich zu. Inserate sind trotzdem nützlich: Sie zeigen Fotos, Grundriss, Stockwerk und Zustand, die im Kaufvertrag fehlen, und ein Objekt, das seit Monaten inseriert ist, verrät, wo der Markt nicht mitgeht. Nutzen Sie Inserate zur Beschreibung der Vergleichsobjekte, den Preis nehmen Sie aus dem Kaufvertrag.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Zahlen und Regeln tragen das Jahr ihrer Veröffentlichung; die aktuelle Fassung finden Sie in der zitierten Quelle.
Quellen
- 1lawLiegenschaftsbewertungsgesetz (LBG), Bundesrecht konsolidiertRIS, Bundeskanzleramt Österreich · 2026§ 4 regelt das Vergleichswertverfahren: tatsächlich erzielte Kaufpreise vergleichbarer Sachen, Zu- und Abschläge für Abweichungen, Auf- oder Abwertung älterer Preise, Berichtigung bei ungewöhnlichen Verhältnissen; § 10 verlangt, dass ein Gutachten die Vergleichsobjekte, ihre Kaufpreise und jede Korrektur offenlegt.ris.bka.gv.at ↗
- 2guidanceGrundbuchseinsicht: jede Person kann Einsicht nehmenoesterreich.gv.at (Bundeskanzleramt), Stand 01.07.2026 · 2026In das österreichische Grundbuch kann jede Person Einsicht nehmen, und zwar sowohl in das Hauptbuch als auch in die Urkundensammlung, in der die Kaufverträge liegen.oesterreich.gv.at ↗
- 3law§ 195 BauGB: KaufpreissammlungBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Jeder Grundstückskaufvertrag und jeder Zuschlag in der Zwangsversteigerung geht in Abschrift an den Gutachterausschuss; die Kaufpreissammlung darf nur dem Finanzamt übermittelt werden, Auskünfte gibt es bei berechtigtem Interesse nach Landesrecht.gesetze-im-internet.de ↗
- 4law§ 24 ImmoWertV: Grundlagen des VergleichswertverfahrensBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Der Vergleichswert wird aus einer ausreichenden Anzahl von Vergleichspreisen ermittelt; neben oder anstelle von Vergleichspreisen sind objektspezifisch angepasste Vergleichsfaktoren und Bodenrichtwerte zulässig, der vorläufige Wert wird marktangepasst und um besondere objektspezifische Grundstücksmerkmale korrigiert.gesetze-im-internet.de ↗
- 5statisticsImmobilien-Durchschnittspreise 2025: Wohnungspreise nach Bezirken, Größenklassen und BauperiodenStatistik Austria, Tabellen erstellt am 28.05.2026 · 2026Geometrische Mittel der Transaktionen privater Haushalte 2021 bis 2025 auf Preisniveau 2025, in Wien nach den Größenklassen unter 54, 54 bis 77 und über 77 m² und drei Bauperioden; Wien-Ottakring, 54 bis 77 m², Baujahr 1961 bis 1990, ohne Außenflächen: 3.571 €/m², ab Baujahr 1991: 5.303 €/m²; Median Österreich 2025 für Eigentumswohnungen 4.162 €/m².statistik.at ↗
- 6guidanceGrundbuchsabfrage über das Internet: Verrechnungsstellen und Gebührenoesterreich.gv.at (Bundeskanzleramt) · 2026Gerichtsgebühren der Grundstücksdatenbank: Adresssuche im Anschriftenverzeichnis 1,52 €, Suche nach Kaufverträgen je Katastralgemeinde 2,44 €, Abfrage der Urkundensammlung je Urkunde 1,52 €, vollständiger Grundbuchsauszug 4,89 €; den Verrechnungsstellen sind zusätzlich angemessene Kosten zu ersetzen.oesterreich.gv.at ↗
- 7law§ 196 BauGB: BodenrichtwerteBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Auf Grund der Kaufpreissammlung sind flächendeckend durchschnittliche Lagewerte für den Boden zu ermitteln, mindestens zu Beginn jedes zweiten Kalenderjahres; sie sind zu veröffentlichen, und jedermann kann Auskunft verlangen.gesetze-im-internet.de ↗
- 8officialGrundbuch in der Schweiz: Öffentlichkeit und Auskunftcadastre.ch, Eidgenössisches Amt für Grundbuch- und Bodenrecht / swisstopo, veröffentlicht am 31.03.2024 · 2024Ohne Nachweis eines Interesses erhält jede Person Bezeichnung und Beschreibung des Grundstücks, Namen und Eigentumsform der Eigentümerschaft, Erwerbsdatum, Dienstbarkeiten und Grundlasten; die Kantone können den Eigentumserwerb mit Einschränkungen veröffentlichen, die Gebühren sind kantonal geregelt.cadastre.ch ↗
- 9law§ 12 Grundbuchordnung (GBO): Einsicht bei berechtigtem InteresseBundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de · 2026Die Einsicht des Grundbuchs und der in Bezug genommenen Urkunden ist jedem gestattet, der ein berechtigtes Interesse darlegt; über Einsichten wird ein Protokoll geführt, aus dem der Eigentümer Auskunft verlangen kann.gesetze-im-internet.de ↗
- 10officialBORIS-D: Bodenrichtwertinformationssystem für DeutschlandArbeitsgemeinschaft der Vorsitzenden der Gutachterausschüsse / Länder · 2026Gemeinschaftsprojekt mehrerer Bundesländer, das die Bodenrichtwerte der Gutachterausschüsse länderübergreifend, webbasiert und für die breite Öffentlichkeit zugänglich bereitstellt.bodenrichtwerte-boris.de ↗
- 11guidanceImmobilienbewertung: Die Grundlage für den Kaufentscheid und die FinanzierungRaiffeisen Schweiz, 31.03.2026 · 2026Die hedonische Methode vergleicht das Objekt anhand einer Datenbank tatsächlicher Verkaufspreise mit rund 20 Objektmerkmalen und etwa 50 Lagefaktoren und ist die Hauptmethode der Schweizer Banken bei Hypotheken für Wohneigentum; bei Sonderobjekten stößt sie an Grenzen.raiffeisen.ch ↗
- 12statisticsHäuserpreisindex und OOH PI, 2. Quartal 2026 (Veränderungsraten zum Vorjahresquartal)Statistik Austria, Tabelle erstellt am 23.09.2026 · 2026Vorläufiger Häuserpreisindex 2. Quartal 2026 gegenüber dem 2. Quartal 2025: Gesamtindex +5,1 %, neuer Wohnraum +4,9 %, bestehender Wohnraum +5,1 %, bestehende Häuser +4,8 %, bestehende Wohnungen +5,5 %.statistik.at ↗





